Bonesmashing auf TikTok: Ärzte warnen vor Narben und Blutergüssen
29.06.2026 - 07:07:07 | boerse-global.de
Doch neben motivierenden Inhalten verbreitet der Algorithmus zunehmend extreme Praktiken der Selbstoptimierung. Das Spannungsfeld zwischen positiver Motivation und gesundheitlichen Risiken wird immer deutlicher.
„Bonesmashing“: Jugendliche schlagen sich mit Hämmern ins Gesicht
Ein besonders alarmierender Trend heißt „Bonesmashing“. Jugendliche schlagen sich mit harten Gegenständen wie Hämmern ins Gesicht. Ihr Ziel: Durch vermeintliche Mikrofrakturen einen markanteren Kiefer und ein kantigeres Gesichtsbild erzielen.
Mediziner schlagen Alarm. Jörg Wiltfang vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) warnte Ende Juni 2026: Die Entstehung von Mikrofrakturen durch diese Methode sei unwahrscheinlich. Stattdessen drohen Weichteilschwellungen, Blutergüsse und dauerhafte Narben. Berichte über 15-jährige Nutzer, die solche Praktiken täglich anwenden, zeigen den enormen Druck zur physischen Selbstoptimierung.
Wie der Algorithmus in die „Manosphere“ führt
Die Verbreitung solcher Trends hängt eng mit der Funktionsweise des TikTok-Algorithmus zusammen. Wer Interesse an Fitness-Inhalten zeigt, bekommt häufig in kurzen Abständen Videos aus der sogenannten „Manosphere“ ausgespielt. In Einzelfällen ist etwa jedes dritte bis vierte Video dieser Kategorie zuzuordnen.
Diese Inhalte transportieren ein spezifisches Männlichkeitsbild – geprägt durch extreme körperliche Härte und teils frauenfeindliche Tendenzen. Neben „Bonesmashing“ werden dort auch das Trinken roher Eier oder exzessives Training propagiert. Einige Jugendliche verbringen laut Erhebungen bis zu acht Stunden täglich auf der Plattform. Die ständige Konfrontation verändert massiv die Wahrnehmung des eigenen Körpers.
Die Gefahr durch extreme TikTok-Trends wie Bonesmashing ist real – Ärzte warnen vor Narben und Blutergüssen. Unser Leitfaden zeigt Ihnen in 3 Schritten, wie Sie gefährliche Inhalte erkennen und mit Ihrem Kind ins Gespräch kommen. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
Influencer-Projekte setzen auf positive Motivation
Doch es gibt auch die andere Seite der Medaille. Influencerin Joyce Hübner absolvierte Ende Juni 2026 ihren 394. Marathon in Folge – diesmal durch Gütersloh. Solche Langzeitprojekte werden digital dokumentiert, um Follower zu sportlicher Ausdauer und Disziplin zu inspirieren. Ohne gesundheitsschädliche Praktiken.
Auch lokal bleibt der Bereich Fitness stark durch digitale Vernetzung geprägt. In vielen Städten werden regelmäßige Sportangebote wie Ganzkörpertraining, Rückenpilates oder Lauftreffs über Online-Portale beworben. Die Hürden für den Einstieg in den Breitensport sollen so sinken.
Präventionsarbeit an Schulen wird wichtiger
Jugendliche verbringen bis zu acht Stunden täglich auf TikTok – und der Algorithmus spült ihnen immer häufiger Inhalte aus der Manosphere aus. Unser Workshop-Leitfaden hilft Pädagogen und Eltern, Medienkompetenz gezielt zu fördern. Workshop-Leitfaden jetzt sichern
Angesichts der Risiken durch toxische Körperbilder rückt die Präventionsarbeit in den Fokus. Pädagogen führen verstärkt Workshops durch – wie an der Berliner Georg-Weerth-Schule durch die Organisation „Gesicht Zeigen!“. Ziel ist es, Schülern die Mechanismen hinter den TikTok-Trends zu verdeutlichen.
Maximilian Schneider, der solche Workshops leitet, betont: Toxische Männlichkeitsbilder und die algorithmische Selektion von Inhalten müssen kritisch hinterfragt werden. Teilnehmer wie der 17-jährige Levin berichten, dass die gezielte Auseinandersetzung hilft, die Glaubwürdigkeit hinter extremen Trends besser einzuordnen. Die pädagogische Arbeit setzt darauf, Medienkompetenz zu stärken – damit Jugendliche die gezeigten Ideale nicht ungefiltert als Handlungsanweisung übernehmen.
