Brasiliens, RENISUS-Liste

Brasiliens RENISUS-Liste: Nur fünf von 71 Heilpflanzen mit Humandaten

Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 14:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Übersichtsarbeit findet bei fünf gelisteten Pflanzen klinische Daten; die meisten Untersuchungen beruhen auf Laborversuchen und Tiermodellen.
Nahaufnahme von tropischer Vegetation und Heilpflanzen in einem brasilianischen Naturraum bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die offizielle Liste brasilianischer Heilpflanzen des staatlichen Gesundheitssystems SUS, bekannt als RENISUS-Liste, umfasst insgesamt 71 Heilpflanzen. Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Mai 2026 verdeutlicht nun jedoch, dass die behördliche Einstufung weit über die tatsächlich vorhandene klinische Evidenz hinausgeht.

Wie aus einem Bericht der Plattform scienmag.com vom 25. Oktober 2026 hervorgeht, screeneten Forschende für die Erhebung insgesamt 12.450 Datensätze. Davon erfüllten lediglich 753 Artikel die Kriterien für einen Einschluss in die Analyse.

Auffällig ist dabei die geringe Zahl an Untersuchungen am Menschen: Lediglich 34 Publikationen, was einem Anteil von 4,5 Prozent entspricht, befassten sich mit Humanstudien. Den überwiegenden Teil machten Laborversuche mit 60,2 Prozent sowie Tiermodelle mit 35,3 Prozent aus.

Insgesamt wiesen von den 71 verzeichneten Arten überhaupt nur fünf Pflanzen der RENISUS-Liste dokumentierte klinische Daten aus Humanstudien auf: Ananas (Ananas comosus), Cashew (Anacardium occidentale), Bidens pilosa, Copaifera langsdorffii sowie Pau d'arco (Handroanthus impetiginosus).

Evidenz zu Ananas und Cashew

Für die Ananas (Ananas comosus) wurden mehrere spezifische klinische Untersuchungen dokumentiert. In einer randomisierten Doppelblind-Studie mit 60 Frauen nach einer Episiotomie verringerte die Gabe von 500 mg oralem Bromelain alle 8 Stunden den Damm-Schmerz und beschleunigte die Wundheilung.

Eine weitere Untersuchung an 100 Müttern zeigte, dass der tägliche Konsum von 200 ml Frischsaft zu einer schnelleren Uterusinvolution beitrug. Demgegenüber ergab eine Studie mit 50 Kindern, dass ein Honig-Bromelain-Sirup keinen messbaren Nutzen bei Reizhusten entfaltete.

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Bei der Cashew (Anacardium occidentale) existieren zwei separate klinische Arbeiten. Eine randomisierte Studie mit 40 mangelernährten Kindern dokumentierte einen verbesserten Ernährungsstatus sowie positive Effekte auf HbA1c und Lipidwerte. Zudem erbrachte eine Phase-II-Studie mit 30 Teilnehmenden Hinweise auf einen Rückgang von Entzündungssymptomen bei Läsionen des Handgelenks.

Resultate zu Bidens pilosa, Copaifera langsdorffii und Pau d'arco

Zu Bidens pilosa ergab eine sogenannte Triple-blind-Studie mit 120 Erkrankten, die ein als FITOPROT bezeichnetes Gel mit Curcuminoiden anwendeten, eine geringere Schwere der Mukositis ab dem 15. Behandlungstag. Eine ergänzende Phase-I-Studie mit 20 Probanden wies jedoch auch Nebenwirkungen aus: Bei 7 Teilnehmenden trat eine vorübergehende Pigmentierung auf, während 4 Personen über Zahnempfindlichkeit klagten.

Die Datenlage zu Copaifera langsdorffii stützt sich unter anderem auf eine Fallserie von 6 Patienten, in der eine beschleunigte Wundheilung beobachtet wurde. Allerdings verzeichnete die Übersichtsarbeit auch einen Fallbericht über Leberschädigungen (Hepatotoxizität), die bei einer gemeinsamen Einnahme mit Hypericum perforatum auftraten.

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Für Pau d'arco (Handroanthus impetiginosus) liegt schließlich eine offene, einarmige Studie mit 12 Erwachsenen vor. In diesem kleinen Kollektiv verzeichneten die Forschenden eine Verringerung von Beschwerden bei Regelschmerzen (Dysmenorrhoe).

Insgesamt unterstreichen die Zahlen der Übersichtsarbeit, dass ein Großteil der staatlich gelisteten Arzneipflanzen bislang primär auf präklinischen Labortests basiert und der Nachweis im klinischen Alltag noch sehr begrenzt ist.

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