Banking-Betrug: Verdachtsmeldungen verdreifacht auf 108.158 FĂ€lle
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 22:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
BetrĂŒger setzen vermehrt auf Videoanrufe, um an Bankdaten zu gelangen. Die TĂ€ter nutzen die Bildschirmfreigabe von Apple-GerĂ€ten, um Passwörter und TANs in Echtzeit auszuspĂ€hen. Banken und Sicherheitsbehörden schlagen Alarm.
So lÀuft der Betrug ab
Die Masche beginnt mit einer SMS ĂŒber eine angebliche, verdĂ€chtige Abbuchung. Kurz darauf folgt ein FaceTime-Anruf â die TĂ€ter geben sich als Bankmitarbeiter oder Sicherheitsdienst aus. Unter Druck setzen sie ihre Opfer dazu, die Bildschirmfreigabe auf iPhone oder iPad zu aktivieren.
Sobald die Freigabe lĂ€uft, sehen die Kriminellen jede Eingabe live mit. WĂ€hrend das Opfer die Banking-App öffnet, lesen die TĂ€ter Passwörter und TANs ab. Sie tĂ€tigen selbst Ăberweisungen oder Ă€ndern Kontoeinstellungen. Apple und die Sparkassen haben bereits offiziell vor dieser Masche gewarnt.
RekordverdÀchtige Betrugszahlen
Die FaceTime-Masche ist Teil eines gröĂeren Trends. Die Financial Intelligence Unit (FIU) meldet einen massiven Anstieg von Verdachtsmeldungen bei Neobanken. 2025 waren es 108.158 FĂ€lle â im Vorjahr nur 34.357. Das ist mehr als eine Verdreifachung. Neobanken machen inzwischen rund 29 Prozent aller Meldungen aus.
Auch technische Angriffe nehmen zu. Die Zahl der Android-Banking-Trojaner stieg um mehr als die HĂ€lfte. GroĂangelegte Betrugsoperationen wie âOperation Chargebackâ verursachten mit fingierten Abonnements SchĂ€den von ĂŒber 300 Millionen Euro â bei mehr als vier Millionen Betroffenen.
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Erfolge gegen Phishing-Netzwerke
Die Strafverfolger konnten zuletzt Erfolge verbuchen. Das Bundeskriminalamt (BKA) zerschlug gemeinsam mit internationalen Partnern den Phishing-Dienst âKratosâ. Rund 1.800 Nutzer nutzten die Plattform, um tĂ€uschend echte Microsoft-Seiten zu erstellen und die Zwei-Faktor-Authentifizierung zu umgehen. Seit 2024 fĂŒhrte der Dienst monatlich etwa 15.000 Kampagnen durch â die HintermĂ€nner erzielten Einnahmen von ĂŒber 300.000 Euro. Ein mutmaĂlicher Entwickler wurde in Indonesien festgenommen, ĂŒber 200 Server wurden neutralisiert.
Ein weiterer Schlag gelang gegen ein Netzwerk in Pakistan. Die Gruppe nutzte die âTycoon2FAâ-Infrastruktur und soll rund 96.000 Phishing-Apps erstellt haben. Zwei Hauptmitglieder wurden festgenommen.
Wer haftet bei Betrug?
In Deutschland mĂŒssen Banken nicht autorisierte Zahlungen grundsĂ€tzlich erstatten. Allerdings kann die Haftung entfallen, wenn dem Kunden grobe FahrlĂ€ssigkeit nachgewiesen wird. Der Bundesgerichtshof bestĂ€tigte im Juli 2025: Wer eine TAN am Telefon herausgibt, handelt trotz sichtbarer EmpfĂ€nger-Daten grob fahrlĂ€ssig.
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Sicherheitsexperten raten: Niemals sensible Daten oder Bildschirmfreigaben wĂ€hrend unangeforderter Anrufe autorisieren. Bei Verdacht sofort auflegen, die Bank ĂŒber offizielle KanĂ€le kontaktieren und Anzeige bei der Polizei erstatten. Betroffene Konten sollten umgehend gesperrt werden.
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