Braunes, Fett

Braunes Fett: Basler Forscher stellen Aktivierungs-Theorie infrage

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 15:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Basler Forschende zeigen: Fenoterol erhöhte den Energieumsatz, aktivierte aber nicht das braune Fett. Andere Gewebe rĂŒcken in den Fokus.

Basler Studie stellt Rolle braunen Fetts beim Energieverbrauch infrage
Ein modernes medizinisches Labor mit einem PET-CT-GerÀt in einer klinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Im Bereich der Adipositasforschung gilt die gezielte Aktivierung von braunem Fettgewebe seit Jahren als potenzieller Ansatzpunkt, um den Kalorienverbrauch des Körpers zu steigern.

Neuere Untersuchungen der UniversitĂ€t Basel und des UniversitĂ€tsspitals Basel werfen nun jedoch grundlegende Fragen dazu auf, welche Mechanismen und Organe tatsĂ€chlich fĂŒr den zusĂ€tzlichen Energieverbrauch verantwortlich sind.

Die Forschungsgruppe um Matthias Betz weist darauf hin, dass bisher unklar bleibt, welche Gewebe den gemessenen Mehrverbrauch bei bestimmten medikamentösen Stimulationen verursachen. Denkbar sei hierbei die Beteiligung von Skelettmuskeln oder weißem Fettgewebe. Zudem könnten mehrere unterschiedliche Rezeptoren und Signale gleichzeitig erforderlich sein, um braunes Fett vollstĂ€ndig zu aktivieren.

Differenzierte Mechanismen bei KĂ€lte und Wirkstoffen

Ausgangspunkt der aktuellen Analysen ist eine im Fachjournal Cell Metabolism publizierte Untersuchung der Autorengruppe um FĂŒchtbauer vom 21. September 2026, die an elf gesunden Freiwilligen durchgefĂŒhrt wurde. Dabei untersuchten die Fachleute, ob sich braunes Fettgewebe medikamentös statt durch Ă€ußere KĂ€ltereize stimulieren lĂ€sst. Das braune Fettgewebe, dessen Vorhandensein bei erwachsenen Menschen erst im Jahr 2009 nachgewiesen werden konnte, schĂŒttet bei KĂ€lte Energie in Form von WĂ€rme aus.

Mittels PET/CT-Untersuchungen wurde bei den Probanden die Glukoseaufnahme im Gewebe erfasst. Sowohl eine KĂ€lteexposition als auch der Beta-2-Rezeptor-Agonist Fenoterol fĂŒhrten im Versuch zu einer messbaren Erhöhung des Energieverbrauchs.

Allerdings zeigte sich ein deutlicher Unterschied in den Zielgeweben: WÀhrend KÀlte das braune Fettgewebe nachweislich stimulierte und dort eine signifikant höhere Glukoseaufnahme im PET/CT hervorrief, blieb diese Aktivierung unter dem Wirkstoff Fenoterol aus.

Betz betonte hierzu, dass ein Anstieg des gesamten Energieverbrauchs keineswegs automatisch auf die Aktivierung von braunem Fettgewebe schließen lasse.

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Rolle anderer Gewebe und komplexe Signalketten

Die neuen Beobachtungen rĂŒcken nun alternative Stoffwechselwege in den Mittelpunkt. Da der Wirkstoff Fenoterol zwar den Kalorienverbrauch anhob, das braune Fettgewebe jedoch inaktiv blieb, suchen die Forscher nach den eigentlichen Verursachern dieses Effekts.

Im GesprĂ€ch erlĂ€uterte Betz, dass eine alleinige Beta-2-Stimulation fĂŒr die Aktivierung des braunen Fetts offenkundig nicht genĂŒge. Als Auslöser des gesteigerten Energieumsatzes kĂ€men andere Gewebe wie die Skelettmuskulatur oder das weiße Fettgewebe in Betracht, ebenso wie VorgĂ€nge innerhalb des Lipidzyklus.

Daraus ergibt sich fĂŒr die Fachwelt die Erkenntnis, dass das Zusammenspiel mehrerer Rezeptoren notwendig sein könnte, um das thermogene Potenzial des braunen Fettes gezielt pharmakologisch abzurufen. Ein einzelner Signalweg scheint nicht auszureichen, um dieselbe metabolische Reaktion wie ein KĂ€ltereiz hervorzurufen.

Grenzen bisheriger Therapien und kĂŒnftige AnsĂ€tze

Die Suche nach Wegen zur Aktivierung des Energieverbrauchs ist vor allem vor dem Hintergrund bestehender Abnehmmedikamente von klinischer Relevanz. Derzeitige PrĂ€parate zur Gewichtsreduktion senken das Körpergewicht Betroffener typischerweise um 15 bis 20 Prozent. Nach dieser Phase setzt jedoch regelmĂ€ĂŸig ein Plateau ein, weil der menschliche Körper als Gegenreaktion seinen Energieverbrauch drosselt.

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Das ĂŒbergeordnete Ziel der weiteren pharmakologischen Forschung besteht daher darin, Therapien zu entwickeln, die eine Appetitsuppression mit einer wirksamen Steigerung des Energieverbrauchs kombinieren. Die KlĂ€rung, welche Signalkaskaden und Gewebe außerhalb des braunen Fetts bei einer Rezeptorstimulation anspringen, bildet dafĂŒr eine notwendige Grundlage.

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