Bauchfett, Herzrisiko

Bauchfett und Herzrisiko: 260.000 Menschen zeigen bis zu 50 Prozent Plus

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 14:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien verbinden Fettdepots an den Organen mit erhöhten Risiken für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmte Krebsarten.
Ein Maßband liegt auf einer neutralen Oberfläche und symbolisiert die Messung des Bauchumfangs. Illustration mit AI erstellt.

Viszerales Bauchfett, das sich tief in der Bauchhöhle um die inneren Organe anlagert, gilt in der medizinischen Forschung zunehmend als eigenständiger und oft unterschätzter Risikofaktor. Fachleute weisen darauf hin, dass die Fettverteilung für die Stoffwechselgesundheit eine weitaus größere Rolle spielt als das bloße Körpergewicht oder der Body-Mass-Index (BMI).

Ein normales Gewicht garantiert demnach keineswegs einen gesunden Stoffwechsel: Lagert sich Fett vor allem an den Organen an, steigt die Gefahr für Insulinresistenz, Typ-2-Diabetes, eine Fettleber sowie schwerwiegende Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte und Schlaganfälle erheblich.

Kritische Grenzwerte und Vorhersagekraft

Dr. Jens Aberle vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) betont, dass viszerales Fett das Auftreten von Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Herzinfarkten und Schlaganfällen maßgeblich begünstigt.

Um dieses Risiko im Alltag abzuschätzen, gelten konkrete Messwerte: Bei Frauen liegt ein erhöhtes Risiko ab einem Bauchumfang von 80 Zentimetern vor, während ein Wert ab 88 Zentimetern als kritisch eingestuft wird.

Bei Männern steigt die Gefahr ab 94 Zentimetern und erreicht ab 102 Zentimetern den kritischen Bereich. Für Personen unter 40 Jahren gilt zudem ein Taille-Größe-Verhältnis (WHtR) von mehr als 0,5 als medizinisch bedenklich.

Dass die reine Betrachtung des Gewichts trügerisch sein kann, belegen mehrere großangelegte Studien. Eine Übersichtsarbeit mit Daten von über 260.000 Menschen verdeutlichte, dass normalgewichtige Personen mit großem Bauchumfang ein um bis zu 50 Prozent höheres Herz-Kreislauf-Risiko tragen.

Ähnliche Resultate lieferte eine im Fachjournal JACC veröffentlichte Langzeitstudie, die mehr als 250.000 Erwachsene über einen Zeitraum von 20 Jahren begleitete. Taillenumfang und das Taille-Hüft-Verhältnis sagten Herzerkrankungen treffsicherer voraus als der BMI.

Fast jede fünfte Person mit normalem BMI, aber erhöhtem Taille-Hüft-Verhältnis – ab 0,85 bei Frauen und über 0,90 bei Männern – wies ein um bis zu 50 Prozent erhöhtes Risiko für kardiologische Komplikationen auf.

Hormonelle Einflüsse und geschlechtsspezifische Unterschiede

Die Fettverteilung unterliegt starken hormonellen Steuerungen. Angaben der britischen Menopause-Gesellschaft zufolge steigt der Anteil des viszeralen Fetts bei Frauen nach den Wechseljahren von fünf bis acht Prozent auf bis zu 15 Prozent des Körpergewichts an.

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Während Östrogene vor der Menopause durch verbesserte Insulinsensitivität, niedrigere Blutdruckwerte und günstige Blutfette gefäßschützend wirken, verdoppelt sich das Risiko nach dem Ausbleiben der Hormone.

Zugleich sterben Frauen häufiger an einem Herzinfarkt als Männer, wenngleich sie seltener einen erleiden; der Einsatz eines vierstufigen geschlechtersensiblen Protokolls konnte die Sterblichkeitsrate von Patientinnen in einer Untersuchung seit dem Jahr 2018 halbieren.

Männer lagern viszerales Fett meist früher an und erkranken im Schnitt drei bis vier Jahre früher sowie bei niedrigerem BMI an Diabetes. Eine im August im International Journal of Obesity veröffentlichte Arbeit der Universität Oporto (FMUP) unter der Leitung von Jennifer Mancio zeigte anhand von CT-Aufnahmen von 1.736 Erwachsenen zudem Unterschiede in der Fettgewebestruktur: Männer wiesen eine höhere Dichte und Heterogenität des subkutanen Fetts auf, was eng mit Koronarkalzifizierungen verbunden war und das frühere Auftreten von Infarkten mitbegründen könnte.

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Einfluss auf Organe, Gehirn und Krebsrisiken

Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie der Harvard Medical School ist viszerales Fett hormonell hochaktiv, setzt Entzündungsstoffe frei und begünstigt neurodegenerative Prozesse. Eine 16-jährige Beobachtungsstudie zeigte auf, dass ein gezielter Abbau dieser Fettpolster mit einer geringeren Gehirnschrumpfung und besseren kognitiven Leistungen im Alter einhergeht.

Auch für die Onkologie liefert die Forschung deutliche Hinweise: Eine in den Annals of Internal Medicine publizierte Kohortenstudie der Katholischen Universität Korea an über 6,3 Millionen Erwachsenen zwischen 20 und 39 Jahren ermittelte über 150.000 Krebsfälle.

Viszerales Fett erwies sich dabei als stärkerer Treiber als das Gesamtgewicht, mit besonders ausgeprägten Assoziationen bei Schilddrüsen-, Endometrium- und Eierstockkrebs. Zur Reduktion der gefährlichen Fettdepots raten Fachleute zu Bewegung und einer Ernährungsumstellung im Rahmen einer mediterranen Kost, während hochverarbeitete Nahrungsmittel die Einlagerung viszeralen Gewebes weiter antreiben.

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