Botnetz-Markt, Residential

Botnetz-Markt explodiert: Residential Proxies erreichen 3 Mrd. Euro

23.06.2026 - 15:56:04 | boerse-global.de

Das Botnetz AryStinger kapert tausende veraltete D-Link-Router. Der Markt fĂŒr Wohn-Proxy-Netzwerke boomt durch KI-Datensammlung.

AryStinger Botnetz: Alte D-Link-GerÀte als Spionage-Netzwerk missbraucht
Botnetz-Markt - A glowing network of digital lines and nodes converging on an outdated router, symbolizing a botnet and cyberattacks. 23.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Ein neu entdecktes Botnetz hat weltweit tausende veraltete NetzwerkgerĂ€te infiziert – und der Markt fĂŒr solche Angriffs-Infrastruktur wĂ€chst rasant.

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AryStinger: Schleichende Übernahme alter Hardware

Das als AryStinger identifizierte Botnetz hat mindestens 4.300 GerĂ€te weltweit gekapert. Im Fokus stehen ausgemusterte D-Link-Router und NAS-Systeme, die lĂ€ngst keine Sicherheitsupdates mehr erhalten. Die Malware nutzt jahrealte SicherheitslĂŒcken aus, um die GerĂ€te in ein verdecktes Spionage- und Proxy-Netzwerk zu verwandeln.

Besonders betroffen sind die Modelle DIR-850L und DIR-818LW. Rund 75 Prozent aller infizierten GerĂ€te entfallen auf den DIR-850L. Die Angreifer nutzen gezielt bekannte Schwachstellen – darunter CVE-2013-3307, CVE-2016-5681 und die erst 2025 entdeckte LĂŒcke CVE-2025-11837.

Erste AktivitĂ€ten registrierten Sicherheitsforscher am 12. MĂ€rz 2026. Ein im Code verborgener SchlĂŒssel deutet jedoch darauf hin, dass die Operation bereits seit 2024 lĂ€uft. Anders als klassische DDoS-Botnetze arbeitet AryStinger leise: Es tunnelt Datenverkehr, scannt Ports und sammelt Subdomain-Informationen.

Die geografische Verteilung ist auffĂ€llig: SĂŒdkorea fĂŒhrt mit 48,45 Prozent der infizierten GerĂ€te, gefolgt von China mit 31,82 Prozent. Auch Schweden, Malaysia und Singapur sind betroffen.

Milliarden-Markt fĂŒr Wohn-Proxy-Netzwerke

Doch AryStinger ist nur die Spitze des Eisbergs. Ein aktueller Bericht von Nokia zeigt: Der Markt fĂŒr sogenannte Residential Proxies ist explodiert. Wurden hier vor wenigen Jahren noch unter 100 Millionen US-Dollar umgesetzt, liegt das Volumen heute zwischen zwei und drei Milliarden Euro.

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Haupttreiber ist die KI-Industrie. Unternehmen nutzen die Proxy-Netzwerke, um massenhaft Daten aus dem Web zu saugen und ihre Modelle zu trainieren. Die Folge: Die Zahl tĂ€glich verfĂŒgbarer DDoS-Endpunkte stieg von rund einer Million auf acht bis neun Millionen.

Ältere Bedrohungen fragmentieren sich dabei. Das Kimwolf-Botnetz etwa zerfiel in ĂŒber 20 konkurrierende Netzwerke. Die USA bleiben mit 75 Prozent des Residential-Proxy-DDoS-Traffics die grĂ¶ĂŸte Quelle fĂŒr Angriffsvolumen.

Gegenmaßnahmen: Von GerĂ€te-Tausch bis Geheimdienst-Einsatz

Das TĂŒckische an diesen Netzwerken: Infizierte GerĂ€te funktionieren meist normal weiter. FĂŒr den durchschnittlichen Nutzer ist der Befall kaum erkennbar. Sicherheitsexperten raten daher dringend, alte D-Link-Hardware zu ersetzen – Firmware-Updates gibt es fĂŒr die ausgemusterten Modelle nicht mehr.

Auch staatliche Stellen schalten sich ein. In einem bemerkenswerten Schritt nutzte der kanadische Geheimdienst CSIS Mitte Juni erstmals eine neuartige Gefahrenabwehr-Anordnung. Das juristische Instrument erlaubte es, zwei auslĂ€ndische Botnetze aktiv zu neutralisieren – durch direkten Zugriff auf infizierte Server und IoT-GerĂ€te auf kanadischem Boden.

Branchenexperten fordern zudem schÀrfere Filterung von Kommando- und Kontroll-Kommunikation. Effektive Ausgangsfilter könnten den globalen DDoS-Verkehr um mehrere Terabit pro Sekunde reduzieren.

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