Burn-out-Epidemie, FĂ€lle

Burn-out-Epidemie: FĂ€lle je 1.000 Versicherte von 1 auf 7,7 gestiegen

14.06.2026 - 21:32:47 | boerse-global.de

Dialogmarketing und Pflegeberufe verzeichnen die höchsten psychisch bedingten Fehlzeiten. FĂŒhrungskrĂ€fte sind besonders von Burn-out betroffen.

Psychische Erkrankungen: Fehlzeiten steigen rasant an
Burn-out-Epidemie - Eine Gruppe von Personen in verschiedenen Berufsfeldern, die nachdenklich oder gestresst wirken, symbolisiert psychische Belastung am Arbeitsplatz. 14.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Besonders betroffen: BeschÀftigte im Dialogmarketing und in Pflegeberufen. Eine aktuelle Analyse zeigt die erschreckenden Zahlen.

Dialogmarketing fĂŒhrt die Statistik an

Mit 37,2 FÀllen je 100 AOK-Mitglieder liegen BeschÀftigte im Dialogmarketing 2023 an der Spitze der psychisch bedingten ArbeitsunfÀhigkeitsfÀlle. Die Daten wurden im Oktober 2024 veröffentlicht.

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Dahinter folgen soziale und pflegerische Berufe. Die Altenpflege verzeichnet 25,1 FĂ€lle, die Haus- und Familienpflege 24,8. Auch Heilerziehungspflege (22,9) und Kinderbetreuung (21,3) liegen weit ĂŒber dem Durchschnitt.

Im medizinischen Bereich zeigen Ergotherapie (21 FÀlle) und Gesundheits- und Krankenpflege (20,6) eine Àhnliche Belastung. Selbst im Bekleidungsverkauf (20,1) und der Sozialverwaltung (19,6) bleiben die Zahlen hoch.

Burn-out trifft vor allem FĂŒhrungskrĂ€fte

Bei den Burn-out-Fehltagen zeigt sich ein klares Bild: FĂŒhrungskrĂ€fte in der Gesundheits- und Krankenpflege liegen mit 607,1 AU-Tagen je 1.000 Mitglieder an der Spitze. Das Dialogmarketing folgt mit 441,7 Tagen, FĂŒhrungskrĂ€fte im Verkauf kommen auf 362 Tage.

Der langfristige Trend ist alarmierend. 2005 gab es nur einen dokumentierten Burn-out-Fall je 1.000 Mitglieder. 2023 waren es bereits 7,7 FĂ€lle.

Neben Pflege und Marketing sind auch Sozialverwaltung, Möbelverkauf und Sozialarbeit ĂŒberproportional betroffen.

Versorgungssystem unter Druck

Die steigenden Belastungen treffen auf ein Gesundheitssystem mit finanziellen EinschrĂ€nkungen. Seit dem 1. April 2026 gilt fĂŒr Psychotherapeuten eine HonorarkĂŒrzung von 4,5 Prozent. Eine weitere Deckelung der Leistungen soll noch vor der Sommerpause 2026 gesetzlich fixiert werden.

Therapeuten warnen vor gefÀhrdeten Praxisexistenzen und weniger TherapieplÀtzen.

Der Kontrast zu den allgemeinen Gesundheitsausgaben ist frappierend: Mit 5.414 Euro pro Kopf liegt Deutschland im EU-Vergleich an der Spitze. Die Lebenserwartung von 81,5 Jahren rangiert dagegen nur im unteren Mittelfeld.

Arbeitsmarkt in der ZwickmĂŒhle

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Die hohen psychisch bedingten AusfĂ€lle verschĂ€rfen die ohnehin angespannte Lage. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rechnet bis 2036 mit einer ArbeitskrĂ€ftelĂŒcke von 4,3 Millionen Personen. 2024 fehlten bereits knapp 3 Millionen ArbeitskrĂ€fte.

Das Erwerbspersonenpotenzial soll von 55 Millionen (2025) auf 51,2 Millionen (2036) sinken. Neben der Demografie bremst die aktuelle WirtschaftsschwÀche die Zuwanderung.

Gleichzeitig steigt der Druck auf die Sozialsysteme. Vertreter der Rentenversicherung warnen fĂŒr 2027 vor steigenden BeitragssĂ€tzen – sollten die angekĂŒndigten KĂŒrzungen der BundeszuschĂŒsse umgesetzt werden.

de | wissenschaft | 69540684 |