Bluthochdruck in Polen: Über 11 Millionen Betroffene erreichen ihre Ziele nicht
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 19:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie effektive Behandlung von Bluthochdruck erfordert eine eng abgestimmte Zusammenarbeit zwischen verschiedenen medizinischen Disziplinen. Auf dem 20. Kongress der Polnischen Gesellschaft für Arterielle Hypertonie (XX.
Zjazd Polskiego Towarzystwa Nadci?nienia T?tniczego) in Krakau hob Prof. Aleksander Prejbisz vom Nationalen Institut für Kardiologie (Narodowy Instytut Kardiologii) hervor, dass Kardiologen, Hypertensiologen und Hausärzte enger zusammenwirken müssen. Allein in Polen leben über 11 Millionen Menschen mit arterieller Hypertonie, von denen Millionen ihre therapeutischen Zielwerte nicht erreichen.
Epidemiologische Befunde und metabolische Begleiterkrankungen
Prejbisz verwies auf Erkenntnisse der epidemiologischen Erhebung WOBASZ3 aus den Jahren 2025 und 2026, die als größte Studie dieser Art in Polen alle zehn Jahre nach WOBASZ1 vor zwanzig Jahren und WOBASZ2 vor zehn Jahren durchgeführt wird.
Die Ergebnisse zeigen zwar Fortschritte bei der Erkennung und Behandlung von Hypertonie sowie einen Rückgang der Erkrankung bei Personen über 50 Jahren. Bei den unter 50-Jährigen ist jedoch keine Verbesserung der Blutdruckkontrolle zu verzeichnen.
Zusätzlich erschweren begleitende Risikofaktoren das Krankheitsmanagement. Prejbisz betonte das häufige Auftreten von Adipositas, insbesondere der abdominalen Form. Zudem sei die Hypercholesterinämie seit zwei Jahrzehnten nicht rückläufig, während die Kontrolle des LDL-Cholesterinspiegels in der Sekundärprävention bei unter 20 Prozent liege.
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Die Stoffwechsellage in Polen sei zudem durch 3 Millionen diagnostizierte Diabetiker, 900.000 Personen mit bisher unentdecktem Diabetes und 6 Millionen Menschen mit Prädiabetes geprägt.
Koordinierte Behandlungspfade in der Praxis
Um die Versorgungslage zu verbessern, skizzierte Prejbisz ein abgestuftes Vorgehen zwischen den Versorgungsstufen. Hausärzte sollten die medikamentöse Therapie demnach primär mit zwei oder drei Wirkstoffen kombiniert in einer einzigen Tablette initiieren.
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Eine Überweisung an spezialisierte Hypertensiologen sei hingegen bei therapieresistenter Hypertonie angezeigt. Voraussetzung dafür seien die vorherige Ausschöpfung kardiologischer Therapieoptionen, eine systematische Prüfung der Therapietreue sowie die Durchführung einer ambulanten Blutdruckmessung.
Therapietreue und medikamentöse Fixkombinationen
Die Therapietreue stellt einen zentralen Faktor für das Erreichen der Blutdruckziele dar. Prof. Andrzej Tykarski von der Universität Pozna? erläuterte auf der Fachtagung in Krakau, dass sich rund die Hälfte der Patienten nicht an die ärztlichen Vorgaben halte.
Als wesentliche Ursache gelte das schlichte Vergessen der morgendlichen Einnahme. Fixkombinationen könnten diese Hürde abbauen, da eine einzige Tablette am Morgen den Alltag der Betroffenen erleichtere.
Nach Angaben von Tykarski stehen in Polen derzeit mehrere Dutzend zweistoffliche Fixkombinationen sowie sieben oder acht dreistoffliche Präparate zur Verfügung. Zudem gebe es mit einer vierstofflichen Fixkombination (Quadrixam), bestehend aus Perindopril, Indapamid, Amlodipin und Bisoprolol, eine neue Therapieoption, die speziell auf die Anforderungen resistenter Hypertoniefälle abgestimmt ist.
