Baidu, Lyft

Baidu und Lyft in London: Kommerzieller Robotaxi-Dienst für 2027 geplant

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 10:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
London und Madrid ziehen Robotaxi-Anbieter an; kommunale Gremien verlangen strengere Sicherheitsregeln und mehr Kontrolle.
Eine regnerische, menschenleere Straße in London bei Dämmerung mit Lichtreflexionen auf dem nassen Asphalt. Illustration mit AI erstellt.

Mehrere führende Unternehmen im Bereich des autonomen Fahrens bereiten den Start und den Ausbau kommerzieller Robotaxi-Dienste in europäischen Metropolen vor. Vor allem Metropolen wie London und Madrid entwickeln sich derzeit zu zentralen Schauplätzen für den Rollout fahrerloser Flotten durch Anbieter wie Waymo, Baidu und Wayve.

Nach Einschätzung des Beratungsunternehmens Arthur D. Little entwickelt sich Europa zum meistbeachteten Markt im weltweiten Robotaxi-Wettbewerb, da westliche und chinesische Konzerne dieselben Städte ins Visier nehmen und der europäische Rechtsrahmen vergleichsweise offen ist.

Ein wesentlicher Treiber für die Konzentration auf Europa ist zudem die politische Entwicklung in den Vereinigten Staaten, wo sich der US-Senat auf ein Gesetz für ein dauerhaftes Verbot chinesischer Fahrzeuge zubewegt.

Offensive von Baidu, Lyft und Wayve in London

Am 22. Oktober 2026 präsentierten der chinesische Technologiekonzern Baidu mit seiner Plattform Apollo Go und der Fahrdienstvermittler Lyft über seine Tochtergesellschaft Freenow in London das autonome Fahrzeugmodell RT6. Die Partner streben an, im Jahr 2027 einen kommerziellen fahrerlosen Robotaxi-Dienst in der britischen Hauptstadt aufzubauen. Bereits seit dem Sommer 2026 laufen im Londoner Stadtbezirk Brent Tests mit Sicherheitsfahrern, an denen Dutzende Fahrzeuge beteiligt sind.

Freenow-UK-Chef Danny O'Gorman verwies darauf, dass London mit engen Straßen, zahlreichen Geschwindigkeitsbegrenzungen und Tempo-20-Zonen mit umgerechnet rund 32 Kilometern pro Stunde gute Bedingungen für Testläufe biete. Das Unternehmen arbeite eng mit der Verkehrsbehörde Transport for London zusammen.

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Freenow, das Lyft im Jahr 2025 für rund 197 Millionen US-Dollar übernommen hatte, plant für die kommenden ein bis zwei Jahre den Start eines Hybridnetzes mit Dutzenden Fahrzeugen, das Robotaxis, herkömmliche Mietwagen und Taxis bündelt, ohne die traditionellen Black Cabs zu verdrängen.

Ebenfalls in London starteten Wayve und der Fahrdienst Uber im September 2026 überwachte Testfahrten mit lizenzierten Fahrern. Insgesamt beabsichtigen mindestens vier Unternehmen die Inbetriebnahme selbstfahrender Taxis im Rahmen eines staatlich geförderten britischen Pilotprojekts.

Waymo und WeRide visieren Madrid an

Auch in der spanischen Hauptstadt intensiviert sich der Wettbewerb. Die Alphabet-Tochter Waymo bereitet über ihre Tochtergesellschaft Waymo Iberia SL den unüberwachten Betrieb vor und plant für 2027 kommerzielle Robotaxi-Fahrten in Madrid sowie ausgewählten Metropolgemeinden.

Geplant ist ein dreistufiges Testprotokoll: Nach ersten Fahrten mit Fahrern folgt der autonome Betrieb mit einem Sicherheitstechniker an Bord, bevor 2027 die fahrerlose Phase beginnt. Die Tests finden tagsüber und nachts in Madrid, Alcobendas und Getafe mit elektrischen Jaguar I-PACE statt, die mit der fünften Generation des Waymo Driver ausgestattet sind.

Das System stützt sich laut Unternehmensangaben auf über 300 Millionen real gefahrene Kilometer und mehrere Milliarden simulierte Testkilometer. Nach mehr als 400 Millionen gefahrenen Kilometern in den USA verzeichnet das Unternehmen dort nach eigenen Angaben 95 Prozent weniger Unfälle mit schweren oder tödlichen Verletzungen sowie 93 Prozent weniger Fußgängerunfälle im Vergleich zu menschlichen Fahrern. Waymo plant zudem den Einsatz von Robotaxis in London bis Ende 2026, gefolgt von Starts in München und Madrid.

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Parallel dazu erhielten WeRide, Uber und AVOMO im September 2026 unter dem spanischen Rechtsrahmen ES-AV Genehmigungen für Tests und digitale Kartierungen in Madrid. Zum Einsatz kommen zunächst 20 Fahrzeuge mit Bordspezialisten; ein kommerzieller Betrieb ist für den späteren Verlauf des Jahres 2026 vorgesehen.

Regulatorische Hürden und Sicherheitsbedenken

Trotz der zügigen technischen Vorbereitungen wächst der Widerstand auf kommunaler Ebene. Der Verkehrsausschuss der London Assembly veröffentlichte im September 2026 einen skeptischen Bericht und forderte weitergehende lokale Kontrollbefugnisse für strengere Sicherheitsauflagen sowie eine Begrenzung der Fahrzeugzahlen.

Unter anderem fordert das Gremium die Übertragung der Genehmigungsbefugnisse von der Driver and Vehicle Standards Agency auf Transport for London sowie eine Verpflichtung, Unfälle und Beinaheunfälle innerhalb von 24 Stunden zu melden.

Juristen weisen zudem darauf hin, dass eine vollständige rechtliche Klarheit in Großbritannien voraussichtlich erst Ende 2027 zu erwarten sei. Bislang fehlten präzise gesetzliche Definitionen für zentrale Sicherheitsbegriffe.

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