BKA, Kratos

BKA zerschlägt Kratos: 1.800 Kriminelle verlieren Phishing-Plattform

Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 21:45 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bundeskriminalamt legt Phishing-Dienst Kratos lahm. Neue Urteile stärken Verbraucherschutz bei nicht autorisierten Zahlungen.

BKA-Erfolg gegen Phishing-Plattform und neue Bankenhaftung
Nahaufnahme eines Laptop-Bildschirms mit digitalen Bank-SicherheitsmaĂźnahmen in einem modernen BĂĽro. Illustration mit AI erstellt ĂĽbermittelt durch boerse-global.de

Die Sicherheitsbehörden haben diese Woche einen schweren Schlag gegen die internationale Cyberkriminalität geführt. Parallel dazu verschärfen neue Gerichtsurteile und Regularien die Haftung von Banken bei Betrugsfällen. Für Verbraucher bedeutet das mehr Schutz – doch die Bedrohungslage bleibt angespannt.

BKA zerschlägt „Kratos“-Plattform

Am 20. Juli gelang dem Bundeskriminalamt (BKA) und der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) ein bedeutender Erfolg. In Kooperation mit US-Behörden wurde die „Kratos“-Plattform stillgelegt – ein Phishing-as-a-Service-angebot, das seit 2024 Kriminellen die Arbeit abnahm. Die Operation „Olympus Blade“ führte zur Festnahme des Entwicklers in Indonesien und zur Beschlagnahmung von über 200 Servern.

Die Dimension ist erschreckend: Rund 1.800 zahlende Kunden nutzten Kratos monatlich, um Microsoft-Zugangsdaten zu stehlen und Zwei-Faktor-Authentifizierungen zu umgehen. Parallel dazu zerschlugen die Ermittler ein weiteres Netzwerk rund um die „Tycoon2FA“-Infrastruktur mit Festnahmen in Pakistan. Dieses Syndrom soll über 96.000 Phishing-Apps produziert haben, die Online-Banking-Zugänge in Europa und Amerika abgriffen.

Sechsfache Anklage in MĂĽnster

Am selben Tag begann vor dem Landgericht Münster ein Prozess gegen sechs Männer. Die Angeklagten sollen mit gefälschten Bankseiten und Telefonanrufen – bei denen sie sich als Bankmitarbeiter ausgaben – einen Schaden von über 180.000 Euro verursacht haben. Die Einzelschäden reichen von wenigen hundert bis zu fast 60.000 Euro. Ihnen wird gewerbsmäßiger Bandenbetrug vorgeworfen.

Banken in der Pflicht – neue Regeln zum Verbraucherschutz

Ein am 22. Juli veröffentlichter Rechtsleitfaden stellt klar: Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) müssen Banken nicht autorisierte Zahlungen grundsätzlich vollständig erstatten. Nur bei grober Fahrlässigkeit des Kunden entfällt diese Pflicht – doch die Gerichte setzen die Messlatte hoch.

Ein wegweisendes Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) vom 22. Juli 2025 hatte bereits festgelegt: Wer bei einem verdächtigen Anruf wiederholt Transaktionsnummern (TANs) weitergibt, handelt grob fahrlässig. Die Beweislast liegt jedoch bei der Bank. Sie muss nachweisen, dass der Kunde sorglos war – nicht umgekehrt.

Auch international zeichnet sich dieser Trend ab. In den USA müssen große Banken seit 2025 Kunden entschädigen, die auf dem Zahlungsnetzwerk Zelle Opfer von Betrügern wurden, die sich als Bankmitarbeiter ausgaben. Zuvor waren solche Überweisungen oft nicht geschützt, da der Kunde sie ja „freiwillig“ getätigt hatte.

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Datenleck bei Finanzinstituten – Tracking trotz Ablehnung

Doch während die Haftung steigt, offenbaren neue Forschungsergebnisse eklatante Sicherheitslücken. Das Unternehmen Jscrambler identifizierte am 22. Juli 2026 insgesamt 14 Finanzinstitute in Europa und den USA, die sensible Kundendaten an Werbe- und Analyseplattformen weiterleiteten – darunter gehashte E-Mail-Adressen, Telefonnummern und konkrete Kreditdetails. In mehreren Fällen lief das Tracking sogar weiter, nachdem Nutzer der Datenverarbeitung widersprochen hatten.

Neue Android-Trojaner bedrohen deutsche Bankkunden

Die technische Bedrohung wird gleichzeitig immer raffinierter. Deutsche Sicherheitsanalysten warnen vor einem neuen modularen Banking-Trojaner, der gezielt Institute wie die Commerzbank und die Deutsche Bank angreift. Die Schadsoftware nutzt Overlay-Techniken und SMS-Abfang-Erweiterungen, um Mobile-Banking-Apps zu kompromittieren.

Die Zahlen belegen den Trend: Angriffe mit Android-Banking-Trojanern sind im Jahresvergleich um 56 Prozent gestiegen. Wer sein Smartphone für Banking nutzt, sollte daher besonders vorsichtig sein – und Apps nur aus offiziellen Quellen installieren.

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Da Banking-Trojaner und mobile Schadsoftware massiv zunehmen, ist ein proaktiver Schutz Ihres Smartphones heute unerlässlich. Sichern Sie Ihr Android-Gerät mit fünf einfachen, praxiserprobten Maßnahmen effektiv gegen Hacker und Viren ab. Gratis-PDF Sicherheitspaket: 5 Schutzmaßnahmen für Android-Smartphones jetzt kostenlos sichern

Singapur geht neuen Weg – Konto-Sperre bei Großüberweisungen

Ein innovatives Modell kommt aus Singapur. Ab Mitte Oktober dürfen Banken dort Überweisungen ab 50.000 Dollar verzögern, wenn der Betrag mehr als die Hälfte des Kontoguthabens ausmacht. Die sogenannte „Abkühlphase“ soll verhindern, dass Betrugsopfer in Sekundenschnelle ihr gesamtes Erspartes verlieren. Hintergrund ist eine dramatische Zunahme von Betrugsfällen: Die Zahl der gemeldeten Scams bei digitalen Banken hat sich zwischen 2024 und August 2025 nahezu verdoppelt.

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