BMDNow: Fraunhofer-KI soll Knochendichte aus CT-Bildern ermitteln
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 06:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Messung der Knochendichte gilt in der medizinischen Diagnostik als zentrales Instrument, um den Zustand des Skelettsystems zu beurteilen und Risiken frĂŒhzeitig abzufangen. Als etablierter Standard dient hierbei die sogenannte DXA-Messung (Duale Röntgen-Absorptiometrie).
Anhand von international festgelegten Schwellenwerten erlaubt das Verfahren eine Einordnung der Knochengesundheit und bildet die Grundlage fĂŒr prĂ€ventive sowie therapeutische Entscheidungen.
Klassifikation ĂŒber den T-Wert
Die Bewertung der Messergebnisse erfolgt maĂgeblich ĂŒber den T-Score nach den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Dieser Wert setzt die ermittelte Mineraldichte eines Knochenabschnitts ins VerhĂ€ltnis zu den Referenzwerten junger, gesunder Erwachsener. Liegt der T-Wert bei -1 oder höher, gilt die Knochendichte als normal.
FĂ€llt das Ergebnis in den Bereich von unter -1 bis ĂŒber -2,5, sprechen Fachleute von einer verminderten Knochendichte, der sogenannten Osteopenie. Ein T-Wert von unter -2,5 markiert schlieĂlich den Ăbergang zur manifesten Osteoporose.
Bei einer diagnostizierten Osteopenie kann das Frakturrisiko dennoch betrĂ€chtlich sein, insbesondere wenn bereits frĂŒhere BrĂŒche vorliegen, ein höheres Lebensalter erreicht ist oder weitere begleitende Bedingungen hinzukommen.
Eine adĂ€quate Densitometrie ermöglicht somit eine fundierte Diagnosestellung. FĂŒr Verlaufskontrollen wird empfohlen, Messungen nach Möglichkeit stets am selben GerĂ€t beziehungsweise beim selben Dienstleister durchzufĂŒhren, um verlĂ€ssliche Vergleichswerte zu sichern.
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Indikationen und Grenzen der Dichtemessung
GrundsĂ€tzlich gilt eine Densitometrie fĂŒr alle Frauen ab 65 Jahren sowie fĂŒr MĂ€nner ab 70 Jahren als angezeigt. Bei Vorliegen spezifischer Risikofaktoren empfiehlt sich eine frĂŒhere Untersuchung.
Zu diesen Faktoren zĂ€hlen unter anderem Vorerkrankungen wie COPD, Zystische Fibrose und rheumatoide Arthritis oder auch die Einnahme bestimmter Medikamente, darunter Kortikoide, Antikonvulsiva sowie ein ĂŒbermĂ€Ăiger Gebrauch von Omeprazol.
WĂ€hrend Instrumente wie der Ein-Minuten-Test der International Osteoporosis Foundation (IOF) als Fragebogen dazu dienen, individuelle Risikofaktoren aufzuzeigen, stellen sie selbst keine Diagnose dar.
Tritt eine HĂŒft- oder Wirbelfraktur infolge von FragilitĂ€t auf, kann dies eine medizinische Behandlung zudem selbst dann rechtfertigen, wenn der ermittelte T-Score formal nicht im Osteoporosebereich liegt. Denn die Knochendichte erfasst primĂ€r die reine Mineralmenge in einem bestimmten Abschnitt.
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Zur vollstĂ€ndigen KnochenqualitĂ€t gehören darĂŒber hinaus jedoch auch die Mikroarchitektur und die Zusammensetzung der Bestandteile wie Mineralien und Kollagen. Da ein unauffĂ€lliger Befund nicht alle Aspekte dieser KnochenqualitĂ€t abbildet, können KnochenbrĂŒche auch bei normalen Dichtewerten auftreten.
So weisen beispielsweise einige Patienten mit Typ-2-Diabetes ein erhöhtes Frakturrisiko auf, obwohl ihre Knochendichte im Normalbereich liegt. ErgÀnzend zur DXA-Messung kommt daher bei Bedarf das FRAX-Instrument zum Einsatz, um das 10-Jahres-Frakturrisiko genauer abzuschÀtzen.
Neue technologische AnsÀtze
Parallel zu den bestehenden Standardverfahren arbeiten Forschungseinrichtungen an weiteren diagnostischen Methoden. So entwickeln das Fraunhofer-Institut fĂŒr Graphische Datenverarbeitung (IGD) und die Goethe-UniversitĂ€t Frankfurt im Rahmen des durch die Hessen Agentur geförderten Projekts âBMDNowâ ein KI-System.
Das Programm soll die Knochendichte kĂŒnftig automatisiert aus bereits vorliegenden CT-Bildern ermitteln, um Osteoporose und Osteopenie frĂŒhzeitiger zu erkennen, ohne dass dafĂŒr eine zusĂ€tzliche Bildgebung notwendig wird.
Laut Angaben der Fraunhofer-Gesellschaft mit Stand vom 1. Oktober 2026 ist die aktuelle Version von BMDNow ausschlieĂlich fĂŒr die Dual-Energy-Computertomographie (DECT) geeignet; eine Erweiterung auf Single-Energy-CT (SECT) befindet sich in Planung. VollstĂ€ndige klinische Validierungsdaten zu Fallzahlen, SensitivitĂ€t und SpezifitĂ€t dieser Methode liegen bislang noch nicht veröffentlicht vor.
