Zweimal Piks im gleichen Arm: Bessere Wirkung bei Impfungen
29.04.2025 - 05:00:37Corona-Impfungen zeigen eine bessere Wirkung, wenn die benötigten Impfdosen in den gleichen Arm verabreicht werden. Das ist das Ergebnis einer im Fachblatt «Cell» veröffentlichten Studie einer Gruppe um Tri Phan von der UniversitÀt New South Wales in Sydney und dem australischen Forschungsinstitut Garvan Institute of Medical Research.
«Dies ist eine grundlegende Entdeckung darĂŒber, wie sich das Immunsystem organisiert, um besser auf Ă€uĂere Bedrohungen reagieren zu können â die Natur hat sich dieses geniale System ausgedacht und wir beginnen gerade erst, es zu verstehen», betont Phan in einer Mitteilung.
Bei gleicher Stelle bessere Bildung von Antikörpern
Bei Impfungen werden eine harmlose Version eines Krankheitserregers oder nur ein Teil davon in den Körper gebracht. Das Forschungsteam entdeckte, dass sogenannte B-GedĂ€chtniszellen, die zur Erkennung von Krankheitserregern entscheidend sind, in jenen Lymphknoten bleiben, die der Einstichstelle am nĂ€chsten liegen. Bei einer Auffrischimpfung an derselben Stelle konnten die B-GedĂ€chtniszellen somit besser aktiviert werden, um passende Antikörper zu bilden.Â
FĂŒr die Studie untersuchten die Forschenden zunĂ€chst MĂ€use. Die daraus abgeleiteten Erkenntnisse wurden dann mit menschlichen Probanden und dem Corona-Impfstoff von Biontech ĂŒberprĂŒft â 20 bekamen ihre Booster-Dosis in den gleichen Arm wie die erste Dosis, 10 bekamen die zweite Dosis in den anderen Arm als beim ersten Mal.
«Diejenigen, die beide Dosen in den gleichen Arm bekamen, entwickelten deutlich schneller Antikörper gegen Sars-CoV-2 â innerhalb der ersten Woche nach der zweiten Dosis», wird Co-Autorin Alexandra Carey-HoppĂ© von derselben UniversitĂ€t zitiert.Â
Geimpfte mĂŒssen sich nicht sorgen
Ihre Kollegin Mee Ling Munier gibt jedoch Entwarnung fĂŒr alle bereits Geimpften, was die langfristigere Wirkung angeht: «Wenn Sie Ihre Corona-Impfungen in unterschiedliche Arme bekommen haben, machen Sie sich keine Sorgen â unsere Forschung zeigt, dass die Unterschiede im Schutz ĂŒber die Zeit hinweg abnehmen.» In einer Pandemie könne es jedoch fĂŒr die ImmunitĂ€t der Bevölkerung eine entscheidende Rolle spielen, wie schnell der Schutz sich entwickle.
Das Team sieht in seiner Forschung auch hilfreiche Erkenntnisse fĂŒr die kĂŒnftige Entwicklung von Impfstoffen, etwa solche, die weniger Auffrischungen benötigen. Hier seien nur Corona-Impfstoffe getestet worden, andere mĂŒssten folgen, sagte Autor Phan der Deutschen Presse-Agentur. Das Team gehe jedoch davon aus, dass die Erkenntnisse fĂŒr andere Impfungen ebenso gĂ€lten.
Der Mikrobiologe und Immunologe Christian Bogdan von der UniversitĂ€t Erlangen-NĂŒrnberg hĂ€lt weitere Forschung fĂŒr notwendig, um herauszufinden, ob der Effekt auch bei anderen Impfstoffen nachgewiesen werden kann. AuĂerdem sei unklar, wie lang der an sich bekannte Effekt anhĂ€lt und ob er auch fĂŒr die klinische Schutzwirkung eine Bedeutung habe â denn fĂŒr diese sei nicht nur die Menge und QualitĂ€t der Antikörper relevant.
Impfwoche will auf HPV aufmerksam machen
Aktuell lĂ€uft die EuropĂ€ische Impfwoche: Gesundheitsbehörden machen darauf aufmerksam, wie bedeutend Impfungen sind, um Krankheiten einzudĂ€mmen und Menschenleben zu schĂŒtzen. Ein Fokus liegt diesmal auf dem Schutz vor Humanen Papillomviren (HPV), die etwa GebĂ€rmutterhalskrebs oder auch Tumore im Mund- und Rachenraum verursachen können. Die StĂ€ndige Impfkommission empfiehlt HPV-Impfungen ab dem Alter von neun Jahren.


