Bericht: Nikotin ist immer gefÀhrlich - egal in welcher Form
Veröffentlicht am: 18.12.2025 um 05:00 Uhr | dpa.deNikotin ist giftig fĂŒr Herz und BlutgefĂ€Ăe - unabhĂ€ngig davon, ob es ĂŒber E-Zigaretten, Nikotinbeutel, Shishas oder Zigaretten konsumiert wird, warnt der europĂ€ische Kardiologenverband ESC. Das zeige eine Analyse der gesamten Fachliteratur zur SchĂ€dlichkeit von Nikotinprodukten.Â
«Kein nikotinhaltiges Produkt ist unbedenklich fĂŒr BlutgefĂ€Ăe oder Herz», hieĂ es in einer Mitteilung zu dem im «European Heart Journal» vorgestellten Bericht der European Society of Cardiology (ESC). Die ErzĂ€hlung von vermeintlich sichererem Nikotin mĂŒsse ein Ende haben, sagte Thomas MĂŒnzel vom UniversitĂ€tsklinikum Mainz, einer der Hauptautoren.Â
Schon Nikotin allein kann viele SchĂ€den verursachenÂ
«Bei Zigaretten, E-Zigaretten, Tabakerhitzern und Nikotinbeuteln beobachten wir durchweg erhöhten Blutdruck, GefĂ€ĂschĂ€den und ein höheres Risiko fĂŒr Herzerkrankungen», erklĂ€rte er. «Unsere Ergebnisse zeigen, dass Nikotin allein, selbst ohne die Vielzahl an giftigen Verbrennungsprodukten, Teer oder freien Radikalen im Zigarettenrauch, Herz-Kreislauf-SchĂ€den verursacht.»
EinschrĂ€nkend geben die Experten zu bedenken, dass die Langzeitwirkungen neuerer Nikotinprodukte noch nicht bekannt seien und weitere Forschung nötig sei, um die Auswirkungen vollstĂ€ndig zu verstehen. Viele Menschen nutzen Zigaretten parallel zu anderen Produkten, was es erschwere, die Wirkungen der einzelnen Produkte zu bestimmen.Â
Die Expertengruppe hebt in ihrem Bericht den dramatischen Anstieg des Konsums von E-Zigaretten, Tabakerhitzern und Nikotinbeuteln hervor, insbesondere unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen. «Europa braucht dringend eine einheitliche Regelung fĂŒr alle Nikotinprodukte, insbesondere zum Schutz von Jugendlichen, die heute die Hauptzielgruppe aggressiver Werbung sind», sagte MĂŒnzel. «Wenn Europa jetzt nicht handelt, werden wir mit der gröĂten Nikotinsuchtwelle seit den 1950er-Jahren konfrontiert sein.»
E-Zigaretten und Nikotinbeutel sind dem Bericht zufolge keine wirksamen Hilfsmittel zur Raucherentwöhnung, sondern dienen als Einstieg ins Rauchen und fĂŒhren hĂ€ufig zum gleichzeitigen Konsum neben Zigaretten. Drei Viertel der jungen Erwachsenen, die dampfen, hĂ€tten zum Beispiel zuvor noch nie geraucht. Die Sucht werde durch regulatorische Schlupflöcher, aggressive Werbung in sozialen Medien sowie durch Geschmacksrichtungen wie Mango oder Zuckerwatte angeheizt.
Wechsel zu E-Zigaretten ist keine Schadensminderung
Der Wechsel von Zigaretten zu E-Zigaretten und Nikotinbeuteln bedeute keine wirksame Schadensminderung, sondern eine Transformation der Suchtstrategien, erklĂ€rte ESC-PrĂ€sident Thomas LĂŒscher von den Royal Brompton & Harefield Hospitals in London. «Wir brauchen politisches Handeln», mahnte er.Â
Dem Kardiologenverband zufolge gehören dazu ein Verbot von Aromen und von Werbung in sozialen Medien sowie eine wirksame Besteuerung. Die Einbeziehung von E-Zigaretten und Tabakerhitzern in alle Nichtraucherschutzgesetze sei nicht lĂ€nger optional, sondern unerlĂ€sslich zur PrĂ€vention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.Â
Mediziner: Auch Passivrauchen von E-Zigaretten birgt Risiken
Obwohl E-Zigaretten im Vergleich zu herkömmlichen Zigaretten weniger Karzinogene freisetzten, seien sie «weit davon entfernt, harmlos zu sein». Nikotinbedingte Erkrankungen verursachen dem Expertenteam zufolge derzeit jĂ€hrlich hunderte Milliarden Euro Schaden in Form von Kosten im Gesundheitswesen und ProduktivitĂ€tsverlusten. Allein in Europa ĂŒberschreiten die jĂ€hrlichen Kosten demnach 300 Milliarden Euro.
Auch der Passivkonsum berge Risiken: Rauch oder Aerosolen von E-Zigaretten, Wasserpfeifen und erhitztem Tabak ausgesetzt zu sein, verursache GefĂ€ĂschĂ€den auch bei Unbeteiligten. Die wissenschaftliche Belege seien eindeutig, bilanzierte ESC-PrĂ€sident LĂŒscher. «Nun liegt es in der Verantwortung der Gesetzgeber, die Bevölkerung, insbesondere Kinder, vor einer neuen Epidemie von Sucht und Krankheit zu schĂŒtzen.»
