Betablocker, Herzinfarkt

Betablocker nach Herzinfarkt: REBOOT-Studie findet keinen Nutzen bei EF über 40 %

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 06:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

REBOOT findet bei erhaltener Pumpfunktion keinen messbaren Betablocker-Nutzen; weitere Studien beleuchten Eingriffe und Risikobewertung.

Herzmedizin im Wandel: REBOOT-Studie prüft Betablocker nach Infarkt
Ein steriler, modern gestalteter medizinischer Untersuchungsraum mit Edelstahlinstrumenten in einer hellen, klinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die kardiovaskuläre Medizin steht vor einer Neubewertung langjähriger Behandlungsmuster. Eine Auswertung der REBOOT-Studie legt nahe, dass bei Patientinnen und Patienten mit einer linksventrikulären Ejektionsfraktion von über 40 % nach einem Herzinfarkt eine Betablocker-Therapie die kardiovaskuläre Ereignisrate auch im ersten Jahr nach dem Ereignis nicht wirksam reduziert.

Dieser Befund reiht sich in eine Reihe wissenschaftlicher Untersuchungen und regulatorischer Anpassungen ein, die etablierte Routinen in der Kardiologie hinterfragen und präzisere Vorgaben für Therapien schaffen.

Betablocker-Einsatz nach Herzinfarkt auf dem Prüfstand

Die Gabe von Betablockern gehört seit Jahrzehnten zur standardmäßigen Nachsorge nach einem Myokardinfarkt. Die Daten der REBOOT-Studie weisen nun jedoch darauf hin, dass dieser pauschale Ansatz differenziert betrachtet werden muss.

Bei Betroffenen, deren linksventrikuläre Pumpfunktion mit einer Ejektionsfraktion von mehr als 40 % weitgehend erhalten ist, zeigte die medikamentöse Behandlung im ersten Jahr keinen messbaren Nutzen bei der Senkung kardiovaskulärer Ereignisse. Fachkreise diskutieren vor diesem Hintergrund eine gezieltere Ausrichtung der Leitlinien an der individuellen Pumpfunktion.

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Vergütung für interatriale Shunts bei Herzinsuffizienz

Parallel zu medikamentösen Anpassungen gibt es Fortschritte bei interventionellen Verfahren. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beschloss, die Implantation eines interatrialen Shunts künftig auch als belegärztliche Leistung der gesetzlichen Krankenkassen anzuerkennen.

Der Eingriff ist für Patientinnen und Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz des Stadiums NYHA III und einer linksventrikulären Ejektionsfraktion von höchstens 40 % vorgesehen, bei denen trotz leitliniengerechter Standardtherapie keine ausreichende Stabilisierung erreicht werden kann.

Grundlage des Beschlusses waren die RELIEVE-HF-Studie sowie eine entsprechende Bewertung durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Beide zeigten, dass nach dem Eingriff weniger stationäre Behandlungen infolge akuter Verschlechterungen notwendig waren.

Die Entscheidung liegt zur Prüfung beim Bundesgesundheitsministerium und tritt nach der Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft. Anschließend verbleiben dem Bewertungsausschuss bis zu sechs Monate für die Festlegung der abrechnungsfähigen Gebührenpositionen im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM).

Optimierung von Schrittmachersystemen und Diagnostik

Dass nicht jede technische Verfeinerung einen klinischen Mehrwert bringt, belegt eine dänische doppelblinde Studie mit über 1.000 Herzinsuffizienzpatienten.

Die Untersuchung analysierte die kardiale Resynchronisationstherapie (CRT) und ergab, dass die Platzierung des Schrittmacherkabels am Ort der spätesten elektrischen Aktivierung im Vergleich zur standardmäßigen anatomischen Positionierung keinen zusätzlichen Nutzen stiftet. Ein aufwendiges elektrisches Mapping sei für den Eingriff daher nicht erforderlich.

Wichtige Erkenntnisse zur Risikobewertung lieferte zudem eine im European Heart Journal veröffentlichte Arbeit der Medizinischen Universität Graz, die mit dem Desmond Julian Award ausgezeichnet wurde. Das Forschungsteam untersuchte 4.796 Personen mit Herzinsuffizienz und erhaltener Auswurffraktion (HFpEF).

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Während nach dem Body-Mass-Index (BMI) 49 % der Untersuchten als adipös galten, lag der Anteil bei der Bestimmung der Waist-to-Height Ratio (WHtR) bei 96 % mit zentraler Adipositas. Auch bei 37 % der nach BMI nicht adipösen Teilnehmenden zeigte sich deutliches Bauchfett. Die WHtR erwies sich dabei als wesentlich stärker mit späteren Krankenhausaufnahmen verknüpft als der traditionelle BMI.

Chirurgische Premiere an der Mitralklappe

Ergänzt werden die wissenschaftlichen Neubewertungen durch Fortschritte in der minimalinvasiven Chirurgie. Ein Team der AOU Pisana ersetzte bei einem 70-jährigen Patienten mit sehr hohem Operationsrisiko eine degenerierte Mitralklappen-Bioprothese am schlagenden Herzen, ohne den Brustkorb zu öffnen.

Über endoskopische Mini-Inzisionen und unter Einsatz von Echtzeit-3D-Echokardiografie wurden die alten Segel vollständig entfernt und die neue Prothese zeitgleich implantiert. Über die weltweite Premiere wurde im Fachjournal JACC berichtet; neun Monate nach dem Eingriff wies der Patient einen optimalen klinischen Verlauf auf.

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