Biofeedback-Heimtraining, DGBfb

Biofeedback-Heimtraining: DGBfb diskutiert Chancen und Grenzen am 2. Dezember

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 01:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Fachgesellschaft widmet eine kostenfreie Online-Veranstaltung Heimübungen und beleuchtet zugleich Grenzen sowie den Bedarf an professioneller Begleitung.
Ein minimalistisch eingerichteter Therapieraum mit einem bequemen Sessel und natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die Deutsche Gesellschaft für Biofeedback (DGBfb) setzt am 2. Dezember um 19 Uhr ihre Online-Reihe „DGBfb in der Praxis“ fort. Im Mittelpunkt der rund 60-minütigen Veranstaltung steht der Einsatz von Heimtraining in der therapeutischen Behandlung. Neben den Möglichkeiten zur Stärkung der Selbstwirksamkeit werden auch praktische Schwierigkeiten bei der Umsetzung thematisiert.

Als Gast referiert Dr. phil. Ralf Friedrich, zertifizierter Bio- und Neurofeedback-Trainer in einer Hamburger Heilpraxis für Psychotherapie. Die Fachgesellschaft, die rund 600 Mitglieder zählt und sich als einzige unabhängige Fachgesellschaft für Bio- und Neurofeedback in Deutschland bezeichnet, bietet das Format kostenfrei an; Anmeldungen erfolgen per E-Mail über veranstaltung@dgbfb.de.

Technologische Ansätze und klinische Anwendungen

Die Praxis des Biofeedbacks umfasst inzwischen verschiedene digitale und apparative Methoden für den Heim- und Therapiebereich. Das israelische Unternehmen Reflect Innovation entwickelte mit dem Reflect Orb ein handliches Gerät, das physiologische Signale der Finger in Echtzeit in Farblichter übersetzt und mit einer Anwendung sowie Modulen zur Psychoedukation verknüpft ist.

Nach einem ersten Soft Launch im Jahr 2022 in den Vereinigten Staaten startete das System Ende 2023 vollständig. Das Unternehmen verzeichnet rund 3.000 Nutzer in den USA sowie 500 in Israel.

Der therapeutische Einsatz wird unter anderem im Rahmen einer Studie zur Trauma-Therapie bei Überlebenden des Nova-Festivals und Angehörigen von Geiseln erprobt, bei der die Wirksamkeit über die PCL-Trauma-Skala erfasst wird.

Im Bereich der postpartalen Versorgung kommen zudem vaginale Biofeedback-Trainer zum Einsatz, die Mütter bei der Rückbildung und der Wahrnehmung der Beckenbodenmuskulatur unterstützen sollen.

Während digitale Gesundheitsanwendungen diesen Prozess im Alltag begleiten können, verweisen Medienberichte wie jener des WDR-Formats „Frau tv“ darauf, dass eine belegte Überlegenheit oder besondere Wirksamkeit solcher Biofeedback-Trainer gegenüber herkömmlichen Methoden bislang nicht nachgewiesen ist. Konkrete Angaben zu Kontrollgruppen, Wirksamkeitsgrößen oder längeren Nachbeobachtungszeiträumen fehlen in vielen zugrundeliegenden Untersuchungen.

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Mechanismen der Stress- und Nervensystemregulation

Biofeedback ist eng mit Techniken zur Regulierung des vegetativen Nervensystems verzahnt. Zu den dokumentierten Ansätzen zählen neben Achtsamkeits- und Erdungsübungen gezielte Atemformen wie der physiologische Seufzer, das Summen oder Singen sowie Kältereize über den Tauchreflex.

Laut einer Untersuchung der Stanford University reichen bereits fünf Minuten des physiologischen Seufzens aus, um das subjektive Wohlbefinden messbar zu verbessern. Studien belegen zudem, dass Meditation die Reaktivität der Amygdala auf Stress verringern und Funktionen des präfrontalen Kortex unterstützen kann, während Aufenthalte in der Natur mit einer Absenkung des Cortisolspiegels einhergehen.

In Bezug auf kardiovaskuläre Effekte hebt die Forschung hervor, dass langsames, kontrolliertes Atmen die maßgebliche Komponente für blutdrucksenkende Wirkungen darstellt. Regelmäßige Meditationspraxis über einen Zeitraum von 8 bis 12 Wochen bei wenigen Minuten pro Tag kann den Blutdruck positiv beeinflussen, ersetzt jedoch keine medizinische Therapie oder herzgesunde Lebensweise.

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Grenzen des Eigentrainings und professionelle Begleitung

Trotz der wachsenden Verbreitung von Selbsthilfe- und Heimtrainingsmethoden betonen Fachleute die Grenzen eigenständiger Übungen. Achtsamkeitspraktiken können bei unzureichender Anleitung oder unverarbeiteten Belastungen Unwohlsein und Ängste verstärken. Bei akuten Traumata, Depressionen, Burnout, posttraumatischen Belastungsstörungen oder Psychosen ist eine therapeutische oder ärztliche Begleitung zwingend erforderlich.

Der Bedarf an fundierter Stressbewältigung bleibt derweil hoch: Angaben der International Stress Management Association zufolge stehen weltweit rund 40 Prozent der Arbeitnehmer unter erheblichem täglichem Stress, wobei Führungskräfte besonders stark betroffen sind. Programme zur gezielten Selbstregulation gewinnen daher sowohl im betrieblichen Kontext als auch in therapeutischen Heimtrainingskonzepten an Bedeutung.

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