Bore-out-Syndrom, Beschäftigten

Bore-out-Syndrom: 27% der Beschäftigten chronisch unterfordert

Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 08:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Chronische Unterforderung betrifft 27 Prozent der Beschäftigten, während KI-Angst und psychische Belastungen den Krankenstand auf Rekordniveau treiben.

Bore-out, KI-Angst und Rekord-Krankenstand: Die Arbeitswelt im Wandel
Eine Person sitzt lustlos an einem modernen Schreibtisch in einem leeren, minimalistischen Büro. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Unterforderung, KI-Angst und steigende Fehlzeiten: Die moderne Arbeitswelt steckt im Dilemma zwischen Langeweile und Überlastung. Rund 27 Prozent der Beschäftigten fühlen sich chronisch unterfordert – Tendenz steigend.

Wenn Langeweile zur Qual wird

Das Bore-out-Syndrom beschreibt eine psychische Störung durch chronische Unterforderung. Schon 2007 definierten Peter Werder und Philippe Rothlin das Konzept: Langeweile, fehlende Herausforderung und Desinteresse. Anders als beim Burn-out durch Überlastung leiden Betroffene hier unter einem Mangel an sinnvollen Aufgaben.

Die Folgen sind gravierend. Betroffene entwickeln Bewältigungsstrategien wie das bewusste Strecken von Aufgaben oder vorgetäuschtes Engagement. Langfristig drohen Depressionen, Antriebslosigkeit und körperliche Symptome wie Schlaflosigkeit oder Tinnitus.

KI: Fluch oder Segen?

Die Einführung von KI-Systemen verschärft die Debatte. Laut Bitkom gibt bereits 39 Prozent der Befragten an, dass KI ihnen Aufgaben abnehme. In IT, Administration und Büroorganisation liegt das Automatisierungspotenzial laut Analysen von Anthropic bei bis zu 90 Prozent.

Die Belegschaft reagiert gespalten. Während 27 Prozent auf Weiterbildung setzen, fürchtet jeder Dritte unter 30 Jahren den Jobverlust durch KI. Bei den 1965 bis 1980 Geborenen sind es nur 17 Prozent.

Qualität statt Quantität?

In der Praxis überwiegen oft Vorbehalte. Eine Umfrage unter 2.500 Wissensarbeitern zeigt: 74 Prozent wünschen sich die Arbeitswelt vor generativer KI zurück, 41 Prozent würden den Einsatz komplett beenden. Hauptkritikpunkt: minderwertige Ergebnisse. 45 Prozent bewerten die KI-Ausgaben als qualitativ schlecht, 39 Prozent investieren mehr Zeit in Korrekturen.

Die Folge: 42 Prozent berichten von verlangsamten Projekten, 49 Prozent sehen die Teameffizienz beeinträchtigt. Dennoch wünschen sich 67 Prozent grundsätzlich mehr KI-Einsatz – eine bemerkenswerte Ambivalenz zwischen Potenzial und Realität.

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Krankenstand auf Rekordniveau

Die KKH verzeichnet für 2025 einen deutlichen Anstieg psychischer Diagnosen: 119 Krankheitstage je 100 Versicherte entfielen auf Belastungsreaktionen – 2017 waren es noch 66. Mit 33.425 Fällen sind Belastungsreaktionen die häufigste psychische Diagnose und der dritthäufigste Grund für Krankschreibungen.

Doch nicht nur Unterforderung macht krank. In der Industrie nennen Beschäftigte vor allem Einsparungen (49 Prozent) und Personalabbau (48 Prozent) als Stressursachen.

Flexibilität als Ausweg?

Könnte mehr Homeoffice die Lösung sein? Eine Studie von Techniker Krankenkasse und Fraunhofer IAO zeigt: Bis zu 60 Prozent Homeoffice-Anteil steigern die Produktivität um etwa 20 Prozent. Darüber hinaus sinkt sie wieder. Die Stanford University bestätigt: Bereits zwei Homeoffice-Tage pro Woche erhöhen die Zufriedenheit und senken die Fluktuation.

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Doch Führungskräfte bleiben skeptisch – oft aus persönlichen Gründen. Analysen der Wharton School legen nahe, dass die Ablehnung von Remote-Arbeit weniger mit Produktivitätskennzahlen als mit individuellen Führungsstilen zusammenhängt. Und die erhoffte Vier-Tage-Woche durch KI? Branchenvertreter warnen: KI verändert primär die Art der Arbeit – nicht ihre Dauer.

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