Blutdruckmessung, Haltungsfehler

Blutdruckmessung: Mehrere Haltungsfehler können über 20 mmHg Abweichung erzeugen

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 15:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Korrekte Körperposition, passende Manschette und validierte Oberarmgeräte verringern Messfehler; für zu Hause gelten eigene Grenzwerte.
Symbolbild: Stethoskop neben einem Glas Wasser Illustration mit AI erstellt.

Eine fehlerhafte Körperhaltung und ungeeignete Messgeräte können die Ergebnisse von Blutdruckmessungen erheblich verfälschen. Vor diesem Hintergrund raten Fachberichte verstärkt dazu, standardisierte Messabläufe einzuhalten und auf validierte elektronische Oberarm-Messgeräte umzusteigen. Bereits geringfügige Abweichungen können dazu führen, dass ein normaler Blutdruck fälschlicherweise als Hypertonie eingestuft wird.

Haltungsfehler beeinflussen die Messwerte deutlich

Ein wesentlicher Faktor für Fehlmessungen ist die Positionierung des Arms. Liegt der Arm unter Herzhöhe – etwa auf dem Schoß oder herabhängend –, erhöht sich der systolische und diastolische Wert im Schnitt um 7 bis 10 mmHg, wie eine systematische Übersichtsarbeit belegt. Dieser Effekt beruht auf der Schwerkraft sowie unbemerkter Muskelspannung und tritt bei empfindlichen Gefäßen oder bereits erhöhtem Blutdruck noch deutlicher zutage.

In der im Fachjournal JAMA Internal Medicine veröffentlichten randomisierten Crossover-Studie „Arm Position and Blood Pressure Readings: The ARMS Crossover Randomized Clinical Trial“ mit 133 Erwachsenen wurden drei Armhaltungen verglichen. Ein auf dem Schoß abgelegter Arm führte zu einem künstlich um 3,9 mmHg erhöhten systolischen Wert.

Hängte der Arm seitlich am Körper herab, fiel der Wert sogar um 6,5 mmHg höher aus, was das Risiko einer Fehldiagnose steigert. Da bereits ein struktureller Messfehler von 5 mmHg über das Vorliegen einer Hypertonie entscheiden kann, kommt der korrekten Haltung zentrale Bedeutung zu.

Laut Angaben der American Heart Association (AHA) wirken sich auch andere Abweichungen messbar aus:
- Eine fehlende Rückenstütze kann den systolischen Wert um etwa 6 bis 10 mmHg anheben.
- Überkreuzte Beine steigern den Wert um ca. 2 bis 8 mmHg.
- Ein unter Herzhöhe positionierter Arm führt zu einer Erhöhung um 2 bis 10 mmHg.
- Eine volle Blase kann den systolischen Wert um rund 10 bis 15 mmHg steigern.

Treten mehrere dieser Faktoren zusammen auf, kann der kumulative Messfehler über 20 mmHg betragen. Zudem verfälschen überkreuzte Beine oder nicht auf dem Boden aufgestellte Füße das Ergebnis durch einen erhöhten Bauchdruck.

Vorgaben für die richtige Vorbereitung und Durchführung

Für eine exakte Messung sollte die betroffene Person an einem Tisch sitzen, der Rücken gestützt sein und beide Füße flach nebeneinander auf dem Boden stehen. Der entblößte Arm liegt auf dem Tisch, die Handfläche zeigt nach oben, und die Mitte der Manschette befindet sich auf Herzhöhe. Eine Messung über dicker Kleidung verhindert, dass die Manschette korrekt anliegt.

Auch die Manschettengröße muss zum Armumfang passen. Den AHA-Leitlinien zufolge kann eine zu enge oder zu weite Manschette die Ergebnisse um bis zu 15 mmHg verfälschen. Wird sie zu weit oben platziert, fällt das Ergebnis höher aus, bei einer zu tiefen Anlage niedriger.

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Bei der Erstuntersuchung sollten beide Arme gemessen werden; künftig wird an der Seite mit den höheren Werten weitergemessen. Bei einer Halbseitenlähmung dient die gesunde Seite als Referenz. Die luftleere Manschette wird glatt angelegt, wobei ihre Mitte etwa zwei Zentimeter über der Ellenbeuge über der Arteria brachialis liegen sollte.

Im Vorfeld gelten feste Verhaltensregeln: In den 30 Minuten vor der Messung sollte auf Kaffee, Nikotin und Alkohol verzichtet werden. Vor dem Anlegen der Manschette ist die Blase zu entleeren. Zudem ist eine Ruhephase von fünf Minuten einzuhalten, während der weder gesprochen noch gelesen oder auf Bildschirme geschaut werden darf.

Für die Heimmessung empfiehlt sich jeweils eine Doppelmessung mit einer Pause von rund einer Minute, aus der der Mittelwert gebildet wird – stets am selben Arm, in gleicher Haltung und mit demselben Gerät.

Protokolle für die Heimmessung und Grenzwerte

Bei der Heimerfassung sollten die Werte nicht wahlweise morgens oder abends erhoben werden, sondern regelmäßig zu beiden Zeitpunkten unter konstanten Bedingungen. Morgens erfolgt die Messung nach dem Aufstehen und dem Gang zur Toilette, jedoch vor dem Frühstück sowie vor einer eventuellen Medikamenteneinnahme. Abends wird vor dem Schlafengehen nach dem Entleeren der Blase gemessen, mit ausreichendem Abstand zu Duschen oder sportlicher Aktivität.

Als bewährtes Protokoll gilt eine Messreihe über mindestens sieben Tage, bei der morgens innerhalb einer Stunde nach dem Aufwachen und abends vor dem Schlafen je eine Erhebung stattfindet; der Durchschnitt der letzten sechs Tage dient als Auswertungsgrundlage.

Für Praxismessungen liegt der Grenzwert für Bluthochdruck bei 140/90 mmHg, bei der Heimmessung dagegen bereits bei 135/85 mmHg. Weisen die Heimmessungen über mehrere Tage hinweg anhaltend Werte von mehr als 135 mmHg systolisch oder über 85 mmHg diastolisch auf, sollten die dokumentierten Zahlen ärztlich abgeklärt werden.

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Anforderungen an Messgeräte

Bei der Geräteauswahl gelten elektronische Oberarm-Geräte als verlässlicher als Modelle für das Handgelenk, da sie den Druck an einer dickeren, herznahen Arterie erfassen. Handgelenkgeräte müssen zwingend auf Herzhöhe gehalten werden. Insbesondere für ältere Menschen sowie Personen mit Vorerkrankungen wie Diabetes, Hypertonie oder Fettstoffwechselstörungen werden Oberarmgeräte angeraten.

Klassische Quecksilber-Blutdruckmessgeräte gelten zwar als präzise, sind aber wegen der Handhabung von Manschette und Stethoskop sowie der Risiken durch Quecksilber für den Privatgebrauch unpraktisch. Elektronische Geräte sollten klinisch validiert sein, im Fachhandel erworben werden und über eine entsprechende Typzulassung verfügen. Eine regelmäßige Kalibrierung wird mindestens alle sechs Monate empfohlen.

Bestehen Zweifel an den Werten – etwa durch eine Weißkittel-Hypertonie, deren Häufigkeit in internationalen Studien mit 15 bis 30 Prozent beziffert wird – oder zur Erkennung maskierter Hypertonien, bleibt die ambulante 24-Stunden-Langzeitblutdruckmessung das Standardverfahren der Diagnostik.

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