Burnout-Risiko, Beschäftigten

Burnout-Risiko: 63 Prozent der Beschäftigten unter Druck

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 19:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Gemeinnützige Organisationen kämpfen mit steigenden Kosten und psychischen Belastungen der Mitarbeiter. Neue Studien belegen wachsende Burnout-Risiken.

Sozialer Sektor unter Druck: Hohe Belastung und sinkende Mittel
Ein leerer Schreibtisch in einer hellen, professionellen Arbeitsumgebung im Sozialwesen bei weichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Schere zwischen steigenden Anforderungen und sinkenden Ressourcen klafft immer weiter auseinander. Gemeinnützige Organisationen und Wohlfahrtsverbände kämpfen mit wirtschaftlichem Druck, während die psychische Belastung der Beschäftigten neue Höchststände erreicht.

Millionen-Budget, aber kein Spielraum

Die Stiftung Liebenau meldet für 2025 Erlöse von 727 Millionen Euro – doch der Personalaufwand verschlingt mit 414 Millionen Euro mehr als die Hälfte. Bei 10.380 Mitarbeitenden fordert die Organisation strukturelle Sozialreformen und weniger Bürokratie. Geplante Investitionen, etwa ein 40-Millionen-Euro-Umbau in Hegenberg, zeigen den enormen Kapitalbedarf.

Auch die Caritas spürt den Wandel. Private Spenden steigen zwar, staatliche Mittel sinken dagegen. Mit einem Budget von 88,6 Millionen Euro unterstützte die Organisation 2025 rund 305 Millionen Menschen in 67 Ländern. Ihr Leiter Oliver Müller warnt: „Die Rahmenbedingungen für Helfer werden zunehmend schwieriger und gefährlicher."

In Österreich droht der nächste Schlag: Der Betriebsrat von pro mente OÖ schlägt Alarm. Angekündigte Förderkürzungen beim Arbeitsmarktservice (AMS) in Höhe von 13,5 Millionen Euro könnten Integrationsprojekte und Arbeitsplätze kosten.

Weniger Krankheitstage, mehr Burnout

Der Fehlzeitenreport 2025 zeigt einen überraschenden Trend: Die Krankenstandstage sanken um 2,7 Prozent auf durchschnittlich 14,7 Tage pro Kopf. Doch die Kehrseite der Medaille: Psychisch bedingte Fehlzeiten nehmen langfristig zu.

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Eine PwC-Studie bestätigt den Befund: 63 Prozent der Beschäftigten berichten von gestiegener psychischer Belastung. Die Folge: 75 Prozent wünschen sich lebensphasenorientierte Arbeitsmodelle.

Besonders dramatisch ist die Lage im Bildungssektor. Die vierte IARD-Studie zu italienischen Lehrkräften zeigt: Rund 18 Prozent haben ein hohes Burnout-Risiko. Fast die Hälfte fühlt sich mental erschöpft, sechs von zehn fordern mehr psychologische Unterstützung. Ein zusätzlicher Stressfaktor: Die wahrgenommene Gewalt an Schulen hat massiv zugenommen.

Neue Werkzeuge gegen den Burnout

Forscher der Universität Vilnius haben ein neues Analysewerkzeug validiert: das Burnout Assessment Tool (BAT). Es stuft das Risiko in verschiedene Kategorien ein und empfiehlt bei hoher Gefährdung professionelle Hilfe. „Ziel ist es, Burnout-Prozesse zu stoppen, bevor schwerwiegende Folgen eintreten", so die Forscher.

Auch in der Ausbildung tut sich etwas. Das Modul „MODINA" – entwickelt vom Deutschen Roten Kreuz und der Frankfurt UAS – bereitet Pflegekräfte auf Extremsituationen vor. In 40 Unterrichtseinheiten geht es um Pandemien, Naturkatastrophen oder Cyberangriffe. Die Idee: Die Resilienz in Krisen stärken.

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Sicherheit braucht Personal

Nach Vorfällen Ende Juni 2026 in Stade ist die Bdette um den Schutz von Fachkräften neu entbrannt. Experten diskutieren das Spannungsfeld zwischen Offenheit sozialer Dienste und Mitarbeiterschutz. Klar ist: „Sicherheit in sozialen Berufen ist untrennbar mit ausreichend Personal und Zeit für Gefahreneinschätzungen verbunden", betonen Fachleute.

Ein Lichtblick: Laut IGES-Institut vom Juli 2026 ist die Zufriedenheit mit Beratungsleistungen in der Pflege auf 87 Prozent gestiegen. Das zeigt den hohen Wert persönlicher Beratung. Doch die Voraussetzung – stabile Personaldecken – gerät durch die aktuellen Sparzwänge in der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik zunehmend unter Druck.

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