Boston Dynamics eröffnet Atlas-Zentrum: 25.000 Roboter für Hyundai geplant
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 08:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Boston Dynamics hat am 21. September 2026 offiziell ein Trainingszentrum für den humanoiden Roboter Atlas im Metaplant der Hyundai Motor Group (HMGMA) nahe Savannah, Georgia, in Betrieb genommen. Das sogenannte Robotics Metaplant Application Center (RMAC) dient der Ausbildung der Roboter für den Einsatz in der Automobilproduktion und folgt auf einen seit Juni laufenden Pilotbetrieb.
In der ersten Phase des RMAC steht das Training von Logistikprozessen sowie die Sequenzierung von Autoteilen im Vordergrund. Dabei erlernen die Atlas-Systeme, Bauteile zu identifizieren, zu manipulieren und in der für die Montage erforderlichen Reihenfolge anzuordnen. Über die aktuelle Anzahl der im Zentrum operierenden Roboter machte Boston Dynamics keine Angaben.
Fahrplan für den industriellen Einsatz
Für den Einsatz des Atlas-Roboters im Werk in Georgia liegt ein mehrstufiger Zeitplan vor. Ab dem Jahr 2028 soll das System die Sortierung von Bauteilen übernehmen. Für das Jahr 2030 ist vorgesehen, dass Atlas Aufgaben in der Komponentenmontage ausführt. In späteren Phasen sollen zudem repetitive Tätigkeiten sowie das Heben schwerer Lasten in das Aufgabenprofil integriert werden.
Die technischen Spezifikationen des humanoiden Roboters umfassen eine Körperhöhe von etwa 1,9 Metern sowie eine maximale Arbeitsreichweite von 2,3 Metern. Das System ist darauf ausgelegt, Objekte mit einem Gewicht von bis zu circa 30 Kilogramm wiederholt zu heben.
Die Hyundai Motor Group plant eine massive Skalierung der Technologie. In den kommenden Jahren sollen weltweit 25.000 Atlas-Einheiten in den Werken von Hyundai und Kia zum Einsatz kommen. Um diesen Bedarf zu decken, plant der Konzern den Bau einer neuen Fabrik in den USA, die eine Kapazität von bis zu 30.000 Robotern pro Jahr erreichen soll.
Neue Software-Architektur und Effizienzgewinne
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Parallel zur Eröffnung des Trainingszentrums wurde eine neue Software-Architektur für Atlas vorgestellt. Diese basiert auf drei Säulen der Datenerhebung: Teleoperation, simulationsbasiertes bestärkendes Lernen (Reinforcement Learning) und menschliche Beobachtung. Eine Dual-Architektur aus „System 1“ und „System 2“ steuert dabei die Abläufe.
Nach Angaben von Boston Dynamics führt dieses Vorgehen zu erheblichen Effizienzsteigerungen. Ein einziger Simulationstrainingstag entspreche einem realen Trainingsjahr. Die Effizienz beim Training dynamischer Bewegungen steige um das 1000-Fache, während die Steuerungseffizienz von „System 1“ um 300 % verbessert wurde.
Zack Jackowski, Chief Product and Technology Officer bei Boston Dynamics, betonte, dass man gemeinsam mit der Hyundai Motor Group Pionierarbeit bei physischer Künstlicher Intelligenz im industriellen Maßstab leiste.
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Hyundai stellt dafür weltweit über 30 Fabriken als Testumgebung zur Verfügung. Dadurch habe sich die Iterationsgeschwindigkeit verdoppelt, während die Ausfallrate der Roboter auf unter 1 % gesunken sei, was deutlich unter dem Branchendurchschnitt von 5 % liege.
Wirtschaftliche Perspektiven und Kostenentwicklung
Das Deployment-Modell von Boston Dynamics setzt auf Cluster-Einsätze in Kombination mit einer Bezahlung pro ausgeführter Aufgabe. Für die Hyundai Motor Group resultiert daraus laut aktuellen Daten eine Senkung der Arbeitskosten im Werk um 30 %.
Im Vergleich zu traditioneller Automatisierung, die oft Planungszyklen von einem Jahr und Investitionen zwischen 500 Millionen und 1 Milliarde US-Dollar erfordert, senke das universell einsetzbare Robotermodell die Anfangsinvestitionen um 50 % und die Markteintrittsbarrieren um 70 %.
Auch die Produktionskosten für die Hardware sollen deutlich sinken. Während eine Atlas-Einheit aktuell noch 800.000 US-Dollar kostet, wird für den Zeitraum zwischen 2025 und 2027 ein Preis von 500.000 US-Dollar angestrebt.
Bis zum Jahr 2030 sollen die Kosten auf 300.000 US-Dollar fallen, bei einem prognostizierten Marktvolumen von über 10 Milliarden US-Dollar. Langfristig, im Zeitraum bis 2035, wird ein Preis von unter 150.000 US-Dollar pro Einheit avisiert.
Für das Jahr 2027 ist ein Umzug des RMAC in ein etwa zehnmal größeres Gebäude innerhalb des HMGMA-Komplexes geplant. Dort sollen künftig auch Anwendungen für andere Branchen wie die Luft- und Raumfahrt, die Halbleiterindustrie, Life Sciences sowie den Lebensmittel- und Getränkesektor erprobt werden. Das Unternehmen befindet sich hierzu bereits in Gesprächen mit globalen Kunden.
