Boston Dynamics Stretch Gen 2: Neuer Roboter schafft bis zu 1.000 Kisten
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 20:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deUnter der Leitung seines neuen Vorstandsvorsitzenden Rohit Prasad hat der Robotikhersteller Boston Dynamics die zweite Generation seines autonomen Logistikroboters Stretch vorgestellt. Prasad, der zuvor bei Amazon den Bereich für künstliche allgemeine Intelligenz hinter Alexa verantwortete, steht nun an der Spitze der Hyundai-Tochter.
Die Neuauflage der Entlademaschine für Frachtcontainer und Lkw-Trailer basiert auf den operativen Erfahrungen der ersten Modellreihe, die nach Unternehmensangaben mehr als 100.000 Betriebsstunden und viele Millionen entladene Kartons umfasst.
Höherer Durchsatz und optimierte Mechanik
Der Roboter erreicht mit einem sogenannten Multipick-Verfahren einen Spitzendurchsatz von bis zu 1.000 Kisten pro Stunde, wobei die tatsächliche Leistung von Faktoren wie dem Kartongewicht und dem Stapelmuster abhängt.
Gegenüber der ersten Generation, die typischerweise 600 bis 800 Einheiten pro Stunde verarbeitete und bei maximal 700 Kisten lag, entspricht dies einer Steigerung um bis zu 40 Prozent. Laut Herstellerangaben bewältigt das System ein Kartongewicht von bis zu 50 Pfund.
Die Hardware erhielt eine grundlegende Überarbeitung. Die Entwickler reduzierten die interne Verkabelung um 81 Prozent, was rund 800 Metern beziehungsweise einer halben Meile an Leitungen entspricht, und stellten das System auf Steckverbindungen aus der Automobilindustrie um.
Zudem verfügt die Maschine über durchgehend drehende Gelenke mit einem Bewegungsradius von über 360 Grad, überarbeitete Außenpaneele sowie einen tiefer versenkten Not-Aus-Schalter.
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Ein modifizierter Greifer arbeitet mit neuen Ventilen und einer präziseren Sensorik. Für den Einsatz in schlecht beleuchteten Trailern ist eine integrierte Beleuchtung verbaut, während das vorinstallierte Kamerasystem die meisten Pakete ohne vorherige Programmierung erfasst.
Wartungszeiten verkürzt und Softwareplattform erneuert
Um Standzeiten in Logistikzentren zu minimieren, wurde auch die Reparaturfreundlichkeit angepasst. Der Austausch eines Antriebsmoduls dauert nun etwa eine Stunde, während dafür zuvor ein voller Tag mit 24 Stunden veranschlagt werden musste.
Betriebsteams erhalten Zugriff auf eine integrierte Onboard-Diagnose, standardisierte Bauteile sowie spezifische Wartungzeuge. Die Batterieausstattung ist auf eine Einsatzdauer von zwei Arbeitsschichten ausgelegt und lässt sich in etwa 75 Minuten auf 90 Prozent aufladen.
Brian Donnelly, bei Boston Dynamics als Vizepräsident und Geschäftsführer für den Bereich Logistikrobotik tätig, erklärte, dass Kunden die Systeme für einen kontinuierlichen Frachtfluss einsetzen und Stillstände sofort zu Engpässen an den Laderampen führen.
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Die zweite Generation setze direkt an realen Ausfallursachen an, sei robuster konstruiert, unkomplizierter zu warten und entwickle sich auch nach der Inbetriebnahme weiter. Verantwortlich dafür ist eine neu konzipierte Rechenplattform an Bord, die drahtlose Software-Updates für die Objekterkennung, die Bewegungsplanung sowie die Greifstrategien ermöglicht.
Marktumfeld und Großaufträge in der Logistik
Boston Dynamics bezeichnet Stretch als Marktführer mit mehr Einsätzen als jeder Konkurrent, ohne dabei eine konkrete Gesamtzahl der aktiven Einheiten zu nennen. Das System befindet sich unter anderem bei Unternehmen wie Lidl, OTTO, Gap, H&M und dem Maersk Performance Team im Einsatz.
Als Erstkunde setzt DHL Supply Chain den Roboter bereits seit dem Marktstart im März 2022 ein. Die DHL Group hatte im Mai 2025 eine Absichtserklärung über den Erwerb von mehr als 1.000 zusätzlichen Einheiten unterzeichnet. Der Logistikkonzern meldete Entladeraten von bis zu 700 Kisten pro Stunde und investierte in den vorangegangenen drei Jahren über 1 Milliarde Euro in die Automatisierung seiner Kontraktlogistiksparte.
Genaue Preise, feste Liefertermine und Erstkunden für die zweite Modellgeneration nannte Boston Dynamics zunächst nicht. Ebenso bleibt unklar, ob für bestehende Flotten der ersten Generation ein nachträglicher Umrüstpfad angeboten wird.
