Burnout, Arbeitsplatz

Burnout am Arbeitsplatz: EU-Parlament fordert verbindliche Regeln gegen Stress

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 22:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Mehrheit der Abgeordneten verlangt EU-weite Schutzmaßnahmen; die Kommission soll binnen drei Monaten Stellung nehmen.

EU-Parlament fordert verbindliche Regeln gegen Stress und Burnout im Job
Ein leerer, modern gestalteter Büroraum mit neutralen Stühlen und Schreibtischen bei Dämmerung. Illustration mit AI erstellt.

Das Europäische Parlament drängt auf verbindliche Regeln gegen arbeitsbedingten Stress, Burnout und psychosoziale Belastungen am Arbeitsplatz. Wie aus Berichten vom 6. Oktober 2026 hervorgeht, verabschiedete das Plenum einen entsprechenden legislativen Initiativbericht mit 413 Ja-Stimmen bei 210 Gegenstimmen und 29 Enthaltungen.

Berichterstatterin Estelle Ceulemans betonte die Dringlichkeit der Initiative und mahnte, Europa müsse sich von einer Entwicklung hin zu einer Burnout-Gesellschaft abwenden.

Kernforderungen: Berufskrankheiten und Recht auf Abschalten

Im Zentrum der parlamentarischen Initiative steht die Forderung, Burnout und arbeitsbedingte psychosoziale Risiken unionsweit als offizielle Berufskrankheiten anzuerkennen. Die Abgeordneten sprechen sich zudem für eine Umkehr der Beweislast bei derartigen Erkrankungen aus.

Arbeitgeber sollen zu umfassenden Maßnahmen verpflichtet werden, um die physische und psychische Gesundheit ihrer Belegschaft zu schützen. Vorgesehen sind unter anderem regelmäßige psychosoziale Risikobewertungen, konkrete Aktionspläne sowie ein entschiedeneres Vorgehen gegen Gewalt, Belästigung, Mobbing und Diskriminierung am Arbeitsplatz.

Darüber hinaus fordert das Parlament ein klares Recht auf Nichterreichbarkeit und das Abschalten digitaler Geräte nach Arbeitsende. Telearbeit solle weiterhin auf freiwilliger Basis beruhen.

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Bei organisatorischen Umstrukturierungen, dem Einsatz von Fernarbeit oder der Nutzung algorithmischer Steuerungssysteme verlangt der Beschluss verpflichtende vorherige Risikoprüfungen sowie eine durchgehende menschliche Aufsicht. Ebenso dringt das Parlament auf eine begleitete Rückkehr an den Arbeitsplatz nach langen Krankheitsphasen sowie auf die Stärkung nationaler Arbeitsinspektionen.

Datenlage verdeutlicht Belastungen der Erwerbstätigen

Die parlamentarische Initiative beruft sich auf Erhebungen der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA). Demnach erlebten im Jahr 2025 rund 29 Prozent der Beschäftigten in der Europäischen Union arbeitsbedingten oder verschlimmerten Stress, Depressionen oder Angstzustände.

In der Altersgruppe der 25- bis 39-Jährigen lag dieser Wert bei 32 Prozent. Laut dem Bericht sterben jährlich mehr als 840.000 Menschen an gesundheitlichen Problemen, die auf psychosoziale Risiken zurückzuführen sind.

Auch Daten auf nationaler Ebene spiegeln den Handlungsbedarf wider: In Belgien verzeichnete das Landesinstitut für Kranken- und Invalidenversicherung (LIKIV) mehr als 155.000 Arbeitnehmer, die an Burnout oder Depressionen leiden, was einem Anstieg um ein Drittel seit dem Jahr 2021 entspricht. Wie in den meisten EU-Mitgliedstaaten gelten derartige Leiden in Belgien bislang lediglich als arbeitsbedingt, nicht aber als anerkannte Berufskrankheit.

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Politische Debatte und weiteres Gesetzgebungsverfahren

Gegen den Bericht stimmten unter anderem rechtspopulistische Gruppen wie Patriots for Europe. Die Abgeordnete Margarita de la Pisa Carrión forderte in der Debatte einen Ausgleich zwischen dem Schutz der Arbeitnehmer und den Rechten der Arbeitgeber ein.

Nach der Verabschiedung der Entschließung hat die Europäische Kommission nun drei Monate Zeit für eine offizielle Stellungnahme und soll Gesetzesvorschläge vorlegen. Die Behörde prüft nach Abschluss der zweiten Konsultationsphase der Sozialpartner psychosoziale Risiken, sexuelle Belästigung, das Recht auf Abschalten sowie algorithmische Steuerung im Zuge des für den weiteren Verlauf des Jahres 2026 geplanten Arbeitsschutzpakets Quality Jobs Act.

Kommissionsvizepräsidentin Roxana Mînzatu verwies darauf, dass fast jeder dritte Beschäftigte unter arbeitsbedingtem Stress, Angstzuständen oder Depressionen leide und 44 Prozent über starken Druck oder Arbeitsüberlastung klagten; eine Zusage für eine separate Richtlinie zu psychosozialen Risiken gab die Kommission jedoch nicht ab. Flankierend dazu startet die EU-OSHA am 13. Oktober 2026 eine Informationskampagne für mentale Gesundheit am Arbeitsplatz.

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