Bluetooth-Diebstahl, Shanghai

Bluetooth-Diebstahl in Shanghai: BSI warnt vor digitalen Autoschlüsseln

Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 04:35 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bluetooth-Schließsysteme in Autos sind angreifbar, warnt das BSI. Neue EU-Regeln und Rückrufe sollen die Sicherheit digitaler Fahrzeugschlüssel erhöhen.

BSI warnt vor Bluetooth-Angriffen auf Auto-Schließsysteme
Nahaufnahme eines modernen Fahrzeugtürgriffs bei Nacht mit bläulicher Beleuchtung als Symbol für digitale Schließsysteme. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ein Vorfall in Shanghai zeigt erneut: Bluetooth-basierte Zugangssysteme in Fahrzeugen sind angreifbar. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt vor den Risiken digitaler Schlüssel und rät zu konsequentem Schutz.

Diebstahl per Smartphone-Fehlfunktion

Eine Fahrerin in Shanghai deponierte 300.000 Yuan im Kofferraum ihres Fahrzeugs – kurz darauf war das Auto weg. Die Polizei fand keine Einbruchspuren. Die Bordcomputer-Auswertung legte nahe: Das Fahrzeug wurde über die Smartphone-Erkennung nicht ordnungsgemäß verriegelt. Der Tatverdächtige wurde gefasst, die Beute sichergestellt.

Der Fall zeigt die Gefahren automatisierter Schließsysteme, die auf Nutzernähe setzen. Das BSI empfiehlt: Bluetooth am Mobilgerät deaktivieren, wenn es nicht gebraucht wird. Über aktive Funkverbindungen könnten Unbefugte Gespräche abhören oder manipulierte Befehle senden.

Angriffsmethoden und falsche Sicherheit

Sicherheitsforscher haben mehrere Wege identifiziert, Bluetooth-Verbindungen zu kompromittieren. Der Dienstleister ERNW entdeckte drei konkrete Schwachstellen. Forscher der KU Leuven demonstrierten zudem „Whisperpair“-Angriffe, die unter anderem Google Fast Pair ins Visier nehmen.

Ein Trugschluss: Der Flugmodus. Bei vielen Geräten deaktiviert er Bluetooth nicht zuverlässig – Nutzer wähnen sich geschützt, obwohl die Verbindung aktiv bleibt. Zwar erfordern solche Angriffe Nähe zum Fahrzeug und technisches Know-how, doch das Restrisiko bleibt relevant.

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Strengere Regeln für Hersteller

Die Autoindustrie muss reagieren. Seit Juli 2024 gibt es EU-Zulassungen nur noch mit zertifiziertem Cybersecurity Management System (CSMS) und Typgenehmigung nach UN-Regelungen R155 und R156. Hersteller müssen Cybersicherheitsrisiken über den gesamten Fahrzeuglebenszyklus überwachen.

Für neue Fahrzeugtypen gelten die Vorgaben bereits seit Juli 2022. Weitere Klassen folgen: Kategorie L bis Dezember 2027 für neue Typen, bestehende Fahrzeuge bis Juni 2029. Dazu kommt der EU Cyber Resilience Act – erste Meldepflichten greifen ab September 2026, die volle Anwendung folgt im Dezember 2027.

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Rückrufe und Bedienkonzepte in der Kritik

Nicht nur digital gibt es Probleme. Mercedes-Benz rief in den USA über 310.000 Fahrzeuge der Modelljahre 2019 bis 2026 zurück. Ein korrodierender Mikroschalter im Türschloss kann fehlerhafte Verriegelungen melden oder das Wegrollen des Fahrzeugs begünstigen.

Der ADAC beklagt zudem überfordernde Bedienkonzepte. Die Durchschnittsnote für Bedienbarkeit fiel von 2,3 (2019) auf 2,7 (2025). Mehr als die Hälfte der Autofahrer empfindet komplexe Touchscreen-Menüs – auch für die Verriegelung – als Sicherheitsrisiko. Fachleute fordern die Rückkehr zu physischen Tasten für sicherheitsrelevante Funktionen.

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