Bank-Quishing: Kriminelle locken GeschÀftskunden mit QR-Codes
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 03:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Verschiedene Behörden, Handwerkskammern und die Polizei warnen derzeit vor einer massiven Welle betrĂŒgerischer AktivitĂ€ten. Im Fokus stehen dabei gefĂ€lschte Steuerbescheide, manipulierte Rechnungen und neue Phishing-Methoden, die darauf abzielen, sensible Daten abzugreifen oder unmittelbare Zahlungen auf auslĂ€ndische Konten zu erzwingen.
Experten beobachten dabei eine zunehmende Professionalisierung der TÀter, die sowohl Privatpersonen als auch gezielt GeschÀftskunden ins Visier nehmen.
Handwerkskammer und Steuerbehörden melden gefÀlschte Bescheide
Die Handwerkskammer Dortmund berichtet aktuell von betrĂŒgerischen Rechnungen, die im Raum Hattingen und Umgebung im Umlauf sind. Die Schreiben suggerieren vermeintliche Kosten fĂŒr Handelsregister-Bekanntmachungen. AuffĂ€llig seien laut der Kammer das Fehlen einer Ortsangabe beim genannten Amtsgericht sowie die Firmierung des Absenders als âZentrale Zahlstelleâ.
Die in den Schreiben angegebenen IBAN-Nummern beginnen mit den LĂ€nderkĂŒrzeln PL24, LT57 oder ES49, was auf Konten im Ausland hindeutet. Gefordert werde eine Zahlung innerhalb von drei Werktagen. Zudem warnt die Kammer vor Fake-Rechnungen der in den Niederlanden ansĂ€ssigen Firma Sixtus Software.
Parallel dazu warnt das Bundeszentralamt fĂŒr Steuern (BZSt) vor Phishing-Mails, die bundesweit an BĂŒrger versendet werden. Die E-Mails enthalten gefĂ€lschte Steuerbescheide, wobei hĂ€ufig das Aktenzeichen 120. G59 201 729 verwendet wird.
Das BZSt stellte klar, dass echte Zahlungen an die Behörde ausschlieĂlich auf inlĂ€ndische Konten der Bundeskasse geleistet werden. EmpfĂ€nger solcher Nachrichten sollten diese umgehend löschen und im Verdachtsfall die Polizei sowie ihr Bankinstitut informieren.
Auch in der Schweiz verzeichnen kantonale Steuerverwaltungen Ă€hnliche VorfĂ€lle. In den Kantonen Appenzell Innerrhoden, Luzern, Zug und Schwyz wird vor Betrugsmails gewarnt, die im Namen von eTax versendet werden. Diese fordern zur Begleichung angeblich ausstehender Steuern ĂŒber einen bereitgestellten Link auf.
Die Verwaltungen betonten, dass Mahnungen grundsÀtzlich auf dem Postweg verschickt werden und keine Links zur Dateneingabe per E-Mail versendet werden.
Neue Maschen beim Onlinebanking und in sozialen Medien
Einen neuen Trend stellt das sogenannte âBank-Quishingâ dar, welches die Kriminalpolizei Kiel derzeit beschĂ€ftigt. Betroffen sind hierbei ausschlieĂlich GeschĂ€ftskunden. Die TĂ€ter versenden Briefe mit einem QR-Code, der die Opfer auf eine gefĂ€lschte Anmeldeseite fĂŒr das Onlinebanking fĂŒhrt.
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Zur BestĂ€tigung der Transaktionen schalten sich falsche Bankmitarbeiter telefonisch ein und fordern die Freigabe. In einem dokumentierten Fall wurde so ein hoher fĂŒnfstelliger Betrag ĂŒberwiesen.
Auch bei der Polizei Gera wurde ein Fall von Computerbetrug zur Anzeige gebracht. Ein 53-jĂ€hriger Mann gab seine Kontodaten auf einer manipulierten Internetseite ein, woraufhin 5.000 Euro von seinem Konto abgebucht wurden. Die Ermittler fĂŒhren nun Verfahren wegen des Verdachts auf AusspĂ€hen von Daten und FĂ€lschung beweiserheblicher Daten.
Im Bereich der sozialen Medien warnt die Kriminalpolizei Köln vor der Methode âGhost Pairingâ auf WhatsApp. Kriminelle nutzen gehackte Accounts, um sich als Bekannte auszugeben und die Opfer dazu zu verleiten, ihr Konto ĂŒber einen Link oder QR-Code mit einem fremden GerĂ€t zu verknĂŒpfen. Dadurch erhalten die TĂ€ter vollen Zugriff auf die Kommunikation des Opfers.
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Ausmaà der CyberkriminalitÀt und juristische Konsequenzen
Das Phishing-Radar der Verbraucherzentrale NRW meldete allein in einer Woche sechs neue Kampagnen, die unter anderem Markennamen wie Sparkasse, Postbank, Santander und ELSTER missbrauchen. In einer weiteren Masche werden angebliche RundfunkbeitrÀge in Höhe von 55,08 Euro eingefordert. Auch das Deutschlandticket wird als Köder genutzt, wobei Mails ein Gratis-E-Bike versprechen, um Nutzer zur Preisgabe ihrer Daten zu bewegen.
Das GesamtausmaĂ der InternetkriminalitĂ€t verdeutlichen Zahlen der Polizei in Nordrhein-Westfalen fĂŒr das Jahr 2025. Demnach wurden rund 55.000 Cybercrime-FĂ€lle registriert, die einen Gesamtschaden von 41,5 Millionen Euro verursachten. Insgesamt wurden etwa 100.000 Straftaten verzeichnet, bei denen das Internet als Tatmittel diente.
Dass solche Taten konsequent verfolgt werden, zeigt ein aktuelles Urteil des Landgerichts Hannover. Zwei MÀnner wurden wegen des Betriebs von Fakeshops und Computerbetrugs in 116 FÀllen zu Freiheitsstrafen von viereinhalb Jahren beziehungsweise drei Jahren und drei Monaten verurteilt. Ein Schaden von rund 1,4 Millionen Euro wurde eingezogen. Das Urteil ist noch nicht rechtskrÀftig.
