BauantrÀge ab September: NRW verbietet Papier, spart 20% Kosten
Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 07:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In Brandenburg hat die flĂ€chendeckende EinfĂŒhrung der neuen Online-Sozialplattform begonnen. Nach einer erfolgreichen Erprobungsphase im Landkreis Elbe-Elster sind seit kurzem erste Leistungen im Landkreis Potsdam-Mittelmark fĂŒr die digitale Beantragung freigeschaltet worden.
Unter der Adresse sozialplattform.de können BĂŒrger wichtige Sozialleistungen nun ortsunabhĂ€ngig und digital einreichen. Das Vorhaben ist Teil einer umfassenden Digitalisierungsstrategie, die darauf abzielt, wesentliche Verwaltungsleistungen bis zum Jahr 2029 vollstĂ€ndig online zugĂ€nglich zu machen.
Ausbau der digitalen Antragsverfahren in Brandenburg
Das neue Portal ermöglicht die Beantragung von Leistungen wie der Grundsicherung, Hilfe zum Lebensunterhalt sowie Mitteln fĂŒr Bildung und Teilhabe. Auch AntrĂ€ge fĂŒr einen Wohnberechtigungsschein oder die Ăbernahme von MietrĂŒckstĂ€nden können ĂŒber die Plattform abgewickelt werden.
FĂŒr den Zugang und die Identifizierung ist die Online-Ausweisfunktion des Personalausweises oder die sogenannte BundID erforderlich. Das Land Brandenburg ĂŒbernimmt dabei die laufenden Betriebskosten der Plattform, die zudem barrierefrei und mehrsprachig gestaltet wurde, um den Zugang fĂŒr eine breite Bevölkerungsschicht zu erleichtern.
Aktuell bereiten elf weitere Landkreise sowie das zustĂ€ndige Landesamt die EinfĂŒhrung vor. Zudem sind bereits vier von sieben Jobcentern im Land an die technische Infrastruktur angebunden. Der Ausbau soll schrittweise erfolgen, um die Verwaltungsprozesse nachhaltig zu modernisieren.
Bundesweite Neuregelungen durch die Bundesagentur fĂŒr Arbeit
Parallel zu den Entwicklungen in Brandenburg hat auch die Bundesagentur fĂŒr Arbeit ihre digitalen PrioritĂ€ten verschĂ€rft. Eine im August erlassene Weisung, die seit dem 24. August 2026 gĂŒltig ist, erklĂ€rt das Online-Portal zum bevorzugten Kommunikationsweg fĂŒr Arbeitslosmeldungen und AntrĂ€ge auf Arbeitslosengeld.
Eine persönliche Meldung bleibt zwar gemÀà den gesetzlichen Vorgaben des SGB III weiterhin möglich, die Online-Meldung erfordert jedoch eine eindeutige Identifizierung, etwa ĂŒber den elektronischen Personalausweis. Die Behörde weist darauf hin, dass verspĂ€tete Meldungen zu finanziellen EinbuĂen fĂŒhren können.
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Reformen im Bauwesen und bei UnternehmensgrĂŒndungen
Signifikante Ănderungen ergeben sich zudem in Nordrhein-Westfalen. Ab dem 1. September 2026 ist das Einreichen von BauantrĂ€gen gemÀà der neuen Landesbauordnung ausschlieĂlich in digitaler Form zulĂ€ssig. PapierantrĂ€ge werden von den Behörden nicht mehr bearbeitet. Im Zuge dieser Umstellung entfallen rund 90 Prozent der bisherigen DIN-Vorschriften; lediglich 10 Prozent bleiben verpflichtend.
Durch die Abschaffung der doppelten GebĂ€udeeinmessung sollen zudem die Vermessungskosten um etwa 20 Prozent sinken. Eine weitere Neuerung ist die Genehmigungsfiktion: Sollte eine Behörde nicht fristgerecht ĂŒber einen Antrag entscheiden, gilt die Genehmigung automatisch als erteilt.
Auch im Bereich der Wirtschaftsförderung werden neue Standards gesetzt. In Mannheim wurde das Pilotprojekt âG24â gestartet, das einen digitalen Kombiantrag fĂŒr UnternehmensgrĂŒndungen innerhalb von 24 Stunden ermöglicht. Das Angebot richtet sich momentan an Einzelunternehmer und bindet Gewerbebehörden, FinanzĂ€mter und die Wirtschaftsförderung in einen beschleunigten Prozess ein.
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Akzeptanz und Herausforderungen in der Bevölkerung
Trotz des technischen Fortschritts zeigen aktuelle Umfragedaten ein geteiltes Bild in der Bevölkerung. Eine Untersuchung aus dem FrĂŒhjahr 2026 verdeutlicht, dass etwa 50,1 Prozent der Befragten in Schleswig-Holstein eine Vereinfachung durch die digitale Verwaltung erwarten. Gleichzeitig nutzen knapp die HĂ€lfte der BĂŒrger die Online-Angebote bisher nicht.
Als gröĂte HĂŒrden wurden eine mangelnde Bekanntheit der Dienste (43,6 Prozent) sowie eine als umstĂ€ndlich empfundene Nutzung (41,4 Prozent) genannt. Dennoch ist das Vertrauen in eine bĂŒrgerfreundliche Verwaltung gestiegen: Lag der Wert im Jahr 2024 noch bei 18,7 Prozent, Ă€uĂerten sich zuletzt 42,0 Prozent der Befragten positiv.
In Kommunen wie Wuppertal zeigen zusĂ€tzliche Anstrengungen bereits Wirkung. Durch Sonderschichten am Wochenende konnten BearbeitungsrĂŒckstĂ€nde in der FĂŒhrerscheinstelle massiv reduziert werden, sodass Online-AntrĂ€ge dort wieder tagesaktuell bearbeitet werden können. Auch im Kreis GroĂ-Gerau wird die Digitalisierung zunehmend angenommen; dort erfolgen bereits 30 Prozent der Kfz-Zulassungen ĂŒber das Internet.
