Cannabis-Studie: 1.177 Teilnehmer zeigen keinen Mehrkonsum
Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 10:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Seit Herbst 2023 wird in mehreren Schweizer Städten Cannabis legal über Apotheken abgegeben – im Rahmen eines wissenschaftlich begleiteten Pilotprojekts, das unter dem Namen SCRIPT läuft. Eine erste Zwischenbilanz der Studie aus Bern, Biel und Luzern liefert nun einen Überblick darüber, wie sich der kontrollierte Verkauf in der Praxis entwickelt hat.
Teilnehmerzahlen und Standorte
An der Studie nehmen insgesamt 1.177 Personen teil, verteilt auf drei Städte: 777 in Bern, 261 in Luzern und 139 in Biel. Die Abgabe erfolgt über neun Apotheken. Während der Verkauf in Bern und Biel bereits seit Herbst 2023 läuft, startete er in Luzern erst Mitte 2024 – ein zeitlicher Unterschied, der sich auch in den unterschiedlichen Teilnehmerzahlen der Städte widerspiegelt.
Kein Anstieg des Konsums
Ein zentrales Ergebnis der Zwischenbilanz betrifft die Konsummuster der Teilnehmenden: Entgegen möglicher Befürchtungen, dass eine legale und einfach zugängliche Abgabe zu einem Mehrkonsum führen könnte, zeigt die Auswertung das Gegenteil. Die Teilnehmenden konsumierten nicht mehr, teilweise wurden sogar leichte Rückgänge verzeichnet.
Produktsortiment und Beratung
Die Zwischenbilanz des Schweizer Pilotprojekts liefert erstmals belastbare Zahlen zum kontrollierten Cannabis-Verkauf über Apotheken: 1.177 Teilnehmende, kein Anstieg des Konsums, eine hohe Weitergabequote von Beratungshinweisen. Wer die Regulierungsdebatte mit Daten statt Vermutungen führen will, findet hier die wichtigsten Befunde aufbereitet. Kostenlosen Daten-Report zur SCRIPT-Zwischenbilanz anfordern
Beim Blick auf die verkauften Produkte dominieren Blüten mit einem Anteil von 65 Prozent, gefolgt von E-Liquids mit 21 Prozent. Ein weiterer Aspekt der Studie betrifft die Rolle der Apotheken als Beratungsstellen: 71 Prozent der Teilnehmenden gaben an, Beratungshinweise aus den Apotheken weitergegeben zu haben. Das deutet darauf hin, dass der Verkauf über Apotheken nicht nur eine reine Abgabestelle darstellt, sondern auch eine gewisse Aufklärungsfunktion übernimmt, die beim Erwerb auf dem Schwarzmarkt fehlen würde.
Verlängerung des Pilotprojekts
Ursprünglich war der Verkauf im Rahmen des Pilotprojekts bis 2026 befristet. Diese Frist wurde nun verlängert: Der Verkauf ist nun bis Oktober 2028 bewilligt. Die Verlängerung gibt den beteiligten Forschungsteams mehr Zeit, um langfristigere Effekte des kontrollierten Zugangs zu Cannabis zu untersuchen – etwa in Bezug auf Konsumverhalten, Gesundheit und die Wirksamkeit der Beratung in Apotheken.
Einordnung
Ob ein legaler Zugang den Schwarzmarkt-Kauf ersetzt, hängt maßgeblich an der Beratung: 71 Prozent der Teilnehmenden gaben Apotheken-Hinweise weiter — ein Effekt, der beim Erwerb ohne Beratung fehlt. Der Report ordnet ein, welche Rolle die neun Apotheken als Aufklärungsstellen tatsächlich spielen. Report zur Apotheken-Beratung jetzt sichern
Die vorgestellten Zwischenergebnisse aus Bern, Biel und Luzern liefern damit erste empirische Hinweise darauf, wie sich ein regulierter, apothekenbasierter Zugang zu Cannabis in der Praxis auswirkt. Insbesondere der ausbleibende Mehrkonsum sowie die hohe Weitergabequote von Beratungshinweisen dürften für die weitere Debatte um die Regulierung von Cannabis in der Schweiz von Bedeutung sein.
Mit der Verlängerung des Verkaufszeitraums bis Oktober 2028 erhält das Pilotprojekt zudem einen längeren Beobachtungszeitraum, der belastbarere Aussagen über die langfristigen Effekte der Apothekenabgabe ermöglichen soll.
