Bluthochdruck: Kaliumreiche ErnÀhrung senkt den Blutdruck zusÀtzlich zu Salzverzicht
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 10:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der ernÀhrungsmedizinischen Behandlung von Bluthochdruck stand lange Zeit die Reduzierung von Kochsalz im Mittelpunkt. Wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen jedoch zunehmend, dass der Mineralstoff Kalium eine ebenso zentrale Rolle bei der Regulation des Blutdrucks einnimmt.
Eine Untersuchung der University of Vermont unter der Leitung von Naomi Fukagawa, die am 1. Juli 2026 im Fachjournal American Journal of Clinical Nutrition publiziert wurde, belegt diesen Zusammenhang. Demnach fĂŒhrt eine gezielt gesteigerte Kaliumzufuhr zusĂ€tzlich zur herkömmlichen Salzrestriktion zu einer deutlich ausgeprĂ€gteren Blutdrucksenkung als eine reine Natriumvermeidung.
Parallel zu den Erkenntnissen ĂŒber die Wirkungskraft rĂŒckt in der Fachwelt die Frage in den Fokus, wie sicher eine kaliumreiche ErnĂ€hrung fĂŒr Hypertonie-Patienten im Alltag ist â insbesondere unter medikamentöser Therapie.
Erkenntnisse zur VertrÀglichkeit unter Medikation
BefĂŒrchtungen hinsichtlich möglicher HyperkaliĂ€mien standen einer breiten Umsetzung kaliumreicher ErnĂ€hrungskonzepte bei vorbelasteten Gruppen hĂ€ufig im Weg. Auf den AHA Hypertension Scientific Sessions 2026 am 7. Oktober 2026 in Arlington im US-Bundesstaat Virginia wurden vorlĂ€ufige Resultate vorgestellt, die diese Sicherheitsbedenken entschĂ€rfen.
Gegenstand der dort prĂ€sentierten SekundĂ€ranalyse waren die GoFresh- und GoFreshRx-Studien, die von August 2022 bis September 2026 im GroĂraum Boston durchgefĂŒhrt wurden. Die Studienpopulation umfasste 356 schwarze Erwachsene mit einem Durchschnittsalter von 53 Jahren und einem Frauenanteil von rund 70 Prozent.
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Die Teilnehmenden wiesen einen systolischen Blutdruck von 120 bis <150 mm Hg sowie einen diastolischen Blutdruck von <100 mm Hg auf und hatten einen eingeschrÀnkten Zugang zu LebensmittelgeschÀften.
Das Design der Intervention sah einen dreimonatigen Vergleich vor: Eine Gruppe erhielt wöchentlich fĂŒr die DASH-DiĂ€t optimierte Lebensmittel inklusive ErnĂ€hrungsschulungen, wĂ€hrend die Kontrollgruppe finanzielle UnterstĂŒtzung in Form eines Geldzuschusses erhielt.
Die bereitgestellten DASH-Lebensmittel lieferten circa 4.700 mg Kalium pro Tag bei einem Kalium-Natrium-VerhÀltnis von 2:1. Zu Beginn lag das Serumkalium bei 4,16 mmol/L in der Interventionsgruppe und bei 4,18 mmol/L in der Kontrollgruppe. Nach 12 Wochen zeigte sich kein signifikanter Anstieg des Blutkaliumspiegels auf bedenkliche Werte.
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Auch bei Personen, die blutdrucksenkende PrĂ€parate wie ACE-Hemmer, Angiotensin-Rezeptorblocker (ARBs), kaliumsparende Diuretika oder Betablocker sowie entzĂŒndungshemmende Schmerzmittel (NSAIDs) einnahmen, traten keine gefĂ€hrlichen Erhöhungen auf. Die Nierenfunktion wies ebenfalls keine signifikanten VerĂ€nderungen auf.
Praktische HĂŒrden und klinische Grenzen
Trotz der positiven VertrĂ€glichkeit weisen Kardiologen auf HĂŒrden in der Praxis hin. Die in den Interventionsprogrammen angestrebte Menge von 4.700 mg Kalium pro Tag sei im gewöhnlichen Alltag schwer erreichbar; die durchschnittliche Zufuhr liege bei lediglich 2.000 bis 3.000 mg tĂ€glich.
Zudem gelten klare EinschrĂ€nkungen fĂŒr die klinische Anwendung. Die untersuchten Daten beruhen auf Konferenz-Abstracts, die bis zum vollstĂ€ndigen Peer-Review als vorlĂ€ufig gelten. Zudem waren Personen mit fortgeschrittener chronischer Nierenerkrankung der Stadien 4 und 5 oder vorbestehend erhöhtem Kaliumspiegel von der Analyse ausgeschlossen.
FĂŒr Patientinnen und Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz oder chronisch hohen Kaliumwerten gilt weiterhin die dringende Empfehlung, eine stark kaliumreiche DiĂ€t zu meiden. Da sich die SekundĂ€ranalyse zudem auf eine spezifische stĂ€dtische Kohorte in Boston beschrĂ€nkte, lĂ€sst sich das Ergebnis nicht ohne Weiteres auf die gesamte Bevölkerung ĂŒbertragen.

