Burnout-Paradoxon, Erschöpfung

Burnout-Paradoxon: 88% engagiert, doch 81% zeigen Erschöpfung

Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 00:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die IPR-Studie zeigt hohe Einsatzbereitschaft bei Kommunikatoren, zugleich wachsen Burnout-Symptome, Wechselabsichten und psychische Ausfälle.

Arbeitswelt unter Druck: Engagement steigt, Burnout nimmt zu
Ein leerer, modern gestalteter Schreibtisch in einem Büro bei Dämmerung, der eine Atmosphäre von Stille und Rückzug vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz steht angesichts aktueller Daten zunehmend im Fokus der betrieblichen Gesundheitsvorsorge. Aktuelle Untersuchungen, wie die IPR-Studie 2026, weisen auf eine paradoxe Entwicklung hin: Während ein Großteil der Fachkräfte ein hohes Maß an Engagement zeigt, nehmen Erschöpfungssymptome und Burnout-Raten signifikant zu.

Die Ambivalenz zwischen Engagement und psychischer Belastung

Laut der IPR-Studie 2026 bezeichnen sich 88 % der Kommunikatoren als engagiert. Gleichzeitig verzeichnete die Untersuchung, für die zwischen Oktober 2025 und Januar 2026 insgesamt 419 Personen befragt wurden, einen Anstieg der Burnout-Rate um 37 % im Vergleich zum Vorjahr. Demnach erleben 81 % der Befragten zumindest zeitweise Anzeichen eines Burnouts.

Als wesentlicher Faktor für sinkendes Engagement wurde die emotionale Distanz zu Kollegen identifiziert. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Wechselbereitschaft wider: 40 % der Kommunikatoren erwägen einen Arbeitsplatzwechsel, während dieser Wert im Jahr 2025 noch bei 31 % lag. Zudem gaben 77 % der Studienteilnehmer an, dass der Einsatz von Künstlicher Intelligenz die Berufsgruppe bequemer mache.

Erholungsmangel und der Einfluss von Mehrarbeit

Die Herausforderungen bei der Regeneration werden durch Erhebungen der Krankenkasse Pronova BKK verdeutlicht. Einer im April 2024 durchgeführten Umfrage unter 1.202 Beschäftigten zufolge kehren 43 % der Berufstätigen schlecht erholt aus dem Urlaub zurück. Dabei gaben 24 % an, wenig erholt zu sein, während 19 % ihren Erholungsgrad als mittelmäßig einstuften.

Ein Grund für den mangelnden Erholungseffekt ist die hohe Belastung vor und nach der Urlaubszeit. Rund 60 % der Arbeitnehmer berichteten von einer starken Mehrbelastung vor dem Urlaub, die im Schnitt acht Zusatzstunden umfasste. Nach der Rückkehr fielen durchschnittlich ebenfalls acht Überstunden an.

Besonders betroffen ist die Generation Z, bei der über 50 % angaben, nicht gut erholt zu sein. Diese Gruppe leistet laut der Umfrage vor und nach dem Urlaub durchschnittlich neun Stunden Mehrarbeit. Auch bei Führungskräften ist die Abgrenzung schwierig; 75 % von ihnen schalten bereits vor Urlaubsende wieder in den Arbeitsmodus.

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Krankheitsstände und langfristige gesundheitliche Folgen

Der BKK-Dachverband verzeichnete für das erste Quartal 2026 einen allgemeinen Krankenstand von 6,41 %. Im Vergleich dazu lag dieser Wert im Vorjahreszeitraum bei 6,84 % und im ersten Quartal 2024 bei 6,48 %.

Während Atemwegserkrankungen im ersten Quartal 2026 um 25 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurückgingen, stiegen psychische Erkrankungen deutlich an. Besonders betroffen ist die Altersgruppe der 25- bis 44-Jährigen. Die durchschnittliche Ausfalldauer bei psychischen Diagnosen beträgt laut Verbandsangaben mehr als fünf Wochen.

Zusätzliche Risiken ergeben sich aus suchthaftem Arbeitsverhalten. Eine Studie des BIBB und der TU Braunschweig aus dem Jahr 2023, für die 8.000 Personen befragt wurden, ergab, dass jeder zehnte Erwerbstätige suchthaft arbeitet. Eine tägliche Mehrarbeit von drei bis vier Stunden erhöhe das risiko für Depressionen massiv.

Als Warnsignale für Arbeitssucht gelten der Kontrollverlust über die Arbeitszeit, mangelnde Erholung und eine Dominanz der Arbeit über alle Lebensbereiche. Fachleute betonen, dass die Genesung von einem Burnout oft Monate dauere und durch tiefe Erschöpfung, Antriebslosigkeit und Schlafstörungen gekennzeichnet sei.

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Strukturelle Ursachen und ökonomische Auswirkungen

Neben individuellen Faktoren wie Perfektionismus spielen auch organisationale Rahmenbedingungen eine Rolle. Experten beobachten, dass jüngere Mitarbeiter teilweise geringere Resilienzstrategien aufweisen, was in Kombination mit einer als zu weich wahrgenommenen Führung und fehlendem klaren Feedback zu einer Zunahme von Ausfällen führen könne.

Bereits im Jahr 1974 definierte der Psychologe Herbert J. Freudenberger das Burnout-Syndrom als völlige körperliche und psychische Erschöpfung, die in zwölf Stadien verläuft – beginnend mit einem überhöhten Drang, sich zu beweisen.

Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich. In Österreich arbeiteten Vollzeitbeschäftigte zuletzt durchschnittlich 40,7 Stunden pro Woche. Daten der Arbeiterkammer und des ÖGB für das Jahr 2025 zeigen, dass allein dort 45,9 Millionen unbezahlte Überstunden geleistet wurden, was einem Gegenwert von 2,5 Milliarden Euro entspricht.

Über 80 % der dortigen Arbeitnehmer wünschen sich demnach kürzere Arbeitszeiten. Zudem steigt bei einer Wochenarbeitszeit von über 64 Stunden das Unfallrisiko statistisch um 88 %.

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