Birkenzucker, Herzinfarkt-Risiko

Birkenzucker: 57% höheres Herzinfarkt-Risiko in 6-Jahres-Studie

Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 07:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Analyse mit 17.710 Personen verknüpft hohe Xylit-Blutwerte mit mehr Herz-Kreislauf-Ereignissen, beweist aber keine Ursache.

Xylit und Herzrisiko: Langzeitdaten zeigen auffällige Zusammenhänge
Ein weißes, kristallines Süßungsmittel in einem Laborgefäß auf einem sterilen Tisch in einer klinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

In der Lebensmittelindustrie und bei gesundheitsbewussten Konsumenten gewinnt der Einsatz von Zuckerersatzstoffen zunehmend an Bedeutung. Eine umfassende Langzeitanalyse, deren Ergebnisse Ende August 2026 auf dem Kongress der European Society of Cardiology (ESC) in München präsentiert wurden, rückt nun den Süßstoff Xylit in den Fokus der medizinischen Forschung.

Die Untersuchung deutet auf einen möglichen Zusammenhang zwischen hohen Xylit-Konzentrationen im Blut und einem erhöhten Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse hin.

Ergebnisse der Langzeitanalyse mit über 17.000 Teilnehmern

Die wissenschaftliche Untersuchung basiert auf Daten von insgesamt 17.710 Teilnehmern aus zwei großen Kohorten: der Canadian Longitudinal Study on Aging (CLSA) in Kanada und der europäischen EPIC-Norfolk-Studie. Die unter Beteiligung der Charité Berlin durchgeführte Analyse zeigt deutliche statistische Korrelationen zwischen den Blutwerten des auch als Birkenzucker bekannten Süßstoffs und der Herzgesundheit.

Den Daten der CLSA-Kohorte zufolge ist das Risiko für Tod, Herzinfarkt oder Schlaganfall bei Personen mit den höchsten Xylit-Blutwerten über einen Zeitraum von sechs Jahren um 57 Prozent höher als bei jenen mit den niedrigsten Werten.

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Ein ähnliches Bild zeichnet die EPIC-Norfolk-Studie über einen deutlich längeren Beobachtungszeitraum: Hier wurde über 30 Jahre hinweg ein um 18 Prozent gesteigertes Risiko festgestellt. Die Forscher weisen darauf hin, dass dieser Zusammenhang dosisabhängig sei und unabhängig von Faktoren wie Alter, Geschlecht oder bestehenden Vorerkrankungen der Probanden bestehe.

Methodische Einordnung und wissenschaftlicher Kontext

Trotz der signifikanten Zahlen betonen Fachleute, dass es sich bei den auf dem ESC-Kongress vorgestellten Ergebnissen um eine Beobachtungsstudie handelt. Damit ist zwar eine statistische Korrelation belegt, ein direkter Kausalnachweis – also der endgültige Beweis, dass Xylit die Ursache für die Erkrankungen ist – steht jedoch noch aus.

Dennoch ist Xylit kein Unbekannter in der Risikoforschung. Bereits eine im Jahr 2024 im European Heart Journal veröffentlichte Studie legte nahe, dass der Süßstoff Blutplättchen aktivieren und somit die Blutgerinnung fördern kann. Dies könnte ein mechanistischer Erklärungsansatz für das erhöhte Risiko von Gefäßverschlüssen sein. Xylit findet breite Anwendung in zuckerfreien Produkten wie Kaugummi, Marmelade und Zahnpasta sowie in sogenannten Zero-Getränken.

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Vergleichbare Risiken bei anderen Süßstoffen und regulatorische Bewertung

Die Diskussion um Xylit reiht sich in eine Serie von Untersuchungen zu Zuckerersatzstoffen ein. Bereits im Jahr 2023 veröffentlichte das Fachmagazin Nature Medicine eine Studie, die hohe Werte von Erythrit – einem weiteren weit verbreiteten Süßstoff – mit einem erhöhten Herzinfarktrisiko in Verbindung brachte. Diese kumulierenden Erkenntnisse führen zu einer Debatte über die langfristige Sicherheit von synthetischen und natürlichen Süßungsmitteln.

Auf regulatorischer Ebene wird die aktuelle Datenlage jedoch noch zurückhaltend bewertet. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) vertritt derzeit die Position, dass kein eindeutiger Kausalnachweis für eine gesundheitsschädliche Wirkung von Xylit vorliege.

Dennoch liefern die jüngsten Langzeitdaten aus Kanada und Europa neue Anhaltspunkte für die klinische Forschung, um die Auswirkungen des regelmäßigen Konsums von Süßstoffen auf das Herz-Kreislauf-System und die kognitive Gesundheit weiter zu evaluieren.

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