Beta-Glucane: Fast alle 14 Studien zu ErkÀltungen waren herstellerfinanziert
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 05:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Flut an Heilsversprechen zu NahrungsergĂ€nzungsmitteln und alternativen Behandlungsformen wĂ€chst stetig. Um Interessierten Werkzeuge fĂŒr die eigenstĂ€ndige Bewertung wissenschaftlicher Daten an die Hand zu geben, veranstaltet der Deutsche Wellness Verband am 22. Oktober 2026 von 11 bis 12 Uhr das Webinar âWissenschaftlich: Gesundheitsstudien kritisch lesen und verstehenâ.
Als Referent fĂŒhrt Jörg Wipplinger vom Projekt medizin-transparent.at durch die Veranstaltung. Die Notwendigkeit einer differenzierten Einordnung verdeutlicht ein Blick auf den aktuellen Forschungsstand zu populĂ€ren PrĂ€paraten und Verfahren.
Beta-Glucane: Nutzen bei ErkÀltungen oft herstellerfinanziert
Am Beispiel von Beta-Glucanen zeigt sich, wie wichtig die PrĂŒfung von Studiendesigns und Finanzierungsquellen ist. Ein Faktencheck der UniversitĂ€t fĂŒr Weiterbildung Krems wertete 14 Studien zu Beta-Glucanen aus, bei denen die tĂ€gliche Einnahme ĂŒber 4 bis 26 Wochen bei Dosierungen von 35 bis 900 Milligramm untersucht wurde.
Zwar traten ErkÀltungen in den meisten dieser Arbeiten seltener oder weniger schwer auf, in anderen Untersuchungen zeigte sich jedoch kein Nutzen. AuffÀllig dabei: Fast alle ausgewerteten Beta-Glucan-Studien wurden von Herstellern finanziert. Zudem untersuchten die Studien zu ErkÀltungen Beta-Glucane aus Hefe und nicht aus Hafer.
Bereits eine Auswertung aus dem Jahr 2024 mit 16 Studien und 1.091 Teilnehmern hatte bei gesunden Menschen keine ĂŒberzeugenden entzĂŒndungshemmenden Effekte ergeben. Als wissenschaftlich anerkannt gilt hingegen ein anderer Aspekt: Mindestens 3 Gramm Hafer-Beta-Glucane tĂ€glich können einen normalen Cholesterinspiegel aufrechterhalten, wie die UniversitĂ€t fĂŒr Weiterbildung Krems darlegt.
Traditionelle Verfahren und Vitalstoffe auf dem PrĂŒfstand
Auch komplementĂ€rmedizinische Methoden wie die Moxibustion â eine WĂ€rmetherapie der traditionellen chinesischen Medizin â bedĂŒrfen einer sorgfĂ€ltigen methodischen PrĂŒfung.
Eine Meta-Analyse (DOI: 10.1097/md.0000000000051032) verglich das Verfahren mit Antidepressiva. Das Ergebnis zeigte eine Differenz von ?0,60 Punkten, wobei das 95-Prozent-Konfidenzintervall von ?1,31 bis 0,12 auch das Fehlen eines Unterschieds einschlieĂt.
UnerwĂŒnschte Ereignisse traten bei Moxibustion seltener auf, mit einem relativen Risiko von 0,57 bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,39 bis 0,84. Die Autoren stuften die EvidenzqualitĂ€t der Daten jedoch als niedrig bis sehr niedrig ein.
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Ăhnlich ernĂŒchternd fallen klinische Untersuchungen zu NahrungsergĂ€nzungsmitteln bei Gelenkbeschwerden aus. Eine randomisierte Pilotstudie (PMID: 42888606, DOI: 10.1097/md.0000000000051197) begleitete 88 Frauen nach der Menopause mit symptomatischer Kniearthrose (radiologischer Schweregrad 2 bis 4, Durchschnittsalter 71,9 Jahre) ĂŒber 24 Wochen, von denen 80 Teilnehmerinnen die Nachbeobachtung beendeten.
Zwar verbesserten alle drei untersuchten Gruppen ihren JKOM-Wert, die Quadrizeps-Kraft sowie den Gehtest signifikant. Zwischen den Gruppen gab es jedoch keinen signifikanten Vorteil durch aktives Vitamin D3 oder Vitamin E zusÀtzlich zu Bewegung bei Symptomen, Muskelkraft oder LeistungsfÀhigkeit.
ErnĂŒchternde Datenlage bei GroĂstudien
Gegen die unkritische Einnahme hochdosierter Stoffe sprechen auch groĂe epidemiologische Arbeiten. In der SELECT-Studie mit ĂŒber 35.000 MĂ€nnern konnte Selen Prostatakrebs nicht verhindern; die Gruppe mit Vitamin-E-Einnahme wies in der Nachbeobachtung sogar ein höheres Prostatakrebsrisiko auf.
Ebenso zeigte die VITAL-Studie an rund 25.000 Personen, dass Vitamin D und Omega-3-FettsÀuren das Auftreten von Krebs oder kardiovaskulÀren Ereignissen bei Menschen ohne Mangel nicht senkten.
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Auch neuere Trends stehen vor methodischen HĂŒrden. NAD+-PrĂ€kursoren wie NMN und Nicotinamid-Ribosid erhöhen zwar den NAD+-Spiegel im Blut, fĂŒr eine tatsĂ€chliche Krankheitsreduktion oder LebensverlĂ€ngerung fehlt bislang jedoch ausreichende Evidenz.
Wie das Immunsystem wirklich funktioniert
Zur StĂ€rkung der körpereigenen Abwehr hĂ€lt die Forschung grundlegende Fakten fest: Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafĂŒr, dass sich die Immunfunktion durch einzelne MaĂnahmen gezielt steigern lĂ€sst. Gut belegt ist dagegen, dass ein starker NĂ€hrstoffmangel die AbwehrkrĂ€fte schwĂ€cht.
Fachleute empfehlen daher eine nĂ€hrstoffreiche ErnĂ€hrung, den Verzicht auf Tabak und Alkohol sowie regelmĂ€Ăige Bewegung, ausreichend Schlaf und Stressreduktion. ErgĂ€nzt werden diese MaĂnahmen durch allgemeine Hygieneregeln wie HĂ€ndewaschen und empfohlene Impfungen.
