Bluthochdruck: Lorundrostat senkt Blutdruck bei Nierenerkrankung um 9,6 mmHg
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 18:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie medikamentöse Behandlung des Bluthochdrucks steht vor einer Erweiterung des therapeutischen Arsenals. Eine Übersichtsarbeit im Fachblatt American Journal of Cardiovascular Drugs beleuchtet neuartige Wirkstoffansätze, darunter die RNA-Interferenz, den Endothelin-Antagonismus sowie die Hemmung der Aldosteron-Synthase.
Während etablierte Standardtherapien den Blutdruck oft nur unzureichend kontrollieren, untersuchen klinische Studien das Potenzial dieser neuartigen Substanzklassen insbesondere für Patienten mit schwer einstellbarem Verlauf.
Aldosteron-Synthase-Hemmer greifen frühzeitig in den Regelkreis ein
Zu den Ansätzen gehört die selektive Aldosteron-Synthase-Hemmung. Wie die Übersichtsarbeit ausführt, zeigte der Wirkstoff Baxdrostat in zwei Phase-II-Studien eine selektive Hemmung und eine signifikante Blutdrucksenkung; die vorliegende Evidenz reiche nach Einschätzung der Autoren jedoch noch nicht für einen breiten klinischen Routineeinsatz aus.
Dem Branchendienst Patient Care Online zufolge erhielt Baxdrostat kürzlich die Zulassung durch die US-Arzneimittelbehörde FDA. Kardiologin Payal Kohli ordnete den Mechanismus ein: Der Wirkstoff greife im Gegensatz zu Thiazid-Diuretika, ACE-Hemmern, Angiotensin-Rezeptor-Blockern (ARBs), Kalziumkanalblockern und Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten direkt an der Aldosteronproduktion an, anstatt das Hormon erst nach dessen Synthese zu blockieren.
Mit Lorundrostat befindet sich ein weiterer Aldosteronsynthase-Hemmer in der späten Erprobungsphase. Mineralys Therapeutics präsentierte auf der ASN Kidney Week 2026 in Denver Phase-3-Daten aus der Launch-HTN-Studie (NCT06153693).
Bei Teilnehmern mit chronischer Nierenerkrankung (CKD) erzielte der Wirkstoff nach 12 Wochen eine placebokorrigierte Senkung des systolischen Blutdrucks um 9,6 mmHg (p=0,0022), während der Wert in der Nicht-CKD-Gruppe um 12,2 mmHg sank (p<0,0001). Einen systolischen Zielblutdruck von unter 130 mmHg erreichten 44 Prozent der CKD-Patienten gegenüber 18 Prozent unter Placebo.
Zudem sank das Albumin-Kreatinin-Verhältnis im Urin (UACR) gegenüber Placebo um 52,2 Prozent (p<0,0001). Bestätigte Hyperkaliämien traten bei 2,4 Prozent der CKD-Teilnehmer und bei keinem Patienten ohne Nierenerkrankung auf. Die Dosierung begann bei 50 mg einmal täglich mit der Option einer Steigerung auf 100 mg nach sechs Wochen; das PDUFA-Datum für Lorundrostat liegt am 22.12.2026.
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Fortschritte bei RNA-Interferenz und Endothelin-Antagonisten
Neben der Aldosteronhemmung rücken weitere Wirkmechanismen in den Fokus der Forschung. Beim RNA-Interferenz-Kandidaten Zilebesiran, einem Antisense-Wirkstoff gegen Angiotensinogen, zeigte die Studie KARDIA-1 in der Monotherapie nach drei Monaten eine placebokorrigierte 24-Stunden-Senkung des systolischen Blutdrucks um 16,7 mmHg.
In der Studie KARDIA-2 erwies sich der Wirkstoff in Kombinationstherapien als wirksam, wobei der stärkste Effekt in Verbindung mit Indapamid erzielt wurde. Während KARDIA-3 den primären Endpunkt verfehlte, läuft die Endpunktstudie ZENITH derzeit weiter.
Mit Aprocitentan steht zudem ein Endothelin-Antagonist zur Verfügung, der in der Studie PRECISION sowohl den Praxis- als auch den ambulant gemessenen systolischen Blutdruck bei resistenter Hypertonie senkte.
Der Wirkstoff ist in den USA, der Europäischen Union und im Vereinigten Königreich zugelassen. Im klinischen Einsatz ist laut Fachberichten eine engmaschige Überwachung hinsichtlich möglicher Flüssigkeitsretentionen und hämatologischer Effekte erforderlich.
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Leitlinien fordern strukturierte Therapieeskalation
Die Notwendigkeit verbesserter Therapiestrategien unterstreicht auch das American College of Cardiology (ACC). In einer im Journal of the American College of Cardiology veröffentlichten Leitlinie zum Management resistenter Hypertonie formuliert die Fachgesellschaft ein Fünf-Fragen-Framework. Dieses deckt die standardisierte Blutdruckmessung, die exakte Diagnose, die Auswahl medikamentöser, nicht-pharmakologischer und gerätebasierter Maßnahmen, die Betreuung bei Komorbiditäten sowie die Integration neuer Technologien ab.
Die Kardiologen betonen darin eine zeitnahe Therapieeskalation sowie die Verbesserung der Therapietreue durch vereinfachte Medikationsregime, Einzeltabletten-Kombinationen und teambasierte Versorgungsmodelle.
