Boss Scam: Trojaner stiehlt 220.000 Euro via gefÀlschter RBI-Dateien
Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 14:07 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine koordinierte Aktion gegen Malware-Operationen hat ĂŒber 10.000 Menschen vor digitalen BetrĂŒgern geschĂŒtzt. Die TĂ€ter nutzten gefĂ€lschte Behörden-Schreiben, um Unternehmen um Millionen zu bringen.
âBoss Scamâ: Wenn der Chef plötzlich Geld fordert
Die indische Cybercrime-Behörde I4C hat eine groĂ angelegte Malware-Kampagne zerschlagen, die sich gegen Unternehmen und Privatpersonen richtete. Die BetrĂŒger verschickten manipulierte Dateien, die als offizielle Schreiben der indischen Zentralbank oder des Wirtschaftsministeriums getarnt waren. Besonders perfide: Die Angreifer ĂŒbernahmen ĂŒber manipulierte WhatsApp-Sitzungen die IdentitĂ€t von FĂŒhrungskrĂ€ften und wiesen Mitarbeiter zu Geldtransfers an.
Die als âBoss Scamâ bekannte Masche verursachte zuletzt erhebliche SchĂ€den. In Mumbai verlor die Firma Oriental Foundry zwischen dem 4. und 5. August umgerechnet rund 220.000 Euro, nachdem ein BetrĂŒger einen Buchhalter per WhatsApp zur Ăberweisung aufgefordert hatte. Ein Ă€hnlicher Fall ereignete sich in Hyderabad, wo ein Unternehmen umgerechnet etwa 110.000 Euro verlor.
Trojaner tarnt sich als Behörden-Post
Die technische Umsetzung der Betrugsmasche ist ausgeklĂŒgelt. Die Angreifer verschickten ZIP-Dateien mit Namen wie âRBI.zipâ oder âStatement of Account.zipâ, die vorgeblich von der indischen Zentralbank stammten. Beim Ăffnen installierte sich ein Trojaner auf Windows-Systemen, der ĂŒber eine als DLL sideloading bekannte Technik die Kontrolle ĂŒber WhatsApp-Web-Sitzungen ĂŒbernahm. Betroffen waren Nutzer in mehreren Regionen, darunter Delhi, Gujarat, Maharashtra und Rajasthan.
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Die Behörden reagierten mit einer Geo-Blockade der Kommando-Server. Ăber 58.000 Menschen wurden in den letzten 30 Tagen per SMS gewarnt. Die indische Polizei rĂ€t Finanzverantwortlichen, Ăberweisungsaufforderungen grundsĂ€tzlich ĂŒber einen zweiten, nicht-digitalen Kanal zu verifizieren.
Internationale Dimension: Erpresser im groĂen Stil
Die VorfĂ€lle in Indien sind Teil einer weltweiten Welle von Cyberangriffen. Eine als UNC6671 bekannte Gruppe, die mit der Ransomware BlackFile in Verbindung steht, attackierte im Juni und Juli globale Finanzinstitute wie Blackstone, KKR und Apollo sowie Hedgefonds. Die TĂ€ter nutzten Voice-Phishing, um Zugangsdaten zu Microsoft-365- und Okta-Konten zu stehlen. In den ersten fĂŒnf Monaten des Jahres erbeutete die Gruppe umgerechnet rund 9,5 Millionen Euro in Bitcoin. Die Lösegeldforderungen lagen zwischen einer und drei Millionen Euro.
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Regierungen ziehen Konsequenzen
Die indische Regierung reagierte am Freitag mit der Anordnung, in allen Ministerien Schnelle Eingreiftruppen einzurichten. Diese sollen Fehlinformationen in sozialen Medien in Echtzeit erkennen und innerhalb von zwei Stunden offiziell darauf reagieren. Auch Malaysia verschÀrft den Kampf gegen illegale Online-Inhalte und CyberkriminalitÀt im Rahmen seines neuen Online-Sicherheitsgesetzes.
Die Ereignisse zeigen: CyberkriminalitĂ€t ist lĂ€ngst kein RandphĂ€nomen mehr, sondern eine ernsthafte Bedrohung fĂŒr die globale Wirtschaft. Unternehmen mĂŒssen ihre internen Prozesse hinterfragen â und Mitarbeiter sensibilisieren. Denn der beste Schutz gegen den âBoss Scamâ ist gesundes Misstrauen.
