Bluthochdruck und Arthrose: Frauen haben laut Analyse 60 Prozent höheres Risiko
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 16:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deMedizinische Fachberichte weisen auf einen bislang oft unterschĂ€tzten Zusammenhang hin: Eine arterielle Hypertonie kann die Entstehung und das Fortschreiten von Arthrose bei Ă€lteren Menschen begĂŒnstigen. Fachleute betonen vor diesem Hintergrund, wie bedeutsam eine frĂŒhzeitige medizinische AbklĂ€rung bei anhaltenden Gelenkschmerzen ist.
Hormonelle Botenstoffe greifen den Knorpel an
Die molekularen Grundlagen dieses Zusammenhangs wurden unter anderem in experimentellen Untersuchungen beleuchtet. Einer 2026 im Fachjournal Science publizierten Untersuchung zufolge kann Bluthochdruck bei Ă€lteren Personen ĂŒber eine verstĂ€rkte AusschĂŒttung des Hormons Arginin-Vasopressin (AVP) aus der Hypophyse auf die Gelenke einwirken. Das Hormon schĂ€digt ĂŒber spezifische Rezeptoren auf den Chondrozyten direkt den Knorpel.
In Mausmodellen wie DOCA-Salz und BPH/2J zeigte sich nach chirurgischer GelenkschÀdigung durch eine DMM-Operation eine stÀrkere Knorpelerosion sowie eine subchondrale Sklerose. WÀhrend der AVPR1A-Antagonist Relcovaptan sowie ein genetischer Avpr1a-Knockout protektiv wirkten, bot der Blutdrucksenker Losartan diesen Schutz vor dem Knorpelabbau nicht.
Epidemiologische Daten belegen erhöhtes Risiko
Die Verbindung zwischen kardiovaskulĂ€ren Risikofaktoren und Gelenkerkrankungen spiegelt sich auch in groĂen Kohorten wider. Eine Analyse der Korea National Health and Nutrition Examination Survey (KNHANES) durch Forschende der Chonnam National University im sĂŒdkoreanischen Gwangju ergab, dass MĂ€nner mit arterieller Hypertonie 24 Prozent hĂ€ufiger an einer Gelenkarthrose erkrankt waren. Bei Frauen lag das Risiko sogar um 60 Prozent höher.
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Die KNHANES-Daten aus den Jahren 2007 bis 2021 mit 36.820 Teilnehmenden ab 45 Jahren zeigten, dass Hypertonie auch nach Bereinigung um Faktoren wie Geschlecht, Bildung, Einkommen, Rauchen, Alkoholkonsum, Diabetes und Körpergewicht unabhÀngig mit Arthrose assoziiert blieb. Die höchste PrÀvalenz von Bluthochdruck bei gleichzeitig bestehender Arthrose tritt in der Altersgruppe von 65 bis 74 Jahren auf.
In einer Subgruppe aus den Jahren 2009 bis 2013, die 13.717 Teilnehmende ab 50 Jahren mit radiologischer Einstufung umfasste, stieg die Assoziation zwischen Hypertonie und radiologischer Arthrose mit höherem Kellgren-Lawrence-Grad kontinuierlich an und war bei Grad 4 am stÀrksten ausgeprÀgt.
Arthrose selten eine isolierte Erkrankung
Dass GelenkverschleiĂ eng mit systemischen Erkrankungen verwoben ist, bestĂ€tigt zudem eine Erhebung der Beijing University of Chinese Medicine an 10.500 Teilnehmenden, die im Chinese Journal of General Practice publiziert wurde. Ăber 90 Prozent der Arthrosepatienten litten demnach an weiteren chronischen Leiden.
Bei 52,4 Prozent lagen Kreislauferkrankungen vor, darunter Hypertonie mit 24,4 Prozent, koronare Herzkrankheit mit 20,8 Prozent und Fettstoffwechselstörungen mit 15,2 Prozent. Endokrine und metabolische sowie respiratorische KomorbiditĂ€ten betrafen jeweils ĂŒber 35 Prozent der Patienten, wobei Typ-2-Diabetes und Osteoporose zu den typischen Begleiterkrankungen zĂ€hlten.
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Wann Gelenkbeschwerden Àrztlich abgeklÀrt werden sollten
Gelenkschmerzen dĂŒrfen FachĂ€rzten zufolge nicht vorschnell als unvermeidliche Begleiterscheinung des Alterns abgetan werden. Nach Angaben des britischen Gesundheitsdienstes NHS kommen neben der Osteoarthrose auch Verletzungen, repetitive Belastungen, rheumatoide Arthritis, Gicht oder Infektionen als Ursache infrage.
Zur Differenzierung tragen das Schmerzmuster â etwa der Unterschied zwischen mechanischer und entzĂŒndlicher Belastung â, Schwellungen, das Vorhandensein von Morgensteifigkeit sowie die Anzahl der betroffenen Gelenke bei.
Als Warnzeichen fĂŒr eine rasche Untersuchung gelten anhaltende Morgensteifigkeit, geschwollene oder erwĂ€rmte Gelenke, beidseitig auftretende Beschwerden sowie ein fortschreitender Funktionsverlust. Tritt ein Gelenkschmerz plötzlich heftig auf und geht mit einer ĂberwĂ€rmung, massiver Schwellung sowie Fieber einher, muss unverzĂŒglich eine medizinische NotfallabklĂ€rung erfolgen, um eine bakterielle Infektion auszuschlieĂen.
