CalmCar startet Serienfertigung: Fahrassistenzsystem für Million Einheiten
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 16:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der chinesische Technologieanbieter CalmCar hat die Serienproduktion eines hochautomatisierten Fahrassistenzsystems auf Basis der Journey-6-Prozessoren von Horizon Robotics aufgenommen.
Wie das Branchenportal Gasgoo am 19. September 2026 berichtete, umfasst das zugrundeliegende Plattformprojekt ein Volumen von fast einer Million Einheiten für einen großen chinesischen Automobilhersteller. Das erste mit dem System ausgestattete Fahrzeugmodell wird über ein Blindbuchungsverfahren vertrieben und soll noch im September auf den Markt kommen.
Technische Plattform und kostensenkende Architektur
In dem neuen Fahrassistenzsystem setzt CalmCar auf den Halbleiter Journey 6B, der eine Rechenleistung von 18 TOPS bereitstellt. Um die Entwicklungs- und Integrationszyklen über verschiedene Fahrzeugreihen hinweg zu verkürzen, verfolgt das Unternehmen einen modularen Softwareansatz: Die Kernalgorithmen werden zu mehr als 70 Prozent plattformübergreifend wiederverwendet.
Parallel dazu zielt CalmCar auf eine spürbare Reduzierung der Systemkosten ab. Nach Unternehmensangaben liegen die fahrzeugbezogenen Gesamtkosten für den zentralen Domain-Controller Robotaxi ConnectOne um mehr als 30 Prozent unter dem aktuellen Branchendurchschnitt.
Auftragsbestand und Zusammenarbeit mit ZF
Der Start der Serienfertigung markiert die Fortführung einer Reihe früherer Integrationsprojekte. Bis Mitte Mai 2026 verzeichnete CalmCar in Kooperation mit der Sparte für fortschrittliche Fahrerassistenzsysteme (ADAS) des Zulieferers ZF bereits 40 Produktionsaufträge von Fahrzeugherstellern.
Ein Fahrassistenz-System geht in Serie, dessen Plattformprojekt auf fast eine Million Einheiten ausgelegt ist — und dessen zentraler Domain-Controller laut Anbieter mehr als 30 Prozent unter dem Branchendurchschnitt liegt. Für Zulieferer verschiebt sich damit die Kalkulationsbasis: Wer seine ADAS-Architektur nicht modular und plattformübergreifend aufstellt, verliert im Seriengeschäft pro Einheit. Jetzt kostenlosen Strategie-Report anfordern
Die Kombination aus softwareseitiger Standardisierung und skalierbaren Rechenbausteinen ermöglicht es dem Anbieter, Fahrfunktionen zügig in Serienfahrzeuge zu überführen.
Hardware-Skalierung im chinesischen Automobilsektor
Die Serienfertigung bei CalmCar spiegelt den allgemeinen Branchentrend wider, hochautomatisierte Fahrfunktionen zunehmend über spezialisierte Halbleiterplattformen in Großserie auszurollen. Horizon Robotics dient dabei mehreren Automobilherstellern als technologische Basis.
So setzt auch das Gemeinschaftsunternehmen FAW-Volkswagen bei den gehobenen Modellvarianten des kürzlich in den Vorverkauf gestarteten ID. AURA T6 auf Horizon-Hardware. Zum Einsatz kommt dort der leistungsstärkere Journey-6H-Chip mit 420 TOPS, kombiniert mit einem 192-Kanal-LiDAR und dem Carizon-System auf Basis der gemeinsam von Volkswagen und Xpeng entwickelten CEA-Architektur.
Gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerb durch Eigenentwicklungen der Fahrzeughersteller. Nio meldete für seinen hauseigenen Prozessor Shenji NX9031 mit über 1.000 TOPS eine Produktionsmarke von mehr als 300.000 Einheiten.
Immer mehr Fahrzeughersteller bringen eigene Prozessoren in Serie — mit Rechenleistungen, die zugekaufte ADAS-Plattformen unter Rechtfertigungsdruck setzen. Wer als Zulieferer heute nicht weiß, welche Funktionen er selbst halten muss und welche er zukaufen sollte, verliert den Anschluss an die nächste Vergaberunde. Die Make-or-Buy-Checkliste zeigt, wo Eigenentwicklung sich rechnet und wo Standardisierung schneller skaliert. Make-or-Buy-Checkliste jetzt abrufen
Li Auto wiederum stattet seine Modelle L9, L8, MEGA und i9 seit dem zweiten Quartal 2026 mit dem selbstentwickelten Maher M100 aus, der 1.280 TOPS und eine Speicherbandbreite von 273 Gigabyte pro Sekunde liefert. Zudem stellte Xiaomi den Xring D100 vor, einen im 3-Nanometer-Verfahren gefertigten Chip für intelligentes Fahren, dessen kommerzielle Nutzung für das Jahr 2027 anvisiert ist.
Das Großprojekt von CalmCar verdeutlicht vor diesem Hintergrund das Bestreben, hochautomatisierte Fahrerassistenz über standardisierte, kostengünstige Controller-Lösungen in hohen Stückzahlen im Markt zu etablieren.
