Blutdruckmittel im Vergleich: Studie mit fast 3 Millionen Patienten zeigt Unterschiede
Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 14:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deBei der medikamentösen Behandlung von Bluthochdruck stehen behandelnde Ärzte regelmäßig vor der Entscheidung zwischen verschiedenen Substanzklassen. Eine im Fachjournal Hypertension publizierte Untersuchung unter Beteiligung der Columbia University und des Gesundheitsdienstleisters Geisinger liefert grundlegende Erkenntnisse zum Start einer blutdrucksenkenden Therapie.
Anhand von Daten von fast 3 Millionen Patienten aus den USA, Deutschland und Südkorea untersuchten Wissenschaftler den Neueinstieg mit ACE-Hemmern im Vergleich zu Angiotensin-II-Rezeptorblockern (ARB).
Vergleichbare Schutzwirkung, Differenzen bei Begleiterscheinungen
Zwischen Personen mit Neueinstieg auf ACE-Hemmer und solchen auf ARB zeigte sich bei den harten Endpunkten Herzinfarkt, Herzinsuffizienz und Schlaganfall kein klarer Unterschied. Deutliche Abweichungen ergaben sich hingegen beim Spektrum der unerwünschten Wirkungen.
Patienten unter ARB-Therapie wiesen niedrigere Raten von Husten sowie bestimmten Schwellungen auf. Demgegenüber traten bei Anwendern von ACE-Hemmern höhere Raten an Husten, Magen-Darm-Blutungen, akuter Pankreatitis und Angioödemen auf.
Die Autoren betonten zugleich die methodischen Grenzen der Studie: Es handelte sich um keine randomisierte Untersuchung. Zudem beziehen sich die Ergebnisse auf den Beginn einer Therapie und liefern keinen Beleg dafür, dass Patienten bei einer bereits bestehenden und verträglichen Behandlung mit ACE-Hemmern das Präparat wechseln sollten.
Kriterien für die Auswahl der Substanzklasse
In der klinischen Praxis erfolgt die Auswahl blutdrucksenkender Medikamente abgestimmt auf das individuelle Nebenwirkungsprofil. Bei Patienten, bei denen ein möglichst geringes Nebenwirkungsrisiko im Vordergrund steht, werden bevorzugt langwirksame Kalziumkanalblocker (CCB) und ARB eingesetzt.
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Während ARB deutlich seltener trockenen Husten auslösen als ACE-Hemmer, zählen Knöchelödeme und Gesichtsrötungen zu den typischen Begleiterscheinungen von Kalziumkanalblockern. Für Patienten über 65 Jahre mit isolierter systolischer Hypertonie gelten langwirksame CCB als bevorzugte Wahl, während bei Diabetes und Proteinurie ARB den Vorzug erhalten.
Innerhalb der Klasse der ARB blockiert beispielsweise der Wirkstoff Azilsartan selektiv die Bindung von Angiotensin II an Rezeptoren in glatten Gefäßmuskeln und der Nebenniere.
Über eine Gefäßerweiterung und einen reduzierten peripheren Widerstand sinkt in der Folge der Blutdruck. Klinische Studien belegen für Azilsartan stärkere Senkungen des systolischen und diastolischen Blutdrucks im Vergleich zu anderen häufig verordneten ARBs wie Olmesartan.
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Als mögliche Nebenwirkung wird bei Azilsartan Durchfall beschrieben. Zugleich deuten Forschungsergebnisse darauf hin, dass ARBs wie Azilsartan die Nierenfunktion bei Diabetikern sowie bei Patienten mit vorbestehenden Nierenleiden schützen können.
Kontraindikationen und Überwachungsvorgaben
Sowohl ACE-Hemmer als auch ARB sind in der Schwangerschaft sowie bei bilateraler Nierenarterienstenose kontraindiziert. Unter einer ARB-Therapie erfordert ein Anstieg des Blutkaliums auf über 5,4 mmol/L eine ärztliche Dosisanpassung.
Bei Beta-Blockern wiederum muss die Dosis bei einem Ruhepuls von unter 55 Schlägen pro Minute korrigiert werden; zudem dürfen sie bei Asthma oder einem AV-Block ab Grad II nicht eingesetzt werden. Für Gichtpatienten wird empfohlen, Diuretika zu meiden.
Besondere Vorsicht gilt bei festen Kombinationstherapien, die ACE-Hemmer mit Diuretika bündeln. Präparate wie Prinzide (Lisinopril und Hydrochlorothiazid) oder Bifrizide (Zofenopril und Hydrochlorothiazid) sind für essenzielle Hypertonie vorgesehen.
Prinzide ist unter anderem bei Anurie, einer Vorgeschichte von Angioödemen unter ACE-Hemmern sowie schwerer Nieren- oder Leberinsuffizienz kontraindiziert; Thiazide erweisen sich zudem bei einer Kreatinin-Clearance von höchstens 30 ml/min als unwirksam.
Bifrizide darf ebenfalls nicht bei Angioödem-Anamnese unter ACE-Hemmern angewendet werden und darf nicht mit Sacubitril/Valsartan kombiniert werden, wobei ein zeitlicher Abstand von mindestens 36 Stunden erforderlich ist.
Bluthochdruck bleibt im Alltag häufig über Jahre unentdeckt. In der Schweiz ist jeder dritte Erwachsene betroffen, ab einem Alter von 75 Jahren sogar jede zweite Person. Neben der Hypertonie selbst können dabei auch die verordneten Medikamente das Entstehen von Erektionsstörungen begünstigen.
