Caplyta: Johnson & Johnson zeigt Wirksamkeit bei Bipolar-Störung
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 20:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Blick auf jüngere klinische Studiendaten zeigt, wie breit derzeit an Erweiterungen bestehender Therapien für psychiatrische, metabolische und altersassoziierte Erkrankungen gearbeitet wird. Im Zentrum steht eine Phase-3-Studie von Johnson & Johnson zu Lumateperon (Caplyta), die Hinweise auf eine mögliche neue Einsatzmöglichkeit des Wirkstoffs liefert.
Caplyta bei manischen Episoden der Bipolar-I-Störung
Die Studie 451 (NCT06462586) untersuchte Caplyta 42 mg einmal täglich bei Erwachsenen mit manischen Episoden im Rahmen einer Bipolar-I-Störung. Laut einem Bericht von marketscreener.com vom 21. September 2026 erreichte die Studie ihren primären Endpunkt: In Woche 3 zeigte sich eine statistisch signifikant um 4,8 Punkte stärkere Reduktion des YMRS-Gesamtscores gegenüber Placebo, mit einer Effektstärke von -0,69 (p<0,0001). Eine signifikante Verbesserung war bereits ab Tag 3 erkennbar.
Auch beim sekundären Endpunkt CGI-S zeigte sich laut biospace.com ein Unterschied von -0,5 Punkten (p<0,0001). Ein klinisches Ansprechen, definiert als YMRS-Reduktion von mindestens 50 Prozent, erreichten 45,8 Prozent der Patienten unter Caplyta gegenüber 20,9 Prozent unter Placebo (p<0,0001).
Bei den unerwünschten Ereignissen berichtete marketscreener.com von Mundtrockenheit (7,9 Prozent vs. 3,4 Prozent unter Placebo) und Übelkeit (7,9 Prozent vs. 2,3 Prozent) als häufigsten Nebenwirkungen unter Caplyta.
Die Ergebnisse wurden beim Psych Congress Annual Meeting 2026 in New Orleans (15. bis 19. September) vorgestellt. Eine zweite Phase-3-Studie, Studie 452, ist laut biospace.com bereits abgeschlossen, die Datenanalyse läuft noch.
Caplyta ist derzeit nicht für manische Episoden bei Bipolar-I-Störung zugelassen; die vorliegenden Daten bringen das Medikament laut Reuters jedoch näher an eine mögliche Erweiterung über die aktuell zugelassenen Anwendungsgebiete hinaus. J&J hatte Caplyta über eine Übernahme im Wert von 14,6 Milliarden US-Dollar erhalten.
Weitere Studienergebnisse aus dem Umfeld altersrelevanter Erkrankungen
Parallel zu den Caplyta-Daten wurden in den vergangenen Tagen mehrere weitere Studienresultate präsentiert, die für die Behandlung altersassoziierter Erkrankungen relevant sein können.
Die Phase-3-Studie 451 zu Lumateperon 42 mg bei manischen Episoden der Bipolar-I-Störung erreichte ihren primären Endpunkt — mit einer YMRS-Reduktion von 4,8 Punkten gegenüber Placebo in Woche 3 und einer Ansprechrate von 45,8 Prozent. Was das für Ihre Therapieentscheidungen bedeutet, lesen Sie im kostenlosen Praxisleitfaden. Studiendaten-Übersicht jetzt anfordern
Novo Nordisk stellte auf einer Investorenveranstaltung in London Ergebnisse zweier Phase-3-Studien zu CagriSema vor. In der Studie REIMAGINE 5 bei Erwachsenen mit unzureichend kontrolliertem Typ-2-Diabetes zeigte sich CagriSema (1,0 mg/1,0 mg) beim Gewichtsverlust überlegen gegenüber Tirzepatid 5 mg – 12,4 Prozent gegenüber 9,1 Prozent in Woche 60, bei nicht unterlegener HbA1c-Senkung (1,71 Prozent vs. 1,67 Prozent).
In der Studie REDEFINE 9 bei Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas erreichte CagriSema eine Gewichtsreduktion von 21,0 Prozent gegenüber 2,0 Prozent unter Placebo in Woche 68, verbunden mit stärkeren Verbesserungen bei Blutdruck, Taille-Größe-Verhältnis und Nüchtern-Lipidprofil.
Laut finanznachrichten.de waren beide Studien gut verträglich, das Sicherheitsprofil entsprach früheren Untersuchungen. Die Novo-Aktie notierte allerdings vor Handelsbeginn mehr als 4 Prozent im Minus, bei 267,45 dänischen Kronen (-5,01 Prozent).
Otsuka präsentierte ebenfalls beim Psych Congress 2026 Daten einer Phase-3b-Studie zu Centanafadine (Simtriyo) bei Erwachsenen mit ADHS und komorbiden Angststörungen.
In der Studie mit 315 Teilnehmern zwischen 18 und 65 Jahren mit generalisierter Angststörung und/oder sozialer Angststörung zeigte sich in Woche 8 eine AISRS-Reduktion von -18,48 gegenüber -12,62 unter Placebo (Differenz -5,87; p<0,0001), mit Trennung von Placebo bereits ab Woche 1. Auch bei HAM-A und ASRS-18 zeigten sich laut clinicaltrialsarena.com signifikante Unterschiede.
Häufigste Nebenwirkungen waren Übelkeit (17,2 Prozent vs. 5,7 Prozent), verminderter Appetit (13,4 Prozent vs. 3,2 Prozent) und Diarrhö (10,2 Prozent vs. 3,2 Prozent). Simtriyo ist bereits FDA-zugelassen für ADHS bei Erwachsenen und Kindern ab 6 Jahren mit mindestens 20 kg Körpergewicht; eine Prüfung des Betäubungsmittelstatus durch die DEA läuft.
Weitere relevante Befunde kommen aus der Nephrologie und Hepatologie: Bayer legte Daten der Studie FINE-ONE zu Finerenon bei Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes und chronischer Nierenerkrankung vor, publiziert im New England Journal of Medicine. Der Albumin-Kreatinin-Quotient im Urin sank nach sechs Monaten um 34 Prozent unter Finerenon gegenüber 12 Prozent unter Placebo.
Mundtrockenheit und Übelkeit traten unter Lumateperon 42 mg in Studie 451 häufiger auf als unter Placebo — doch wie ordnet man diese Ereignisse im Praxisalltag ein? Der Leitfaden liefert eine strukturierte Nebenwirkungs-Checkliste und zeigt, welche Kontrollpunkte sich bewährt haben. Nebenwirkungs-Checkliste jetzt sichern
Ipsen berichtete laut gesund.at von der Studie ELSPIRE zu Elafibranor bei primär biliärer Cholangitis, in der die Normalisierung der alkalischen Phosphatase nach 52 Wochen bei 85 Prozent der Behandelten gegenüber 23 Prozent unter Placebo gelang.
Insgesamt verdeutlichen diese parallel veröffentlichten Studienergebnisse, wie intensiv derzeit an neuen oder erweiterten Therapieansätzen für Erkrankungen gearbeitet wird, die insbesondere ältere und chronisch kranke Patientengruppen betreffen – von psychiatrischen Indikationen über Stoffwechselerkrankungen bis hin zu Nieren- und Lebererkrankungen.
