Bluthochdruck, Anstieg

Bluthochdruck: 20 mmHg Anstieg verdoppelt Herzrisiko

Veröffentlicht: 08.07.2026 um 08:10 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Steigende Hypertonie-Zahlen weltweit befeuern den Bedarf an digitalen Gesundheitslösungen und neuen Versorgungsregeln.

Bluthochdruck-Welle: Digitale Helfer und neue Regeln für Patienten
Nahaufnahme eines digitalen Blutdruckmessgeräts mit hohen Werten und einer verschwommenen Hand, die mit einem Tablet und einer Gesundheits-App interagiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Fachleute rechnen damit, dass sich die Zahl der über 80-Jährigen bis 2050 verdreifacht – und in dieser Gruppe leidet jeder Zweite an Hypertonie. Ein systolischer Anstieg um 20 mmHg verdoppelt bereits das kardiovaskuläre Risiko. Die Gesundheitssysteme reagieren: Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) und vernetzte Monitoring-Lösungen rücken ins Zentrum des chronischen Krankheitsmanagements.

60 Apps im DiGA-Verzeichnis

Das offizielle Verzeichnis für Digitale Gesundheitsanwendungen listet aktuell 60 zertifizierte Apps. Ärzte und Psychotherapeuten verordnen sie, die Krankenkassen übernehmen die Kosten. Die meisten Anwendungen sind auf 90 Tage ausgelegt – und decken Indikationen von psychischen Erkrankungen bis zu Herz-Kreislauf-Beschwerden ab.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken kündigte Anfang Juli Maßnahmen zum Bürokratieabbau an. Elektronische Überweisungen, digitale Antragsverfahren in der Psychotherapie und ein elektronisches Betäubungsmittelrezept sollen die Versorgung beschleunigen. Für Wirtschaftlichkeitsprüfungen ist eine Bagatellgrenze von 300 Euro vorgesehen.

Wearables: Samsung setzt auf Blutdruck-Trends

Samsung hat im Juli die experimentelle Gefäßbelastungs-Messung aus seiner Gesundheits-App entfernt. Stattdessen kommt eine Blutdruck-Trend-Funktion für die nächste Galaxy-Watch-Generation. Voraussetzung: Regelmäßige Kalibrierung alle 28 Tage mit einer herkömmlichen Manschette.

Blaupunkt bündelt seine Smart-Ring- und Body-Sensor-Anwendungen in einer zentralen App. Herzfrequenz, Herzfrequenzvariabilität (HRV) und Sauerstoffsättigung (SpO2) speichert sie lokal auf den Endgeräten. Auf der Messe VivaTech präsentierte Samsung zudem Kooperationen für Heimbluttests und die Einbindung von Gesundheitsdaten in klinische Systeme.

Warum Nutzer digitale Angebote abbrechen

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Die Langzeitnutzung digitaler Gesundheitshilfen bleibt ein Problem. Das Forschungsprojekt PANDORA untersucht die hohen Abbruchraten – gefördert vom Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) mit 1,51 Millionen Euro bis Mai 2029. Ein Team der Universität Duisburg-Essen, der LVR-Klinik Essen und der Techniker Krankenkasse sucht nach den Gründen.

Parallel dazu zeigt eine Studie in Nature Medicine vom 7. Juli: Der SGLT-2-Inhibitor Dapagliflozin senkt das Risiko für Herzinsuffizienz bei Menschen mit genetischer Anfälligkeit für Kardiomyopathie.

Neue Regeln für chronisch Kranke

Seit dem 1. Juli 2026 dürfen Apotheken Patienten mit nachgewiesener Dauermedikation in dringenden Fällen einmalig die kleinste Packungsgröße eines verschreibungspflichtigen Medikaments aushändigen – auch ohne Rezept. Die Leistung ist kostenpflichtig und muss in der elektronischen Patientenakte (ePA) dokumentiert werden.

Die ePA selbst wurde erweitert: elektronischer Medikationsplan (eMP), Push-Benachrichtigungen bei Dokumentenzugriffen und die Möglichkeit, rezeptfreie Medikamente (OTC) nachzutragen. Apotheken können seit Anfang Juli zudem assistierte Telemedizin-Leistungen abrechnen.

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Telemedizin für Afrika

Ein internationales Projekt testet digitale Strategien zur Bluthochdruckbekämpfung in ländlichen Regionen. Das von der Technischen Universität München geleitete Horizon-Europe-Projekt BEACON-HD untersucht über vier Jahre in Ruanda und Uganda, wie Telemedizin und Selbstmonitoring die Versorgung verbessern. Schätzungen zufolge leiden dort bis zu 40 Prozent der über 40-Jährigen an Bluthochdruck.

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