Burnout bei Apothekern: 65,4 Prozent der Befragten in Douala betroffen
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 20:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Arbeitsbelastung im pharmazeutischen Sektor führt bei einem erheblichen Teil des Personals zu ernsten Erschöpfungszuständen. Eine im Fachjournal BMC Public Health veröffentlichte Querschnittsstudie verdeutlicht das Ausmaß dieser Entwicklung am Beispiel der kamerunischen Metropole Douala.
Bei einer Erhebung unter 136 Apothekern, die im Zeitraum von Dezember 2023 bis Februar 2024 befragt wurden, wiesen 89 Teilnehmende – was einem Anteil von 65,4 % entspricht – Anzeichen von Burnout auf. Eine Differenzierung der Betroffenen zeigte, dass bei 82,0 % ein leichter, bei 7,9 % ein mittlerer und bei 10,1 % ein schwerer Erschöpfungsgrad vorlag.
Faktoren und Schutzmechanismen im Apothekenalltag
Die Erhebung in Douala lieferte detaillierte Einblicke in die psychologische Verfassung der Beschäftigten. So berichteten 70 Fachkräfte (51,5 %) über eine niedrige Selbstwirksamkeit.
Eine hohe emotionale Erschöpfung stellten die Autoren bei 28 Personen (20,6 %) fest, während 19 Apotheker (14,0 %) von einer hohen Depersonalisierung betroffen waren. Zudem litten 96 Befragte (70,6 %) unter schlechtem Schlaf.
Hinsichtlich der körperlichen Aktivität wiesen 90 Personen (66,2 %) ein mittleres Niveau auf; jeweils 23 Teilnehmende (16,9 %) ordneten sich in die Kategorien mit niedriger oder hoher Aktivität ein. Als wesentlicher Schutzfaktor erwies sich die arbeitsfreie Zeit: 103 Fachkräfte (75,7 %) hatten Jahresurlaub genommen. Die Inanspruchnahme von Erholungsurlaub senkte das Burnout-Risiko der Untersuchung zufolge signifikant.
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Parallele Befunde aus Zentralasien
Ähnlich gelagerte Probleme dokumentiert die erste multiregionale Studie zur Berufsgruppe in Kasachstan, die in der Zeitschrift Pharmacia erschien. Anhand einer Online-Umfrage, die von Januar bis April 2025 unter 385 Apothekern, Assistenten und Managern aus allen 17 Regionen sowie drei Großstädten durchgeführt wurde, zeigten sich drastische Belastungswerte: 68,8 % litten unter hoher emotionaler Erschöpfung, 81,6 % unter hoher Depersonalisierung und 54,3 % unter einer verminderten Leistungsfähigkeit. Der Burnout-Index lag im Median bei 0,56 und überschritt damit die kritische Schwelle von 0,40 deutlich.
Die kasachische Stichprobe bestand zu großen Teilen aus jüngeren Arbeitskräften: 274 Beschäftigte (71,2 %) waren unter 25 Jahre alt, 180 Personen (46,8 %) verfügten über weniger als ein Jahr Berufserfahrung. Männliche Beschäftigte wiesen dabei eine höhere Depersonalisierung auf.
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Internationale Vergleiche und Systembelastung
Die psychische Belastung im Apothekenwesen fügt sich in ein breiteres internationales Muster ein. Daten des niederländischen Statistikamts CBS zeigen beispielsweise, dass Apothekersassistenten mit einem Anteil von 51 % die höchste Quote an stressvoller Arbeit im Berufsvergleich aufweisen – noch vor Grundschullehrern und Praxismitarbeitern.
Beschäftigte mit stressvoller Arbeit erwarteten zudem häufiger eine Zunahme mentaler Belastungen, und fast die Hälfte von ihnen stufte bestehende Gegenmaßnahmen als unzureichend ein.
Auch in anderen Bereichen der medizinischen Versorgung sowie in der Forschung treten strukturelle Belastungsgrenzen zutage. Globale Erhebungen bei Medizinforschern sowie Analysen ärztlicher Berufsgruppen unterstreichen, dass hohe Arbeitsanforderungen und fehlende Ressourcen das Erschöpfungsrisiko weltweit auf einem hohen Niveau halten.
Für die pharmazeutische Praxis verdeutlichen die aktuellen Daten, dass geregelte Erholungszeiten und innerbetriebliche Schutzkonzepte unverzichtbar sind, um dem Berufsverschleiß wirksam zu begegnen.
