Bluthochdruck, Lactobacillus

Bluthochdruck: Lactobacillus senkt Druck um bis zu 14 mmHg

Veröffentlicht: 09.07.2026 um 18:19 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Forschung zeigt: Bestimmte Bakterienstämme senken den Blutdruck messbar. Lactobacillus erzielt in Studien deutliche Erfolge.

Probiotika gegen Bluthochdruck: Neue Studien belegen Wirkung
Bluthochdruck - Nahaufnahme einer stilisierten Darstellung des Darmmikrobioms mit leuchtenden Bakterienstämmen, verbunden mit Blutgefäßen. 09.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Aktuelle Studien zeigen: Bestimmte Bakterienstämme senken den Blutdruck messbar.

Konkrete Erfolge mit Lactobacillus

Eine Untersuchung im Journal of Hypertension aus diesem Jahr belegt erstmals konkrete Werte: Patienten, die Probiotika der Gattung Lactobacillus einnahmen, verzeichneten eine Senkung des systolischen Blutdrucks um 3 bis 14 mmHg. Der diastolische Wert fiel um 1,5 bis 7 mmHg.

Die Forscher identifizierten mehrere Mechanismen. Die Bakterien hemmen das Angiotensin-Konversions-Enzym (ACE), steigern die Stickstoffmonoxid-Produktion und wirken entzündungshemmend. Allerdings: Die Wirkung variiert stark von Mensch zu Mensch und hängt von der Zusammensetzung der Bakterienstämme ab.

Pfefferminzöl und Eiklar-Hydrolysate

Parallel dazu untersuchen Wissenschaftler innovative Substanzen. Eine Studie in Scientific Reports analysierte Hydrolysate aus Eiklar. Im Tierversuch hemmten sie ACE und veränderten die Darmflora positiv – die Alpha-Diversität stieg, Bakterien wie Prevotella und Butyricimonas vermehrten sich.

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Noch überraschender: Eine Untersuchung in PLOS One mit 40 Teilnehmern zeigte, dass täglich 0,1 ml Pfefferminzöl über 20 Tage den systolischen Blutdruck um über 8 mmHg senkte. Verantwortlich ist wohl das Menthol, das die Gefäßwände entspannt. Die geringe Probandenzahl mahnt jedoch zur Vorsicht.

Leben retten – über den Blutdruck hinaus

Der Einfluss lebender Mikroorganismen geht offenbar weiter. Eine Langzeitbeobachtung von über 1.300 Schlaganfallüberlebenden im Journal of Health, Population and Nutrition ergab: Eine hohe Aufnahme lebender Mikroorganismen senkt die Gesamtmortalität um 39 Prozent. Ein direkter Zusammenhang mit der kardiovaskulären Sterblichkeit ließ sich allerdings nicht belegen.

Das Mikrobiom könnte sogar als Frühwarnsystem dienen. Eine Studie in Cell identifizierte Bakterien wie Desulfovibrio piger als Risikoindikatoren für Typ-2-Diabetes – Jahre vor der klinischen Diagnose. Diabetes und Bluthochdruck treten häufig gemeinsam auf.

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Was bleibt – und was kommt

Trotz aller Euphorie: Die klassische Medikation bleibt die Basis der Behandlung. Eine Analyse in The Lancet vom Juli zeigt, dass das kardiovaskuläre Risiko bei adipösen Patienten zwischen 40 und 79 Jahren deutlich gesunken ist. Grund sind Statine und Blutdrucksenker, die in dieser Gruppe zu über 70 Prozent eingesetzt werden.

Gleichzeitig räumt eine Kardiologin der Deutschen Herzstiftung mit einem Mythos auf: Kompressionsstrümpfe senken den Blutdruck nicht. Ihr Einsatz ist bei Venenschwäche sinnvoll, zur Blutdruckprävention fehlen klinische Daten.

Die Zukunft liegt in der Kombination: Bewährte Medikamente, Bewegung und eine Ernährung, die das Mikrobiom gezielt moduliert. Die Forschung liefert dafür zunehmend die Grundlagen.

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