Callcenterbetrug: TĂ€ter geben sich als Kriminalpolizei aus
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 16:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In den vergangenen Tagen ist es bundesweit zu einer massiven HĂ€ufung von Betrugsversuchen durch falsche Polizeibeamte gekommen. Unbekannte TĂ€ter kontaktieren BĂŒrger telefonisch und geben sich als Ermittler der Kriminalpolizei aus, um unter Vorspiegelung falscher Tatsachen detaillierte Informationen ĂŒber Vermögenswerte zu erlangen. WĂ€hrend viele Betroffene die Masche rechtzeitig erkannten, kam es in mehreren FĂ€llen zu erheblichen finanziellen Verlusten im fĂŒnfstelligen Bereich.
Regionale Schwerpunkte und koordinierte Anrufwellen
Besonders betroffen zeigten sich zuletzt Regionen in Bayern, Niedersachsen und ThĂŒringen. Die Polizei Naila registrierte zwischen Sonntag und Dienstag insgesamt 16 Anzeigen wegen Callcenterbetrugs.
Die Anrufer gaben sich dabei als Mitarbeiter der Kriminalpolizei Naila aus und behaupteten, nach der Festnahme rumÀnischer TatverdÀchtiger seien Zettel mit den Anschriften der Angerufenen gefunden worden. Laut den Ermittlern in Naila reagierten in diesen FÀllen alle Betroffenen besonnen und beendeten die GesprÀche ohne Preisgabe persönlicher Daten.
Im ZustĂ€ndigkeitsbereich der Polizei Oberfranken wurden am Montag bis zum Nachmittag mehr als 30 betrĂŒgerische Anrufe gemeldet, wobei der Schwerpunkt in der Stadt und im Landkreis Hof sowie im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge lag.
Ăhnliche Entwicklungen meldete das PolizeiprĂ€sidium Ulm, wo seit dem spĂ€ten Vormittag desselben Tages mindestens 10 Anrufer versuchten, BĂŒrger um ihr Erspartes zu bringen. Auch die Polizeiinspektion Gifhorn verzeichnete am Montagnachmittag fĂŒnf FĂ€lle in den Orten HankensbĂŒttel, Schneflingen, Wittingen und Emmen.
Erhebliche finanzielle SchÀden durch gezielte TÀuschung
Trotz der Warnungen gelang es den TĂ€tern in mehreren StĂ€dten, hohe Summen zu erbeuten. In Apolda wurde ein 91-jĂ€hriger Mann am Abend des 21. September Opfer der Masche. Nachdem er am Telefon Informationen ĂŒber eine MĂŒnzsammlung preisgegeben hatte, erschien gegen 18:30 Uhr ein Unbekannter an seiner Wohnanschrift in der ReuschelstraĂe und nahm MĂŒnzen im Wert von knapp 28.000 Euro zur angeblichen Sicherung entgegen.
In Leipzig kam es am Vormittag des 21. September zu einem Fall von AmtsanmaĂung und Diebstahl. Zwei MĂ€nner gaben sich gegenĂŒber einer 93-jĂ€hrigen Rentnerin als Polizisten aus und entwendeten bei einer vorgetĂ€uschten Kontrolle in deren Wohnung ĂŒber 100 Euro Bargeld sowie Schmuck in unbekannter Höhe.
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Weitere erfolgreiche BetrugsfĂ€lle ereigneten sich bereits Mitte September. In Emmerich ĂŒbergab eine Seniorin nach einem sogenannten Schockanruf ĂŒber einen angeblichen tödlichen Verkehrsunfall ihrer Tochter einen Stoffbeutel mit Bargeld und Wertsachen an eine unbekannte Abholerin.
In MĂŒnster-Roxel entwendete ein TĂ€ter GoldmĂŒnzen, nachdem er einem Senior glaubhaft gemacht hatte, eine TĂ€tergruppe könne Gold mit MessgerĂ€ten orten. In Wiesbaden ĂŒbergab eine Frau am 18. September Schmuck im Treppenhaus ihres WohngebĂ€udes an einen vermeintlichen Beamten zur Dokumentation.
Variantenreiche TÀuschungsmethoden und PrÀvention
Die TÀter passen ihre Strategien laufend an. Zu den hÀufigsten Varianten gehören:
* Die Einbruchs-Masche: Behauptung von EinbrĂŒchen in der Nachbarschaft und die Notwendigkeit, Wertsachen zur sicheren Verwahrung abzuholen.
* Der Schockanruf: Forderung von Kautionen durch angebliche StaatsanwÀlte oder Richter nach UnfÀllen von Angehörigen.
* Die medizinische Notlage: Angebliche Ărzte fordern Geld fĂŒr dringende Behandlungen von Familienmitgliedern, etwa fĂŒr eine Chemotherapie in der Schweiz.
* Die Bank-Variante: TĂ€ter geben sich als Bankmitarbeiter aus und behaupten, Bankkarten seien gesperrt worden.
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Die Polizeibehörden weisen eindringlich darauf hin, dass die echte Polizei niemals am Telefon zur Herausgabe von Bargeld oder Wertsachen auffordert. BĂŒrger werden dazu aufgerufen, solche Telefonate sofort zu beenden und die Polizei ĂŒber den Notruf 110 zu verstĂ€ndigen. Dabei sollte fĂŒr den RĂŒckruf die Nummer der örtlichen Dienststelle selbst herausgesucht werden, anstatt die RĂŒckruftaste zu nutzen, da Kriminelle eine bestehende Verbindung technisch vortĂ€uschen können.
Zudem wird geraten, keine AuskĂŒnfte ĂŒber finanzielle VerhĂ€ltnisse gegenĂŒber Unbekannten zu erteilen. Angehörige werden gebeten, insbesondere Ă€ltere Familienmitglieder ĂŒber diese BetrugsphĂ€nomene aufzuklĂ€ren.
