Bauchschmerzen bei Kindern: Hypnose hilft 40 Prozent in einer Pilotstudie
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 08:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deWiederkehrende Bauchschmerzen und funktionelle Magen-Darm-Beschwerden belasten viele Heranwachsende im Alltag erheblich. Wenn medizinische Untersuchungen keine organischen Ursachen aufzeigen, rücken zunehmend verhaltens- und psychologische Therapieformen in den Fokus der Forschung.
Fachleute des schwedischen Karolinska Institutet heben hervor, dass darm-gerichtete Hypnotherapie und kognitive Verhaltenstherapie zu den wirksamsten psychologischen Ansätzen bei Kindern und Jugendlichen mit Störungen der Darm-Hirn-Interaktion zählen.
Vielversprechende Signale aus einer schwedischen Pilotstudie
Störungen der Darm-Hirn-Interaktion betreffen schätzungsweise 10 bis 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen. Zu diesen Beschwerdebildern gehört unter anderem das Reizdarmsyndrom.
Wie Ola Olén vom Karolinska Institutet darlegt, können die Symptome schwerwiegend ausfallen, selbst wenn diagnostisch keine strukturelle Erkrankung des Magen-Darm-Trakts nachweisbar ist. Stress und psychische Faktoren beeinflussen die körperlichen Abläufe und das Schmerzempfinden in beide Richtungen.
In einer Pilotstudie des Karolinska Institutet untersuchten Forschende eine darm-gerichtete Hypnotherapie als Heimanwendung. An der Untersuchung nahmen 32 schwedische Kinder und Jugendliche teil, die unter einem Reizdarmsyndrom oder wiederkehrenden Bauchschmerzen litten. Über einen Zeitraum von 12 Wochen hörten die Teilnehmenden zu Hause täglich etwa 15 Minuten lang entsprechende Audioaufnahmen an.
Bei 40 Prozent der jungen Patientinnen und Patienten führte diese Intervention zu einer klinisch bedeutsamen Verbesserung der Beschwerden. Da die Pilotstudie allerdings ohne Kontrollgruppe durchgeführt wurde, sind die Resultate nach Angaben der Forschenden vorsichtig zu interpretieren.
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Größere Folgestudie prüft breitere Anwendung
Um die Aussagekraft zu erhöhen, läuft am Karolinska Institutet eine Folgestudie namens PIPPI. In dieser Untersuchung werden 300 Teilnehmende randomisiert entweder einer Hypnosetherapie oder einer kognitiven Verhaltenstherapie zugeteilt.
Sollte sich die Wirksamkeit der Methode in diesem größeren Rahmen bestätigen, könnte die darm-gerichtete Hypnose künftig als ortsunabhängige Heimtherapie eingesetzt werden. Dies böte Betroffenen auch abseits spezialisierter Zentren einen barrierearmen Zugang zu einer strukturierten Behandlung.
Für betroffene Familien gibt es zudem langfristig beruhigende Erkenntnisse: Laut einer früheren Studie von Ola Olén waren zwei Drittel der jungen Patientinnen und Patienten mit Reizdarmsyndrom im Alter von 24 Jahren symptomfrei.
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Einordnung in moderne multimodale Behandlungskonzepte
Die Ausrichtung auf die Darm-Hirn-Achse entspricht dem aktuellen medizinischen Konsens. Die Rome-V-Kriterien für funktionelle gastrointestinale Störungen stärken multidisziplinäre und patientenzentrierte Konzepte. Neben Ernährungsanpassungen und gezielten medikamentösen Therapien empfehlen Fachgremien verhaltenstherapeutische Verfahren, darunter achtsamkeitsbasierte Ansätze, kognitive Verhaltenstherapie sowie darm-gerichtete Hypnose.
Auch digitale Gesundheitsanwendungen ergänzen dieses Spektrum, etwa durch verordnungsfähige Apps, die verhaltenstherapeutische Inhalte vermitteln. Die aktuellen Forschungsansätze verdeutlichen, dass strukturierte verhaltensmedizinische Methoden bei funktionellen Bauchschmerzen einen festen Platz in der Versorgung junger Patientengruppen einnehmen können.
