Berberin bei Diabetes: Metaanalyse zeigt HbA1c-Senkung um 0,73 Punkte
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 13:18 Uhr | Redaktion boerse-global.dePflanzliche Präparate stehen zunehmend im Mittelpunkt wissenschaftlicher Untersuchungen zur Behandlung von Stoffwechselstörungen und depressiven Verstimmungen. Eine am 20. Juli 2026 in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlichte Untersuchung befasst sich mit dem pflanzlichen Gemisch Totum-63 des Unternehmens Valbiotis.
Die Untersuchung an 636 Personen aus 7 europäischen Ländern erstreckte sich über 6 Monate und untersuchte den Einsatz der Kombination aus Olivenblatt, Artischocke, Chrysanthellum, Heidelbeere und schwarzem Pfeffer bei Prädiabetes sowie frühem Typ-2-Diabetes.
Klinische Evidenz bei metabolischen Erkrankungen
Ergänzend zu Kombinationspräparaten liefert eine im Jahr 2026 in Clinical Phytoscience erschienene narrative Übersichtsarbeit, die Daten aus dem Zeitraum von Januar 2020 bis zum 12. August 2026 auswertete, Einblicke in pflanzliche Einzelsubstanzen bei Typ-2-Diabetes.
Stoffe wie Berberin, Curcumin, Bockshornklee und Gymnema sylvestre können demnach den Langzeitblutzuckerwert HbA1c moderat senken, stellen jedoch keinen Ersatz für eine Standardtherapie dar.
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Für Berberin belegte eine Metaanalyse aus dem Jahr 2021 über 46 randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) eine Senkung des HbA1c-Werts um 0,73 Prozentpunkte, der Nüchternglukose um 0,86 mmol/l und des 2-Stunden-postprandialen Werts um 1,26 mmol/l. Eine Untersuchung von Ganzpflanzen-Berberis aus dem Jahr 2024 anhand von 9 Studien mit 547 Teilnehmern wies eine Reduktion des HbA1c um 0,30 Prozentpunkte aus. Fachleute verweisen bei Berberin zugleich auf pharmakologische Wechselwirkungen, da der Stoff die Enzyme CYP2D6, CYP2C9 und CYP3A4 hemmt.
Für Curcumin ergab eine Auswertung aus dem Jahr 2024 über 18 RCTs mit 1.382 Teilnehmern eine Reduktion der Nüchternglukose um 11,48 mg/dl und des HbA1c um 0,54 Prozentpunkte. Ein vergleichbarer Effekt zeigte sich 2024 für Bockshornklee anhand von 19 Studien mit einer HbA1c-Senkung um 0,54 Prozentpunkte.
Eine Untersuchung aus dem Jahr 2019 hatte bereits gezeigt, dass 5 g Bockshornkleepulver zweimal täglich über 8 Wochen die Nüchternglukose und den HbA1c gegenüber Placebo verbesserte. Bei Gymnema sylvestre wies eine Analyse aus dem Jahr 2021 über 10 Studien mit 419 Teilnehmern allerdings eine hohe Heterogenität mit Werten von I² zwischen 80 und 99 Prozent auf.
Zimt, Ingwer und methodische Grenzen
Die Datenlage zu weiteren Gewürzen und Pflanzenstoffen fällt differenziert aus. Während für Zimt im Jahr 2023 kein signifikanter Effekt festgestellt wurde, ergab eine Studie aus dem Jahr 2024 mit kontinuierlicher Glukosemessung, dass 4 g Zimt täglich über 4 Wochen die Tagesblutzuckerwerte sowie Blutzuckerspitzen bei erhöhtem Ausgangswert dämpften.
Für Ingwer zeigte ein Review aus dem Jahr 2026, dass 1,6 bis 3 g täglich über 8 bis 12 Wochen Nüchternglukose und HbA1c senken können. Zudem können Kurkuma-Supplemente laut Erkenntnissen von 2024 diese Werte verbessern.
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Die Gabe von 1 g schwarzem Pfeffer kombiniert mit 1 g Kurkuma zu einer kohlenhydratreichen Mahlzeit senkte den Blutzucker danach, was jedoch auch für schwarzen Pfeffer allein beobachtet wurde.
Ein Umbrella-Review aus dem Jahr 2025 bescheinigte lediglich Kurkuma und Ingwer eine moderate bis hohe Evidenz. Gleichzeitig betont die Forschung, dass der HbA1c-Wert keinen validierten Surrogatmarker für die Mortalität darstellt.
Standardisiertes Lavendelöl bei depressiven Symptomen
Neben Stoffwechselstörungen werden pflanzliche Extrakte auch bei psychischen Belastungen untersucht. Eine randomisierte kontrollierte Studie im International Journal of Neuropsychopharmacology von Möller et al. untersuchte das vom Hersteller Dr. Willmar Schwabe GmbH & Co. KG unterstützte Präparat Silexan, ein standardisiertes Lavendelöl.
An der 8-wöchigen Untersuchung nahmen 498 Erwachsene mit leichter bis mittelschwerer Major Depression teil. Dabei erhielten 170 Personen täglich 80 mg Silexan, 171 Personen täglich 50 mg Sertralin und 157 Personen ein Placebo.
Im MADRS-Gesamtwert erwiesen sich sowohl Silexan als auch Sertralin dem Placebo als statistisch signifikant überlegen. Silexan zeigte bei 5 von 9 MADRS-Einzelsymptomen eine signifikante Überlegenheit gegenüber Placebo, namentlich bei depressiver Stimmung, Traurigkeit, Appetit, Konzentration und Antriebslosigkeit.
Die explorative Analyse der zugrundeliegenden LEAD-Studie aus dem Jahr 2024 lässt die letztendliche klinische Relevanz der Ergebnisse jedoch noch offen.
