Bauchfett: Warum 100 Crunches am Tag keinen flachen Bauch machen
Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 05:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deTĂ€gliche Bauchpressen gelten in vielen TrainingsplĂ€nen noch immer als Standardweg zur schlanken Körpermitte. Doch die Annahme, mit isolierten BauchĂŒbungen gezielt Bauchfett zu reduzieren, hĂ€lt sportwissenschaftlichen und medizinischen Kriterien nicht stand.
Nach EinschĂ€tzung von Fitnesstrainerin Giulia Costa, die das Trainingskonzept Metodo GCX vertritt, fĂŒhren 100 Crunches am Tag nicht zu einem flachen Bauch. Die sichtbare Beschaffenheit der Körpermitte hĂ€nge von mindestens vier Faktoren ab.
Zudem sei gezielte Baucharbeit nicht als bloĂe ErgĂ€nzung an das Ende einer Trainingseinheit zu setzen, sondern mĂŒsse mit Blick auf Kraft und Haltung fest in jedes Workout integriert werden.
Fettabbau funktioniert nicht punktuell
Fachleute weisen seit Langem darauf hin, dass ein lokaler Fettabbau durch Sit-ups wissenschaftlich nicht belegt ist. Die brasilianische Ărztin Karla Lima Aguilar da Silva legte in der Sendung Vitrine Revista dar, dass BauchĂŒbungen zwar die Muskulatur stĂ€rken, Fett jedoch nicht gezielt an dieser Stelle abbauen.
Insbesondere ab einem Alter von 40 Jahren erschwerten hormonelle VerÀnderungen und der fortschreitende Verlust an Muskelmasse die Fettabnahme, was Frauen besonders treffe. Auch moderne Abnehmspritzen wirken laut der Medizinerin systemisch und nicht isoliert am Bauch. Technologien zur Behandlung von lokalem Fett seien nur in ausgewÀhlten FÀllen nach individueller Begutachtung angezeigt.
Zudem ist Fettgewebe kein passiver Energiespeicher, sondern gibt Hormone und SignalmolekĂŒle ab. Die Verteilung von Fettreserven im Körper wird maĂgeblich von genetischen Voraussetzungen, Hormonen, dem Lebensalter, Schlaf sowie UmwelteinflĂŒssen gesteuert. Strenges Hungern fĂŒhrt demgegenĂŒber oft in den Jo-Jo-Effekt, da der Kalorienverbrauch gedrosselt und Muskelmasse abgebaut wird.
Tiefenmuskulatur und ganzheitliche TrainingsansÀtze
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Klassische Crunches beanspruchen vorrangig den oberflÀchlichen geraden Bauchmuskel (rectus abdominis), wÀhrend die Stabilisierung des Rumpfes wesentlich von der tiefer liegenden Muskulatur abhÀngt. Hierbei spielt insbesondere der Transversus abdominis eine entscheidende Rolle.
Trainingskonzepte aus dem Pilates setzen daher gezielt an der tiefen Kernmuskulatur an. Bei Ăbungen wie âThe Hundredâ, dem Beinstrecken oder Rotationsbewegungen aus der Taille steht die Rumpfkontrolle im Vordergrund.
Trainer Juan Antonio MartĂn hebt hervor, dass insbesondere Frauen ab 50 Jahren bei regelmĂ€Ăigem Pilates-Training rasch funktionelle Verbesserungen feststellen, darunter eine Zunahme der Beweglichkeit der WirbelsĂ€ule, weniger RĂŒckenschmerzen und eine bessere Haltung.
Fitnessexperten wie Marcos Våzquez und Marta Marcé unterstreichen jedoch, dass Pilates das Krafttraining nicht vollstÀndig ersetzen kann. Um Muskelmasse und Knochendichte in den Wechseljahren zu erhalten, seien zwei gezielte Krafteinheiten pro Woche sowie ein Pensum von 8.000 bis 10.000 Schritten am Tag ratsam.
Hormonelle EinflĂŒsse und viszerales Fett
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In den Wechseljahren verschiebt sich die Fettverteilung hĂ€ufig in Richtung des Bauchraums. GynĂ€kologin Prof. Marion Kiechle vom TUM-Klinikum rechts der Isar und die ErnĂ€hrungsmedizinerin Viktoria Schelle erklĂ€ren, dass der sinkende Ăstrogenspiegel dafĂŒr sorgt, dass Fett vermehrt im Bauchbereich statt an HĂŒfte und Oberschenkeln eingelagert wird.
Parallel dazu aktiviert ein Anstieg des follikelstimulierenden Hormons (FSH) Enzyme, die Zucker in Fett umwandeln und den Fettabbau im Bauch blockieren. Ein Ăberschuss an Testosteron, Insulinresistenz sowie erhöhte Kortisolwerte infolge von Stress und Schlafmangel verstĂ€rken diesen Prozess.
Aus medizinischer Sicht birgt insbesondere das viszerale Fett um die inneren Organe Risiken. Wie der Kardiologe Marcelo Bergamo betont, erhöht dieses Gewebe die Gefahr fĂŒr Insulinresistenz, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck sowie Arterienverkalkung unmittelbar.
Eine Studie der UniversitÀt Freiburg an mehreren hundert Probanden zeigte zudem, dass mittels MRT gemessenes viszerales Fett deutlich stÀrker mit metabolischen Risikofaktoren wie erhöhtem Blutzucker korreliert als der reine Body-Mass-Index (BMI).
FĂŒr eine nachhaltige Reduktion von Bauchfett bleibt daher die Kombination aus systemischem Kraft- und Ausdauertraining, angepasster ErnĂ€hrung und Alltagsbewegung wirksamer als reine BauchmuskelĂŒbungen.
