Berlin, KI-Kameras

Berlin setzt KI-Kameras ein: Überwachung ohne Gesichtserkennung

Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 18:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Berlins Polizei testet KI-gestützte Videoanalyse ohne Gesichtserkennung. Das Pilotprojekt startet am Kottbusser Tor und wird auf weitere Orte ausgeweitet.

Berlin startet KI-Videoüberwachung: Pilotprojekt am Kottbusser Tor
Moderne Überwachungskamera an einem Mast vor einer unscharfen Berliner Stadtkulisse bei Dämmerung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Berliner Polizei setzt erstmals Künstliche Intelligenz bei der Videoüberwachung öffentlicher Plätze ein. Das Pilotprojekt startete am Kottbusser Tor und soll zeitnah auf die Warschauer Straße ausgeweitet werden. Die Software erkennt auffällige Bewegungsmuster automatisch und meldet sie den Einsatzkräften.

Software verzichtet auf Gesichtserkennung

Die Technik ist nach Angaben von Innensenatorin Iris Spranger bewusst nicht für biometrische Gesichtserkennung ausgelegt. Stattdessen analysiert der Algorithmus Bewegungsabläufe, die auf Straftaten oder gefährliche Situationen hindeuten. Die Entscheidung über ein Eingreifen treffen weiterhin menschliche Beamte.

Die rechtliche Grundlage schuf der Senat bereits im Dezember 2025 mit einer Änderung des Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetzes (ASOG). Für den Betrieb an den Kriminalitäts-Hotspots sind bis 2030 insgesamt rund 4,6 Millionen Euro eingeplant – 2,47 Millionen für Investitionen, 2,13 Millionen für laufende Kosten.

Objektschutz folgt im Dezember

Der Senat weitet die Technologie noch in diesem Jahr aus: Ab Dezember startet ein Testbetrieb für den Objektschutz, unter anderem am Roten Rathaus und in der Klosterstraße. Dafür investiert das Land 1,76 Millionen Euro, die Betriebskosten liegen bei 355.000 Euro.

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Der Einsatz solcher Überwachungstechnologien muss stets im Einklang mit den strengen gesetzlichen Vorgaben für künstliche Intelligenz stehen. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet Unternehmen und Fachverantwortlichen einen kompakten Überblick über alle Anforderungen, Pflichten und Fristen des EU AI Acts. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt

Auch auf Bundesebene wächst der Druck für mehr Technik. Andreas Roßkopf, Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP) für die Bundespolizei, fordert eine moderne Ausstattung der Grenzpolizei – neben Drohnen und Kennzeichenerfassung ausdrücklich auch KI-Kameratechnik.

Internationale Nachahmer

Der Trend zur KI-Überwachung ist nicht auf Deutschland beschränkt. Südkoreas Halbleiterfirma Rebellions liefert seit Anfang August spezialisierte Prozessoren für Überwachungszentren in den Regionen Gyeongsangnam-do und Ulsan. Die Systeme nutzen visuelle Sprachmodelle, um Brände oder Straftaten automatisch zu erkennen.

In Deutschland sorgt das Thema vor allem in der Arbeitswelt für Konflikte. Am Frankfurter Flughafen streiten sich das Management eines Luftfrachtabfertigers und der Betriebsrat über den Einsatz von KI-Programmen zur Mitarbeiterüberwachung. Die Arbeitnehmervertreter befürchten eine unzulässige Leistungskontrolle. Mehrere Einigungsstellen mussten bereits vermitteln.

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NRW setzt auf Menschen statt Maschinen

Nordrhein-Westfalen verfolgt derweil einen anderen Ansatz: Seit 2021 bündelt das Projekt PeRiskoP Hinweise auf potenzielle Gewalttäter. Eine Zentralstelle im Landeskriminalamt Düsseldorf bewertet die Risiken – koordiniert von der Psychologin Dr. Milena Lechner.

Doch die Grenzen präventiver Arbeit zeigte zuletzt der Anschlag von Solingen. Innenminister Herbert Reul räumte im Untersuchungsausschuss ein: Entscheidende Hinweise liegen oft erst nach der Tat vor.

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