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Warum sich pro-russische Fake-Webseiten hartnÀckig halten

29.08.2023 - 07:45:41

Besser zwei Mal hinsehen: Große Medienwebseiten haben DoppelgĂ€nger, die Fake-Artikel mit pro-russischer Propaganda verbreiten. Warum die gefĂ€lschten Seiten auch nach einem Jahr noch auftauchen.

Weiße Lettern auf orangefarbenem Grund, ein professionelles Foto und der ĂŒbliche Textaufbau lassen im ersten Moment wenig Zweifel zu: Das ist ein Online-Artikel des «Spiegel» - oder? Bei nĂ€herer PrĂŒfung wird klar: Die Seite und der Artikel sind nicht echt. Statt der originalen Inhalte verbreiten sie pro-russische Fake-News. Im Netz kursieren solche DoppelgĂ€nger von Nachrichtenportalen wie «Spiegel» oder «Welt».

Bereits im Sommer 2022 enttarnten Recherchen von «t-online» und dem ZDF mehr als 30 gefÀlschte Webseiten, die gezielt Desinformation in sozialen Netzwerken, aber vor allem auf Facebook verbreiten. «Es ist eine langfristig angelegte, hartnÀckige Kampagne», sagt Julia Smirnova, Analytikerin beim Institute for Strategic Dialogue (ISD), das zu Desinformation forscht.

Die gefĂ€lschten Seiten, auch bekannt unter dem Namen DoppelgĂ€nger-Kampagne, tauchen nach wie vor auf. «Das Ziel ist: Desinformation im großen Stil», sagt Smirnova. Es sei bis jetzt die grĂ¶ĂŸte verdeckte pro-russische Kampagne dieser Art. Die Strategie sei vergleichbar mit der von Spam-Nachrichten. Sie seien keine perfekten FĂ€lschungen, aber sollten so viele Menschen wie möglich erreichen.

Ziel: Zweifel sÀen

Der Analytikerin zufolge haben die Fake-Medienwebseiten immer wieder die gleichen Botschaften: Anti-USA-Narrative, Kritik an den GrĂŒnen oder Diskreditierung der Ukraine. «Mit US-feindlichen Behauptungen versucht die russische Propaganda in Deutschland, Zweifel an transatlantischen Beziehungen zu sĂ€en», fĂŒhrt die Expertin aus. Den USA werde auch die Schuld fĂŒr den Krieg an der Ukraine gegeben. Die Propaganda nehme die GrĂŒnen ins Visier, weil die Partei den russischen Angriffskrieg deutlich verurteile.

Weil der Krieg gegen die Ukraine weitergehe, bestĂŒnden Russlands PropagandabedĂŒrfnisse weiter, erklĂ€rt Lea FrĂŒhwirth vom Center fĂŒr Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS). Das Institut untersucht Radikalisierungstendenzen und VerschwörungserzĂ€hlungen im Netz.

Die DoppelgĂ€nger-Kampagne beschrĂ€nke sich nicht nur auf den deutschsprachigen Raum, sagt FrĂŒhwirth. Auch ein Bericht des französischen Generalsekretariats fĂŒr Verteidigung und Sicherheit aus dem Juni 2023 listet als betroffene LĂ€nder unter anderem Frankreich, Litauen, Lettland, Großbritannien, die Ukraine, die USA, Israel und die Vereinigten Arabischen Emirate auf.

Die EU identifizierte russische Akteure als Verantwortliche fĂŒr die digitale Informationsmanipulation. Ende Juli 2023 setzte sie fĂŒnf mit dem russischen Staat verbundene Organisationen und sieben Menschen auf die Sanktionsliste.

Wie lÀsst sich die Verbreitung erschweren?

«Ideal wĂ€re es natĂŒrlich, die Webseiten entfernen zu lassen oder unzugĂ€nglich zu machen», so FrĂŒhwirth. Wichtig sei es zu verhindern, dass Menschen von der Kampagne erreicht und beeinflusst werden. Smirnova vom ISD plĂ€diert dafĂŒr, die Registrierung von Domains zu erschweren.

Außerdem sagen beide Forscherinnen, dass es wichtig sei, Leserinnen und Leser zu sensibilisieren und ihre Medienkompetenz zu stĂ€rken. Über die laufende DoppelgĂ€nger-Kampagne sollte aufgeklĂ€rt werden. In Frankreich habe etwa das Außenministerium die gesamte Öffentlichkeit darĂŒber informiert, berichtete FrĂŒhwirth.  

Das Bundesinnenministerium teilte mit, dass kein RĂŒckgang russischer Desinformation zu verzeichnen sei und es die Bedrohung durch auslĂ€ndische Einflussnahme und Manipulation sehr ernst nehme. «Dabei stĂŒtzt sich Russland weiterhin auf ein komplexes Netzwerk von staatlichen oder staatlich gesteuerten Akteuren», teilte ein Sprecher mit.

Die Behörde zeigte sich seit der Aufdeckung der Kampagne beunruhigt ĂŒber die FĂ€lschungen und teilte der dpa vor einem Jahr, Ende August 2022, mit, die Berichte zeigten exemplarisch «das Ausmaß pro-russischer Propaganda und Desinformation in Deutschland». Diese verfolgten das Ziel, Vertrauen in Politik, Gesellschaft und staatliche Institutionen zu untergraben, sagte ein Sprecher damals.

@ dpa.de