CaptiveCrunch: Microsoft warnt vor Spionage in öffentlichen WLAN
Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 16:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Microsoft hat vor einer großflächigen Cyber-Spionage-Kampagne gewarnt, die unter dem Namen CaptiveCrunch den Datenverkehr von Smartphones in öffentlichen WLAN-Netzwerken kompromittiert. Wie das Unternehmen mitteilte, zielen die Angreifer gezielt auf Reisende ab, um sensible Informationen abzugreifen.
Die seit Mai dieses Jahres aktive Kampagne wird nach Erkenntnissen der Sicherheitsanalysten von einer Gruppe gesteuert, die unter der Bezeichnung Storm-2945 geführt wird.
Branchenkenner bringen diese Akteure mit der Gruppierung APT29, auch bekannt als Cozy Bear, in Verbindung, die dem russischen Auslandsgeheimdienst SVR zugeordnet wird. Die Angriffe konzentrieren sich vor allem auf Standorte mit hoher Fluktuation durch internationale Gäste, wie Hotels, Konferenzzentren und Flughäfen.
Manipulation von Anmeldeseiten und DNS-Servern
Das Vorgehen der Gruppe ist technisch anspruchsvoll. Die Angreifer infiltrieren die Router-Infrastruktur öffentlicher WLAN-Anbieter und manipulieren die sogenannten Captive Portals – jene Anmeldeseiten, die Nutzer beim Einwählen in ein Hotspot-Netzwerk sehen.
Durch gezielte DNS-Manipulationen werden die Nutzer auf präparierte Seiten umgeleitet. Dort erscheinen gefälschte Sicherheitswarnungen oder Browser-Pop-ups, die sogar auf legitimen Webseiten wie jenen von Apple oder Amazon eingeblendet werden können.
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Ziel dieser Täuschung sei es laut den Analysen, die Opfer zur Installation von angeblichen Sicherheitsupdates zu bewegen. Tatsächlich handele es sich dabei jedoch um Schadsoftware, konkret um den Remote-Access-Trojaner CornFlake. Einmal auf dem Gerät installiert, ermögliche dieses Werkzeug den Angreifern die weitreichende Überwachung des betroffenen Smartphones und den Diebstahl von Daten.
Umgehung von Sicherheitsmechanismen ohne Phishing-Mails
Besondere Aufmerksamkeit widmet der Warnbericht der Methode, mit der herkömmliche Schutzmaßnahmen ausgehebelt werden. So nutzen die Hintermänner laut Microsoft sogenanntes Device Code Phishing, um die Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) zu umgehen. Dies erlaube den Zugriff auf geschäftliche Accounts, wie etwa Microsoft-365-Konten, ohne dass die betroffenen Nutzer zuvor eine klassische Phishing-E-Mail erhalten haben müssen.
Die Manipulation finde direkt über die kompromittierte WLAN-Struktur statt, wobei über gefälschte Login-Masken die Zugangsdaten der Reisenden abgefischt werden.
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Empfehlungen für Geschäftsreisende und Urlauber
Da sich die Angriffe bevorzugt gegen Personen richten, die beruflich oder privat unterwegs sind, raten IT-Sicherheitsexperten zu erhöhter Vorsicht bei der Nutzung öffentlicher Infrastrukturen. Microsoft und Fachleute für Cybersicherheit empfehlen, in unsicheren Umgebungen nach Möglichkeit vollständig auf öffentliche Hotspots zu verzichten und stattdessen die Mobilfunkverbindung des eigenen Geräts oder einen persönlichen Hotspot zu nutzen.
Sollte die Nutzung eines Hotel-WLANs unumgänglich sein, könne der Einsatz eines Virtual Private Network (VPN) helfen, die Verbindung zu schützen. Zudem mahnen Experten, niemals System- oder Browser-Updates direkt über ein Captive Portal zu installieren. Für die Absicherung von Konten wird zudem der Einsatz von Passkeys empfohlen, da diese als sicherer gegenüber den beobachteten Phishing-Methoden gelten.
