Bundesweit einzigartiges Forschungsprojekt / Was Waldboden mit Kindergesundheit zu tun hat
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 11:13 Uhr | presseportal, AD HOC NEWSBillionen Viren, Pilze und Bakterien besiedeln unseren Körper: Gemeinsam bilden sie das Mikrobiom. "Das sind keinesfalls immer krankmachende Keime. Sie helfen sogar dabei, die Immunabwehr zu unterstĂŒtzen", erklĂ€rt der wissenschaftliche Leiter der Studie, Univ.-Prof. Dr. Eckard Hamelmann, Direktor der UniversitĂ€tsklinik fĂŒr Kinder- und Jugendmedizin am EvKB. Das Mikrobiom wird besonders in den frĂŒhen Lebensjahren geprĂ€gt. Der Zusammenhang: Durch das 'Kennenlernen' von Mikroorganismen kann das Immunsystem lernen, gefĂ€hrliche Krankheitserreger von harmlosen Allergenen zu unterscheiden.
In dem groĂ angelegten Forschungsprojekt des UniversitĂ€tsklinikums OWL der UniversitĂ€t Bielefeld werden in den kommenden Jahren rund 1.000 Neugeborene und ihre Familien aus der Region Ostwestfalen-Lippe begleitet. ZunĂ€chst analysieren die Forschenden die EinflĂŒsse von Erbgut, Schwangerschaft und Geburt, Stress und Belastung, Umwelt, Familie, Haustieren, Lebensstil und Medikamenten auf das Mikrobiom der Kinder in den ersten sechs Lebensjahren.
Millionenförderung vom Bund
Innerhalb dieser Langzeituntersuchung untersucht das Team jetzt in einer vom Bundes-Forschungsministerium mit rund zwei Millionen Euro geförderten Teilstudie den Kontakt mit der Natur: "Wir gehen davon aus, dass Kontakte mit natĂŒrlichen Mikroorganismen in den ersten Lebensjahren die Entwicklung des Immunsystems positiv beeinflussen können. Die ENDEMIC-Studie untersucht, ob und in welchem AusmaĂ dadurch das Risiko fĂŒr Erkrankungen wie Allergien, Asthma oder ADHS verĂ€ndert wird", erlĂ€utert die Forschungsleiterin Dr. Patricia Maasjosthusmann. Vor dem Hintergrund steigender Zahlen bei chronischen Erkrankungen wĂ€ren das wertvolle Forschungsergebnisse.
Von Bodenproben bis Waldspielgruppe
Im ersten Teil von ENDEMIC erfassen die Forschenden die biologische Vielfalt im Lebensumfeld der Kinder. "Wir haben 200 teilnehmende Familien befragt, wo und wie die Kinder spielen, ob sie im Sandkasten oder in der Erde buddeln. Wir haben zum Beispiel geschaut, welche Pflanzen und BĂ€ume in GĂ€rten oder angrenzenden GrĂŒnflĂ€chen vorkommen, haben Bodenproben genommen und Kartenmaterial ausgewertet", erklĂ€rt Dr. Maasjosthusmann.
FĂŒr den zweiten Teil der Studie kommt die Waldspielgruppe ins Spiel. 23 zufĂ€llig zugeteilte Familien gehen von April bis Oktober wöchentlich eine Stunde gemeinsam in den Wald. Weitere rund 20 Familien bilden die Kontrollgruppe. Betreut wird die Waldspielgruppe vom Bielefelder Verein Natursinn. Petra Micke berichtet von Kindern, die es genossen, mit Erde und aufgefangenem Regenwasser zu matschen. "Wir helfen gern dabei zu belegen, dass es so eine Vielfalt wie in der Natur sonst nirgends gibt", erklĂ€rt VereinsmitbegrĂŒnderin Sandra Thyke.
Ergebnisse 2027 erwartet
Die Entwicklung des Mikrobioms wird regelmĂ€Ăig durch Abstriche und Proben untersucht. Erste Ergebnisse werden 2027 erwartet. Das Forschungsteam hofft, daraus einfach umsetzbare RatschlĂ€ge fĂŒr Eltern abzuleiten. Denkbar sind auch Impulse fĂŒr die Stadt- und Landschaftsplanung, etwa SpielplĂ€tze, die mehr Kontakt zu mikroorganismenreicher Erde bieten. Auch neue therapeutische AnsĂ€tze könnten entstehen, die das Mikrobiom gezielt unterstĂŒtzen.
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