Burnout bei AssistenzÀrzten: Coimbra erprobt die App ZENU zur PrÀvention
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 14:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie psychische Belastung im Rahmen der medizinischen Weiterbildung gilt im Gesundheitssektor seit Jahren als strukturelle Herausforderung. Vor diesem Hintergrund rĂŒcken zunehmend digitale Werkzeuge in den Fokus, die prĂ€ventiv und begleitend im anspruchsvollen Arbeitsalltag ansetzen.
An der portugiesischen UniversitĂ€t Coimbra widmet sich das Projekt RESOUT dieser Thematik und erprobt eine Smartphone-Applikation namens ZENU, um Belastungen frĂŒhzeitig zu erkennen und abzufedern.
Hohe Belastung im medizinischen Vorbereitungsdienst
Der Ăbergang vom Studium in die klinische Praxis stellt fĂŒr angehende Mediziner eine Phase auĂergewöhnlich hoher Belastung dar. FrĂŒhere Untersuchungen der UniversitĂ€t Coimbra verdeutlichen die Dimension dieses Problems: Demnach erreicht das Burnout-Risiko wĂ€hrend der Phase als Assistenzarzt einen Höchststand. Ăber 40 Prozent der NachwuchskrĂ€fte sind den Erhebungen zufolge von dieser Form der chronischen Erschöpfung betroffen.
Die Ursachen liegen meist in langen Schichten, hoher Verantwortung sowie emotional fordernden Arbeitssituationen. Da Burnout nicht nur die Gesundheit des Personals gefÀhrdet, sondern auch Auswirkungen auf die VersorgungsqualitÀt in Kliniken haben kann, suchen Forschungseinrichtungen nach niedrigschwelligen Interventionsmöglichkeiten, die sich direkt in den mobilen Alltag der Mediziner integrieren lassen.
Personalisierte Interventionen per Algorithmus
Das vom Institut fĂŒr Medizinische Psychologie der Medizinischen FakultĂ€t der UniversitĂ€t Coimbra (FMUC) geleitete Vorhaben setzt auf eine eigens konzipierte Softwarelösung. Ein Forschungsteam der UniversitĂ€t entwickelte die Anwendung ZENU, die fĂŒr die mobilen Betriebssysteme Android und iOS bereitgestellt wird. Ihr Ziel ist die kontinuierliche Ăberwachung und gezielte Minderung der psychischen Belastung wĂ€hrend des Medizinalpraktikums.
Methodisch erfasst die Software kontinuierlich Daten zu den Gedanken, Verhaltensweisen und dem emotionalen Befinden der Nutzer. Auf dieser Grundlage werten Algorithmen auf Basis kĂŒnstlicher Intelligenz die Eingaben aus, um individuelle Risikoprofile zu erstellen.
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Erkennt das System Anzeichen einer akuten Ăberlastung, stellt es maĂgeschneiderte Inhalte zur VerfĂŒgung. Das Spektrum umfasst dabei personalisierte Ăbungen aus den Bereichen Achtsamkeit und SelbstmitgefĂŒhl, die den Betroffenen bei der Stressregulation helfen sollen.
Wissenschaftliche ĂberprĂŒfung mittels Biomarkern und Bildgebung
Um den tatsĂ€chlichen Nutzen der digitalen Intervention zu ĂŒberprĂŒfen, setzt das Projekt auf eine methodisch fundierte klinische Studie mit AssistenzĂ€rzten. Dabei beschrĂ€nkt sich die Evaluation nicht allein auf standardisierte psychologische Fragebögen zur SelbsteinschĂ€tzung.
Zur Messung der Wirksamkeit werden auch physiologische und neuronale Parameter herangezogen. Neben der Bestimmung von Biomarkern wie dem Stresshormon Cortisol soll die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) eingesetzt werden. Ăber dieses Neuroimaging erhoffen sich die Wissenschaftler detaillierte Einblicke in neurologische VerĂ€nderungen und messbare Effekte der Intervention auf das Gehirn.
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Institutionelle Verankerung des Projekts
Das Vorhaben RESOUT stĂŒtzt sich auf eine breite institutionelle Basis. Finanziert wird das Forschungsprojekt von der portugiesischen Förderorganisation Fundação para a CiĂȘncia e a Tecnologia.
Zudem erhĂ€lt die Initiative UnterstĂŒtzung von berufsstĂ€ndischer Seite: Der Conselho Nacional do MĂ©dico Interno begleitet das Projekt, um sicherzustellen, dass die technologische Entwicklung den realen BedĂŒrfnissen der praktizierenden Nachwuchsmediziner entspricht.
