Bundeshaushalt 2027: 34-Milliarden-Lücke durch Rücklagen und Steuererhöhungen
04.07.2026 - 20:40:08 | boerse-global.de
Um eine Deckungslücke von rund 34 Milliarden Euro zu schließen, greift er tief in die Trickkiste: Rücklagen werden geplündert, Sozialkassen angezapft und Genussmittel teurer. Die Gesamtausgaben steigen auf 555,4 Milliarden Euro – sechs Prozent mehr als im Vorjahr und deutlich über den ursprünglichen Eckwerten vom April.
Rekord bei der Neuverschuldung
Die Nettokreditaufnahme für 2027 liegt bei 118,7 Milliarden Euro, ebenfalls eine Korrektur nach oben. Insgesamt soll die Neuverschuldung die Marke von 200 Milliarden Euro überschreiten. Haupttreiber sind die massiv aufgestockten Mittel für die Bundeswehr und explodierende Zinsausgaben. Die Zinskosten werden für 2027 auf 41,9 Milliarden Euro geschätzt – und sollen bis 2030 auf 80,7 Milliarden Euro steigen.
Die Ressorts müssen trotzdem sparen: Vier Milliarden Euro sollen sie insgesamt einbringen. Ob das reicht, ist fraglich.
Rücklagen schmelzen dahin
Der „Notgroschen" des Bundes schrumpft weiter. Aus der allgemeinen Rücklage fließen 6,8 Milliarden Euro in den Haushalt, übrig bleiben rund 3,9 Milliarden Euro. Auch die Sozialkassen müssen ran: Zwei Milliarden kommen aus dem Gesundheitsbereich, eine Milliarde aus der Rentenversicherung. Die Bundesagentur für Arbeit gibt ein Darlehen von 5,2 Milliarden Euro.
Klimafonds blutet
Besonders umstritten: Der Klima- und Transformationsfonds (KTF) wird jährlich um zwei bis drei Milliarden Euro gekürzt. Konkret fließen 2,7 Milliarden Euro aus den Einnahmen des Emissionshandels direkt in den Kernhaushalt. Das trifft unter anderem die Heizungsförderung – hier ist eine soziale Staffelung geplant, die maximale Förderung bleibt bei 70 Prozent oder 21.000 Euro gedeckelt. Innerhalb der Koalition sorgt das vor allem bei den Grünen für Kritik.
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Tabak und Alkohol werden teurer
Die Einnahmenseite wird kräftig nachjustiert. Geplant sind Erhöhungen bei der Plastikabgabe und der Besteuerung von Kryptowährungen. Besonders heftig: Tabak und Alkohol sollen bis zu 20 Prozent teurer werden. Für 2028 bereitet das Ministerium zudem die Einführung einer Zuckersteuer vor.
Auf der Ausgabenseite wird beim Elterngeld um rund 500 Millionen Euro gekürzt, beim Wohngeld sind es 400 Millionen Euro. Experten warnen zudem, dass externe Faktoren wie der Krieg im Iran die Wachstumserwartungen dämpfen und die Steuereinnahmen unter Druck setzen.
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Milliardenlöcher in den Folgejahren
Trotz der akrobatischen Finanzierung für 2027 bleiben die Folgejahre ein Risiko. Die interne Planung weist für 2028 eine Lücke von 22 Milliarden Euro aus, die bis 2030 auf 47 Milliarden Euro anwachsen könnte. Die Investitionen sind für 2027 mit 117,5 Milliarden Euro veranschlagt, müssen aber zunehmend gegen die steigende Zinslast konkurrieren.
Auch europäische Nachbarn kämpfen mit dem Defizit. In Österreich hat der Budgetausschuss unter Finanzminister Marterbauer im Juli ein Doppelbudget für 2027/28 gebilligt. Ziel: Das Defizit bis 2028 dauerhaft unter die Drei-Prozent-Marke drücken.
Der Kabinettsbeschluss zum deutschen Haushaletsentwurf ist für den 7. Juli vorgesehen. Dann beginnt die parlamentarische Beratung – und der Streit um die Details der Steuererhöhungen und KTF-Kürzungen.
