Bluthochdruck: GefĂ€ĂschĂ€den im Auge können dauerhaft das Sehvermögen kosten
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 05:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Dauerhaft erhöhter Blutdruck belastet den menschlichen Organismus oft jahrelang unbemerkt. Kardiologen warnen vor den schleichenden Folgen einer unbehandelten Hypertonie, die durch GefĂ€Ăverengungen im Auge zu fortschreitenden NetzhautschĂ€den und irreversiblem Sehverlust fĂŒhren kann. Da die GefĂ€ĂverĂ€nderungen ĂŒber lange Zeit schmerzfrei verlaufen, werden irreversible BeeintrĂ€chtigungen hĂ€ufig erst sehr spĂ€t diagnostiziert.
Hohe Dunkelziffer und verzögerte Diagnostik
Nach Angaben von Markus van der Giet von der Berliner CharitĂ© und der Deutschen Hochdruckliga schĂ€digt unbehandelter Bluthochdruck Organe ĂŒber Jahre im Verborgenen. Bis sichtbare oder spĂŒrbare Komplikationen auftreten, vergehen mitunter mehr als 20 Jahre. Nach EinschĂ€tzung der Deutschen Hochdruckliga bleibt die Erkrankung in rund 30 Prozent der FĂ€lle gĂ€nzlich unentdeckt.
In Deutschland sind laut Erhebungen von herzmedizin.de sowie dem Robert Koch-Institut insgesamt 20 bis 30 Millionen Menschen betroffen. Die GEDA-Studie des Robert Koch-Instituts beziffert den Anteil auf 30,9 Prozent der Frauen und 32,8 Prozent der MĂ€nner. WĂ€hrend im Durchschnitt jeder dritte Erwachsene erkrankt ist, sind es in der Altersgruppe der ĂŒber 70-JĂ€hrigen drei von vier Personen.
Ab der Lebensmitte gleichen sich die Erkrankungsraten zwischen den Geschlechtern an, wie der Gesundheitsatlas der AOK dokumentiert. Weltweit gilt Hypertonie als die gröĂte Gesundheitsgefahr: Eine Untersuchung des Dr. Jacobs Instituts aus dem Jahr 2021 fĂŒhrt jĂ€hrlich 8,5 Millionen TodesfĂ€lle auf das Krankheitsbild zurĂŒck. Zudem hat sich die Zahl der Betroffenen seit 1990 global verdoppelt.
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Organische Folgen von NetzhautschÀden bis Demenz
Der permanente Druck schĂ€digt neben den feinen GefĂ€Ăen des Auges â medizinisch als hypertensive Retinopathie bezeichnet â auch Herz, Gehirn und Nieren. Die Nationale Versorgungsleitlinie zĂ€hlt neben NetzhautschĂ€den auch koronare Herzkrankheit, Arteriosklerose, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Schlaganfall, NierenschĂ€den und die periphere arterielle Verschlusskrankheit zu den Konsequenzen.
FĂŒr rund 33 Prozent der TodesfĂ€lle in Deutschland sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich. Zudem lassen sich rund 50 Prozent der SchlaganfĂ€lle auf Hypertonie zurĂŒckfĂŒhren. Martin Halle von der Technischen UniversitĂ€t MĂŒnchen verweist darauf, dass die HĂ€lfte aller SchlaganfĂ€lle ĂŒber kurz oder lang tödlich endet.
DarĂŒber hinaus gilt Bluthochdruck laut Markus van der Giet als eine der zentralen Ursachen fĂŒr Altersdemenz. Eine auf dem Kongress der European Society of Cardiology vorgestellte Langzeitstudie der China Medical University Shenyang unter Leitung von Yingxiang Sun und Shanshan Zhong an 33.995 Erwachsenen zeigte, dass eine intensive Behandlung das Demenzrisiko nach sieben Jahren um 15 Prozent senken konnte.
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Grenzwerte, Warnsignale und PrÀvention
Die Deutsche Herzstiftung definiert Werte bis 120/70 mmHg als optimal. Der Grenzwert fĂŒr Bluthochdruck bei Erwachsenen beginnt ab 140/90 mmHg. Markus van der Giet betont, dass das Risiko fĂŒr FolgeschĂ€den bereits ab 130 mmHg stark steige und ab 140 mmHg eine kritische Marke erreiche. Bei Messungen in Eigenregie raten Fachleute dazu, unter Werten von 135/85 mmHg zu bleiben.
Da Symptome wie Schwindel, Kopfschmerzen, Nasenbluten, innere Unruhe oder Sehstörungen oft erst bei kombiniertem Auftreten als Warnzeichen wahrgenommen werden, empfiehlt die Deutsche Hochdruckliga die sogenannte â30-50-80â-Regel: Betroffene sollten ihren Blutdruck ab dem 30. Lebensjahr kennen, ab 50 Jahren gut eingestellt und mit 80 Jahren geschĂŒtzt sein.
Neben einer medikamentösen Therapie empfehlen Kardiologen regelmĂ€Ăige Alltagsbewegung, Stressabbau, eine mediterrane ErnĂ€hrung, Gewichtsreduktion und den Verzicht auf ĂŒbermĂ€Ăigen Lakritzkonsum.
