Blutdrucksenker: TIME-Studie findet keinen Vorteil fĂŒr Abend- oder Morgengabe
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 11:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Behandlung der arteriellen Hypertonie erfordert ein prĂ€zises Zusammenspiel aus verlĂ€sslicher Medikamenteneinnahme, passender Wirkstoffwahl und Wachsamkeit gegenĂŒber plötzlichen Entgleisungen. Aktuelle medizinische Ratgeber und Fachgesellschaften widmen sich verstĂ€rkt der Frage, wann Blutdrucksenker eingenommen werden sollten, wie moderne Wirkstoffe wie Candesartan greifen und wie gefĂ€hrliche Blutdruckspitzen entstehen.
Einnahmezeitpunkt: Routine schlÀgt Tageszeit
In der Praxis stand lange die Debatte im Raum, ob eine Einnahme am Morgen oder am Abend gröĂere Schutzwirkungen bietet. Die im Jahr 2019 im European Heart Journal veröffentlichte HYGIA-Studie an rund 19.000 Patienten ĂŒber sechs Jahre hatte zunĂ€chst ein niedrigeres kardiovaskulĂ€res Risiko bei abendlicher Gabe nahegelegt.
Allerdings sah sich diese Untersuchung erheblicher methodischer Kritik ausgesetzt; die Deutsche Hochdruckliga stufte die Daten als sehr unglaubwĂŒrdig ein.
Neuere Untersuchungen zeichnen ein anderes Bild: Die TIME-Studie aus dem Jahr 2022 begleitete rund 21.000 Patienten ĂŒber einen Zeitraum von 5,2 Jahren. Dabei traten Herzinfarkte oder SchlaganfĂ€lle bei 3,4 Prozent der Probanden mit abendlicher Einnahme und bei 3,7 Prozent derer mit morgendlicher Einnahme auf â ein Unterschied ohne statistische Signifikanz.
Auch eine kanadische Studie im Fachjournal JAMA aus dem Jahr 2025 stellte keinen Einfluss des Einnahmezeitpunkts auf das Herzinfarkt-, Schlaganfall- oder Sterberisiko fest.
Fachgesellschaften betonen daher, dass vor allem die regelmĂ€Ăige Einnahme zu einem stets gleichbleibenden Zeitpunkt entscheidend ist; keinesfalls sollten PrĂ€parate eigenmĂ€chtig abgesetzt werden. Eine Ausnahme bilden sogenannte Nondipper, bei denen der Blutdruck nachts nicht physiologisch abfĂ€llt.
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Zwar kann hier eine Abenddosis erwogen werden, sie steigert bei Àlteren Menschen jedoch das Sturzrisiko. Die Deutsche Hochdruckliga rÀt dazu, eine abendliche Gabe nur nach einer ambulanten Langzeitblutdruckmessung (ABDM) vorzunehmen.
Wirkmechanismus und Einsatz von Candesartan
Unter den medikamentösen Therapieoptionen nimmt Candesartan Cilexetil einen festen Platz ein. Als Angiotensin-II-Rezeptorblocker (ARB) hemmt der Wirkstoff die Bindung von Angiotensin II, fördert die Vasodilatation und senkt dadurch den peripheren GefĂ€Ăwiderstand sowie den Blutdruck.
Eingesetzt wird die Substanz primĂ€r bei essenzieller Hypertonie sowie bei chronischer Herzinsuffizienz mit reduzierter linksventrikulĂ€rer systolischer Funktion. In diesem Bereich kann der Wirkstoff Krankenhausaufenthalte verringern und die Ăberlebensrate steigern.
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Eine Kombination mit Diuretika verstĂ€rkt die blutdrucksenkende Wirkung zusĂ€tzlich. Der Einsatz von Fixkombinationen hilft dabei, die Therapietreue der Betroffenen im Alltag zu sichern. Nebenwirkungen fallen meist mild aus, am hĂ€ufigsten berichten Patienten ĂŒber Schwindel und MĂŒdigkeit.
Plötzliche Spitzen, hypertensive Krisen und NotfÀlle
Treten unvorhergesehene Blutdruckentgleisungen auf, kommen laut der Deutschen Herzstiftung zahlreiche Faktoren als Auslöser infrage. HÀufig liegen vergessene, falsch dosierte oder abgesetzte Medikamente vor. Auch Wechselwirkungen mit Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Diclofenac schwÀchen die Wirkung von Blutdrucksenkern ab.
Weitere Ursachen sind hormonelle Störungen, SchilddrĂŒsenerkrankungen, Aortenisthmusstenosen, Nierenarterienverengungen, Schlafapnoe oder Substanzen wie Kortison, Antidepressiva, Sympathomimetika, Erythropoetin und die Antibabypille.
Die Mayo Clinic verweist zudem auf Nebennierentumore wie das PhÀochromozytom; ebenso treiben Kokain, Amphetamine, starker Stress, Alkohol und Lakritze die Werte in die Höhe.
Die Cleveland Clinic unterscheidet zwischen zwei Schweregraden:
- Hypertensive Krise: Sehr hohe Werte ohne akute OrganschĂ€den. Bei Werten von ĂŒber 200/100 mmHg ohne oder mit nur leichten Beschwerden sollten sich Betroffene hinlegen und nach 15 bis 30 Minuten erneut messen.
- Hypertensiver Notfall: Neben extremen Werten â meist mit einem oberen Wert zwischen 200 und 220 mmHg und einem unteren Wert von 100 bis 120 mmHg â liegen akute SchĂ€den an Herz, Aorta, Gehirn, Augen oder Nieren vor. In diesem Fall muss sofort der Notruf gewĂ€hlt werden.
Als Warnzeichen gelten Brustschmerz, Atemnot, Schwindel, Seh- oder Sprachstörungen, Ăbelkeit, Erbrechen, Nasenbluten, Benommenheit, KrampfanfĂ€lle und LĂ€hmungserscheinungen. Zur verlĂ€sslichen Verlaufskontrolle empfiehlt die MĂŒnchen Klinik, den Blutdruck dreimal tĂ€glich zu verschiedenen Zeiten zu messen und dabei darauf zu achten, dass sich die Manschette auf Herzhöhe befindet.
